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Film über Basler Architektin Barbara Buser – die Architektin, die lieber erhält als neu baut

Barbara Buser prägt Basel mit dem Erhalt von alten Gebäuden. Sie gilt als Pionierin. Nun gibt es einen Film über sie.

Barbara Buser hat Basel geprägt wie kaum eine andere Architektin. Nicht durch spektakuläre Neubauten, sondern durch Orte, die geblieben sind und weiterleben: Fabrikhallen, Wohnhäuser, eine Markthalle. Gebäude, die längst hätten verschwinden können – und heute zum Alltag der Stadt gehören.

Buser in einem Garten
Legende: Barbara Buser will bestehende Gebäude erhalten und hat einen radikalen Ansatz: «Wir dürfen kein einziges Gebäude mehr abreissen.» zvg, First Hand Films

Die 72‑Jährige gilt als Pionierin des nachhaltigen Bauens in der Schweiz. Ihr Credo ist einfach formuliert und radikal gemeint: «Wir dürfen keine Gebäude mehr abreissen.»

Für Buser beginnt Klimaschutz bei der grundsätzlichen Frage, ob ein Haus überhaupt neu gebaut werden muss. «Ich bin überzeugt, dass wir nicht mehr so weitermachen können auf dem Planeten, sonst putzt es uns einfach als Zivilisation weg.»

Alte Gebäude erhalten – ein paar Beispiele

Bekannt wurde Buser mit Projekten wie dem Gundeldinger Feld in Basel, einer ehemaligen Maschinenfabrik, die heute als Quartiertreffpunkt genutzt wird. Oder mit der Basler Markthalle, die sie von einem gescheiterten Einkaufszentrum zu einem der meistbesuchten Essensorte der Stadt machte.

Weitere Transformationsorte

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Auch hier hatte Barbara Buser einen Abriss verhindern können und alte Gebäude werden neu genutzt:

  • Kindl‑Areal (Berlin)
    Umbau einer ehemaligen Brauerei zu einem Kultur‑ und Gewerbeareal.
  • Lagerplatz / Gebäude K.118 (Winterthur)
    Neubau auf ehemaligem Sulzer‑Areal, zu rund 70 Prozent aus wiederverwendeten Materialien; ausgezeichnet mit dem Holcim Global Gold Award.
  • Thomi-und-Franck‑Areal (Basel)
    Ehemaliges Industrieareal, das schrittweise zu einem Ort für Tanz, Kultur, Gewerbe und Arbeiten entwickelt wird.
  • Unternehmen Mitte (Basel)
    Umnutzung der ehemaligen Schalterhalle der Schweizerischen Volksbank zu einem öffentlich zugänglichen Treffpunkt mit Café, Ateliers und Veranstaltungen.

Geprägt wurde ihre Haltung früh. Nach dem Architekturstudium an der ETH Zürich arbeitete Buser zehn Jahre in Afrika – vor allem in Tansania und im Sudan. Sie baute dort Brunnen, renovierte Gebäude und lernte, mit knappen Ressourcen umzugehen.

Zurück in der Schweiz nahm sie die hiesige Baupraxis als verschwenderisch wahr. Mitte der 1990er‑Jahre gründete sie die Bauteilbörse Basel und später zusammen mit Eric Honegger das Baubüro «in situ». «Meine Grundmotivation ist, Abfall zu vermeiden. Weil: Wir leben in einem Luxus, der gleichzeitig auf allen Ebenen einen grossen Abfallberg produziert.»

Ein Haus, das man pflegt, hat kein Ablaufdatum.
Autor: Barbara Buser Architektin

Ihr Ansatz lautet deshalb: sanfte Renovation statt Abriss, Wiederverwendung statt Recycling, schrittweise Entwicklung statt grosser Masterpläne. «Ein Haus, das man pflegt, hat kein Ablaufdatum. Das kann man Hunderte von Jahren erhalten. Man kann es umbauen, umnutzen, und man muss das nicht auf 60 Jahre abschreiben.»

Alles nur Gebastel?

Lange galt Barbara Buser als Aussenseiterin der Architekturszene. Als der Bund Schweizer Architektinnen und Architekten sie aufnehmen wollte, hiess es sinngemäss, für ihre Arbeit gebe es «keine Kategorie».

«Die Hauptkritik der etablierten Architekten lautete: Was Buser macht, sei keine Architektur, sondern Gebastel», sagt Axel Simon, Redaktor beim Fachmagazin «Hochparterre». Doch für ihr «Gebastel» erhielt Buser Preise. 2020 wurde sie mit dem «Prix Meret Oppenheim», dem Schweizer Grand Prix Kunst, ausgezeichnet, 2024 mit dem «Basler Kulturpreis». Und auch Simon sagt, Buser liege mit ihren Projekten am Puls der Zeit.

Buser vor Tischen
Legende: Barbara Buser in der Markthalle in Basel. Wo früher Markthändler Gemüse verkauften, locken heute zahlreiche Essensstände zum Verweilen ein. Der Ort hat sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. First Hand Films

Aktuell steht Buser im Mittelpunkt des Dokumentarfilms «Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit», der diese Woche Premiere hatte. Der Film zeichnet das Portrait einer Architektin, die überzeugt ist, dass der grösste Hebel für eine Klimawende im Baubereich im Bestand liegt und im Mut, Bestehendes wertzuschätzen.

Junge sollen ihre Mission weiterleben

Doch gelingt diese Wende auch in der Schweiz? Buser hat Zweifel: «Weil wir einfach zu viel Geld haben in der Schweiz. Neu bauen ist einfacher, geht schneller, bringt mehr Rendite – auf dem Papier zumindest.»

Ihre Mission geht weiter, obwohl sie bereits seit geraumer Zeit im Pensionsalter ist. Im Zentrum stehe nun aber mehr die Vermittlung und Ausbildung der nächsten Generationen. «Die Jungen werden unsere Welt gestalten und sie müssen mit dem umgehen, was wir angerichtet haben.»

Regionaljournal Basel, 16.4.2026, 17:30 Uhr ; 

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