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Film über den Grossvater Ein Kaminfeger, ein Suizid, ein Enkel: eine Spurensuche

Jahre nach dem Suizid des Grossvaters sucht Beeler im Film Antworten – zu einem Trauma, das die Familie bis heute prägt.

Der Grossvater war 81 Jahre alt, als er sich im Keller seines Hauses umbrachte. Sein Enkel, der Zentralschweizer Filmemacher Edwin Beeler, hatte an dem Tag Geburtstag. Er war 31. Das war 1989.

Der Suizid des Grossvaters liess ihn seither nicht mehr los: «Gerade an meinem Geburtstag kommt mir diese Geschichte häufig hoch.»

Heute, Jahrzehnte später, geht Beeler den Fragen seiner Familiengeschichte im Film «Der Mann auf dem Kirchturm» nach. Der Grossvater ist Kaminfeger im Dorf Oberägeri im Kanton Zug. Als Dachdecker liebt er es, auf Kirchtürmen in schwindelerregender Höhe zu arbeiten.

Der Bub Edwin Beeler ist vom Beruf des Kaminfegers fasziniert. Er bewundert seinen Grossvater, sieht ihn als Glücksbringer. «Er war für mich eine magische Figur. Im Estrich stapelten sich seine Zylinderhüte. Ich wollte Zauberer werden.» Sein Grossvater habe ihm eine Fantasiewelt eröffnet. «Vielleicht bin ich deshalb Filmemacher geworden», sagt Edwin Beeler.

Depression? Ein Tabuwort

Der Grossvater war ein guter Arbeiter, einer, den man im Dorf kannte, der den Ton angab, lebenslustig war und auch gerne mal in der Beiz sass. Doch das Bild des stabilen Mannes bekam Risse: Mit 65 stürzte er bei einem Arbeitsunfall vom Dach.

Das Unglück veränderte alles. Es folgten ein langer Spitalaufenthalt und fortan Schmerzen. «Das Wort Depression hat man in dieser Zeit nie gehört», erinnert sich die Tochter, Edwin Beelers Mutter, im Film. «Im Nachhinein haben wir uns oft gesagt, dass er vielleicht stärker Depression hatte, als wir wussten.»

Der Filmemacher Edwin Beeler

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Edwin Beeler ist im Kanton Schwyz aufgewachsen, lebt inzwischen aber seit Jahrzehnten im Kanton Luzern. Er gehört zu den bekanntesten Filmemachern aus der Zentralschweiz. 2017 erhielt er den Innerschweizer Kulturpreis.

Zu seinen Werken gehören: «Hexenkinder» (2020), «Die weisse Arche» (2016) und «Arme Seelen» (2011).

Jahre nach dem Unfall wurde die Grossmutter schwer krank. Der Arzt erlaubte ihr, vom Spital nach Hause zu ihrem Mann zu gehen. Die Pflege lag fortan bei der Familie. Vor allem die Töchter mussten diese übernehmen.

Für die ganze Familie war dies eine grosse Überforderung. Auch für den Grossvater: Eines Tages stieg er die Kellertreppe herunter und nahm sich das Leben. Mit 81. Das hohe Alter tönt aussergewöhnlich, ist es aber nicht. Die Suizidrate bei älteren Männern ist höher als bei Frauen oder Jugendlichen.

Dass die Suizidrate bei älteren Männern hoch ist, habe mit der Sozialisierung und den Rollenbildern zu tun, ist Edwin Beeler überzeugt. So sei es auch bei seinem Grossvater gewesen. «Ein Mann muss stark sein, keine Gefühle zeigen, muss Leistung bringen. Das wurde auch ihm so eingeimpft.»

Familienangehörige öffnen sich

Der Tod des Familienoberhauptes wird ein generationenübergreifendes Trauma. Auch für Edwin Beeler. Weil ihn die Geschichte nicht loslässt, zeigt er nun, mit 67 Jahren, seinen bisher persönlichsten Film: «Der Mann auf dem Kirchturm» läuft seit Donnerstag in den Schweizer Kinos.

Beeler gelang es, seine Mutter, seine Tanten und Onkel davon zu überzeugen, sich vor der Kamera zu äussern. Das sei nicht einfach gewesen, sagt er. «Ich bin meiner Mutter sehr dankbar, dass sie sich darauf eingelassen hat. Und weil sie mitgemacht hat, gaben dann auch die anderen Geschwister ihr Einverständnis.»

Edwin Beeler sagt, obwohl er von seinem Grossvater, seiner Zeit, seinem Leben und seinem Lebensende erzähle, gehe es im Film zum Teil auch um ihn. Er glaube, im Wesen seines Grossvaters Verhaltensmuster zu erkennen, die ihm selbst nicht fremd seien: «Ich bin auch nicht jemand, der immer himmelhoch jauchzend ist. Mir gelingt es auch nicht immer, mich zu öffnen und mich zu äussern. Vielleicht sollte man dies aber zulassen.»

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

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Erwachsene: Dargebotene Hand/Sorgentelefon

  • Telefon (rund um die Uhr): 143
  • Mail und Chat: www.143.ch

Kinder und Jugendliche: Pro Juventute

  • Telefon (rund um die Uhr): 147
  • Mail und Whatsapp: www.147.ch

Weitere Informationen

Regionaljournal Zentralschweiz, 14.2.2026, 17:30 Uhr ; 

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