Bei Bise kommt es am Flughafen Zürich häufiger zu Verspätungen. Weil die Flugzeuge Richtung Osten, gegen die Windrichtung, starten müssen, kommt es am Boden und in der Luft zu vielen Kreuzungspunkten. Starts und Landungen sind bei Bise nicht gleichzeitig möglich.
Dieses Problem lösen könnten neue Abflugrouten. Der Flughafen Zürich plant deshalb, Flugzeuge bei Bise Richtung Süden starten zu lassen. Konkret würden die Flugzeuge auf Piste 16 geradeaus abfliegen. Je nach Flugzeuggrösse und Destination drehen die Maschinen dann früher oder später in verschiedene Himmelsrichtungen ab.
«So können die vielen Kreuzungspunkte eliminiert und die Sicherheit erhöht werden», sagt Flughafensprecherin Bettina Kunz. Ausserdem komme es dank der neuen Abflugregime bei Bise zu weniger Verspätungen.
Noch ist das neue Betriebsreglement aber nicht beschlossen. Bis vor Kurzem konnten sich Anwohnende, Gemeinden und Verbände dazu äussern. Der Widerstand ist gross.
Sorge vor mehr Lärm
Diverse Gemeinden haben Einsprache beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) erhoben – so etwa auch die Städte Zürich, Uster und Dübendorf sowie diverse Gemeinden am rechten Zürichseeufer. Sie befürchten mehr Fluglärm.
«Bei keinem anderen Flugverfahren sind mehr Menschen betroffen», sagt Urban Scherrer vom Verein Flugschneise Süd-Nein. Tatsächlich würden die Flugzeuge über das am dichtesten besiedelte Gebiet rund um den Flughafen starten.
Sie können sich nicht ausmalen, was bei einem Absturz passieren würde.
Und das sei auch ein Sicherheitsrisiko, warnt Scherrer. «Sie können sich nicht ausmalen, was bei einem Absturz passieren würde.» Ausserdem glauben die Fluglärmgegner nicht, dass diese Südstarts nur bei Biese geflogen werden. «Wir sind überzeugt, dass in ein paar Jahren an 365 Tagen Richtung Süden gestartet wird», sagt Urban Scherrer.
Nur an 18 Tagen im Jahr
Gegen diese Darstellung hält Bettina Kunz, Mediensprecherin der Flughafen Zürich AG. Das neue Abflugregime komme nur in circa fünf Prozent der Betriebszeit zum Einsatz. Heisst: Der Flughafen rechnet mit Starts Richtung Süden an ungefähr 18 Tagen im Jahr.
Die Angst, dass Skyguide auf das Bisenkonzept umstellen würde, obwohl keine Bise herrscht, ist unbegründet.
Der Bundesrat habe klar festgelegt, dass Südstarts geradeaus nur bei Bise geflogen werden dürfen, so Kunz. Das sei verbindlich und gelte auch für die Flugsicherung. «Die Angst, dass Skyguide auf das Bisenkonzept umstellen würde, obwohl keine Bise herrscht, ist unbegründet», versichert sie.
Nun prüft das Bundesamt für Zivilluftfahrt die eingegangenen Beschwerden. Eingeführt würde das neue Betriebsreglement frühestens 2027.