Auf dem Stöckenhof in Adligenswil LU leben unter anderem 35 Kühe, dazu kommen rund 240 Mastschweine. Zusätzlich werden jährlich einige Kälber für die Direktvermarktung gemästet. Edi Z'graggens Stöckenhof ist einer von 26 Betrieben, die Agroscope, das Forschungszentrum des Bundesamtes für Landwirtschaft, in den letzten fünf Jahren genauer angeschaut hat – ein Projekt auch in Zusammenarbeit mit dem Kanton Luzern.
Ziel der Forschenden war es, exakt zu messen, wo auf den Höfen Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff entstehen, wie sie genutzt werden – und wo sie verloren gehen.
Produziert ein Betrieb mehr Gülle, als seine Felder aufnehmen können, gelangt der Überschuss in die Umwelt. Edi Z'graggen hat für das Forschungsprojekt die letzten Jahre Gülle durch Messgeräte gepumpt, Futter abgewogen oder Proben vom Miststock bereitgestellt. Er sei lieber vorn mit dabei, als später etwas aufgebrummt zu bekommen, sagt der Bauer.
Die Tierdichte im Kanton Luzern ist hoch: Jede zehnte Schweizer Kuh und sogar jedes dritte Schwein lebt im Kanton. Die vielen Tiere produzieren viel Mist und Phosphor und Stickstoff belasten die Umwelt. Die Belastung ist in einer Hinsicht ideal: für eine praxisorientierte Forschung zugunsten einer nachhaltigeren Landwirtschaft.
Keine einheitliche Lösung
Dank der 26 Bauernhöfe, konnte das Forschungsteam von Agroscope viele Daten sammeln. Es kann nun aufzeigen, wo die Betriebe den Hebel ansetzen können. Allerdings – und das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis: Es gibt kein für alle gültiges Rezept. Je nach Grösse des Betriebs, Art des Stalles und der Methode, wie die Gülle ausgebracht wird, sind andere Massnahmen nötig.
Deshalb brauche es Betriebsberatungen, sagt Projektleiter Thomas Steinsberger: «Man muss auf individuelle, strukturelle, geografische und wirtschaftliche Eigenschaften eines Betriebs eingehen, um zu sehen, welche Massnahmen greifen können.» Dabei gehe es auch darum, ob sie praxisnah seien.
Viele offene Fragen
Und genau da liegt ein weiteres Problem. Eigentlich, so Thomas Steinsberger, wäre es am besten, wenn die Schweine im Stall bleiben würden, statt dass sie auf der Wiese ihr Geschäft verrichten: «Wir haben hier einen ganz klassischen Zielkonflikt zwischen Umweltwirkung und Tierwohl.» Er betont aber, dass es nicht Ziel sei, die Tiere wieder einzusperren.
Um die Umweltbelastung durch überflüssige Nährstoffe in den Griff zu bekommen, sieht das Forschungsteam vor, die Fütterung anzupassen: Wenn das Tierfutter weniger Protein enthält, würde auch der Tierkot weniger Nährstoffe enthalten. Doch da folgt schon der nächste Haken: Dieses Futter ist teurer und es muss geklärt werden, wer diese Mehrkosten für die Bauern bezahlen könnte.
Für Bauer Edi Z'graggen vom Stöckenhof sind diese Ergebnisse ein Stück weit ernüchternd, auch wenn er die Teilnahme am Projekt nicht bereut. Aber: «Ich hätte mir schon gewünscht, dass ich mehr Möglichkeiten hätte, als das Futter umzustellen oder einen konventionellen Stall einzurichten.»
«Werkzeugkasten» soll helfen
Das Projekt geht nun in eine nächste Phase. Es soll ein sogenannter Werkzeugkasten entstehen: Damit soll einem Betrieb aufgezeigt werden, was allfällige Massnahmen für ihn genau bedeuten.
Der Kanton Luzern muss dranbleiben, will er sein Ziel bis 2030 erreichen. Im Vergleich zu 2014 sollen die Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft um 20 Prozent reduziert werden.