Sein Beruf steht vor grossen Herausforderungen: Stefan Haab ist Förster in Stein am Rhein. Aktuell überfliegen Drohnen die Baumwipfel seines Waldes, Wissenschaftler laufen mit Laserscannern durch das Unterholz.
Die Daten sollen Haab helfen, in Zukunft einen besseren Überblick über den Zustand seiner Bäume zu erhalten. Mit präzisen Modellen hätte er die Möglichkeit, spezifischer einzugreifen, und wüsste genau, wie sich grössere Flächen entwickeln, erklärt Haab.
Drohne und Laserscanner vermessen den Wald
Ein Forschungsprojekt, an dem auch die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL beteiligt ist, testet, wie man mithilfe digitaler Technik eine detaillierte 3D-Karte des Waldes erstellen kann. Dazu senden Drohnen aus der Luft und Laserscanner am Boden Lichtimpulse aus, die Tausende Messpunkte pro Sekunde messen können. «LIDAR» (Light Detection and Ranging) nennt sich das System. So entsteht ein ausführlicher Blick auf den Zustand des Waldes – und das schneller und präziser als bislang.
«Solche Aufnahmen erlauben es, Informationen über den Wald bereitzustellen, etwa Baumart, Stammdurchmesser, Bestandsstruktur», sagt Janine Schweier, Leiterin Waldressourcen und Waldmanagement beim WSL. «Das sind wichtige Planungsgrundlagen für Pflegeeingriffe und für Entscheidungen, wie man mit dem Wald im Klimawandel umgehen soll.»
Waldwachstumssimulatoren erlauben Blick in die Zukunft
Extremereignisse wie Sturm, Trockenheit oder Schädlingsbefall können so rasch sichtbar gemacht werden. Die digital gewonnenen Daten zeigen, welche Bereiche betroffen sind, wie gross die Schäden sind und welche Baumarten dort vorkommen. Zudem können aus den Daten Prognosen für die Zukunft erstellt werden – und so eine Entscheidungshilfe für die zukünftige Planung liefern.
So helfen sogenannte Waldwachstumssimulatoren abzuschätzen, wie sich der Wald bis zum Ende des Jahrhunderts unter bestimmten Waldwirtschaftsstrategien und Klimaszenarien entwickeln wird. Damit könne man sehen, wie sich der Wald in Bezug auf Biodiversität, Kohlenstoff oder Holzleistung entwickelt, erklärt Janine Schweier.
Auch der Kanton Schaffhausen plant eine flächendeckende digitale Erfassung der kantonalen Wälder. Bislang habe man nämlich nur eine sehr lückenhafte Übersicht, sagt Raphaela Tinner vom Kantonsforstamt Schaffhausen. Der Kanton plane deshalb, die Waldflächen mit «Lidar»-Scannern an Bord eines Flugzeuges aufzunehmen.
Drohnen sollen autonom den Wald kartografieren
Die ETH forscht derweil an Drohnen, die in Zukunft autonom auch unterhalb der Baumkronen navigieren können. Doch das ist bislang noch Zukunftsmusik.
Stefan Leutenegger, ETH Robotics, erklärt: «Wir haben dreieinhalb Jahre daran geforscht, Drohnen dazu zu bringen, ganz selbstständig einen Wald zu kartografieren. Vom Prototyp zum Endprodukt sind aber noch ein paar Schritte notwendig. Ich schätze, dass das noch fünf bis zehn Jahre braucht, bis es perfekt funktioniert.»
Zurück in Stein am Rhein: Förster Stefan Haab begrüsst den Einzug der digitalen Techniken in die Schweizer Forstwirtschaft. Um die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen, brauche es eine aussagekräftige Datenbasis als Entscheidungsgrundlage, sagt er. Darin ist er sich mit den Forschenden einig.