Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Fragen aus der SRF-Community Affentötungen im Zoo: Warum wurden die Tiere nicht ausgewildert?

Der Zoo Zürich hat vergangene Woche zehn Dscheladas aus Gründen des Artenmanagements einschläfern lassen. Das hat auf sozialen Netzwerken starke Reaktionen und Kritik ausgelöst. Allein auf Facebook gab es über 2000 Kommentare zum publizierten SRF-Artikel. Der Zoo beantwortet nun die wichtigsten Fragen der SRF-Community.

Dominik Ryser

Mediensprecher Zoo Zürich

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Dominik Ryser ist Leiter der Kommunikationsabteilung des Zoo Zürich.

Frage der SRF-Community: Gezüchtet, um getötet zu werden – was ist der Zweck eines Zoos heutzutage?

Zoo Zürich: Die Arbeit eines modernen Zoos ist sehr vielfältig. Grundsätzlich ist es so, dass wir vier Hauptaufgaben vereinen: Erhalt der natürlichen Lebensräume, Zucht gefährdeter Tierarten, Bildung der Zoogäste und Forschung. Ein moderner Zoo ist die einzige Form einer Naturschutzorganisation, die all diese Elemente unter einem Dach verbindet. Das macht Zoos zu wichtigen Akteuren zur Bewältigung der weltweiten Krise der Artenvielfalt. Das bestätigt auch die Weltnaturschutzunion IUCN in einem Positionspapier.

Tierschutzorganisationen üben Kritik

Box aufklappen Box zuklappen

Die Tötung der zehn Dscheladas bezeichnete die Zooleitung als notwendiges Artenmanagement zur Stabilisierung des zu gross gewordenen Clans. Bei Tierschützern sorgte dies teils für Entsetzen.

Die Tierschutzorganisation Peta Deutschland kündigte gar eine Strafanzeige gegen Zoodirektor Severin Dressen an. Peta wirft dem Zoo vor, gesunde Tiere aus «reiner Willkür» getötet zu haben, nur weil sie keinen Platz mehr hatten. Für die Organisation ist das Vorgehen ein Armutszeugnis: Man dürfe Tiere nicht «produzieren», um sie später wie Abfall zu entsorgen.

Peta fordert daher ein konsequentes Zuchtverbot, um den Nachschub an sogenannten «Überschuss-Tieren» zu stoppen. Laut Zoodirektor Severin Dressen war die Massnahme nötig, da trotz intensiver Suche keine Abgabeplätze in anderen europäischen Zoos gefunden werden konnten und die Gruppendynamik im 48-Tiere-starken Clan zunehmend instabil wurde. (sda)

Könnte denn nicht vorausschauend dafür gesorgt werden, dass es nicht zu viele Babys gibt? 

Die Geburtenkontrolle ist eine Option für das Artenmanagement. Aus Tierwohlgründen sollte sie aber nur sehr selektiv und auf begrenzte Zeit genutzt werden. Einerseits kann es dazu führen, dass eine Population durch fehlenden Nachwuchs instabil wird. Andererseits verweigert man gerade sozialen Tierarten – wie es Dscheladas sind – ein elementares Grundbedürfnis der Fortpflanzung und der Jungenaufzucht und greift damit in die natürliche Sozialstruktur einer Art ein.

Der Zoo kann nicht beliebig erweitert werden.

Das hat negative Konsequenzen für das Tierwohl und widerspricht einer artgerechten Haltung. Die Abgabe von Tieren in geeignete Haltungen ist immer die erste Wahl. Wenn sowohl das als auch die Geburtenkontrolle ausgeschöpft sind, bleibt als letzte Option noch der Tod.

Hätte der Zoo Zürich nicht auch ein weiteres Gehege mit den Tieren anlegen können, statt sie einzuschläfern?

Der Bau einer weiteren Anlage für die Dscheladas hätte die Situation nur zeitlich hinausgezögert. Früher oder später wäre der Zoo wieder am gleichen Punkt gestanden. Zudem steht dem Zoo Zürich nur eine begrenzte Gesamtfläche für alle seine Tiere zur Verfügung. Der Zoo kann nicht beliebig erweitert werden.

Unterschied Artenschutz und Tierschutz

Box aufklappen Box zuklappen

Während im Artenschutz der Erhalt einer Art im Fokus steht, ist es beim Tierschutz das Individuum. Der Zoo Zürich betreibt Artenschutz und keinen Tierschutz, wie er mitteilte. Eine Tierschutzorganisation dagegen werde immer das Individuum schützen und erhalten. Dies bedeute allerdings nicht, dass nicht jedes Individuum im Zoo Zürich bis zu seinem Tod das bestmögliche Leben führe. Das Tierwohl stehe immer an erster Stelle.

Warum wurden die Affen nicht ausgewildert?

Wiederansiedlungen von Tierarten sind komplex. Einfach ein Tier in die Wildnis zu entlassen, funktioniert in den seltensten Fällen. Der Prozess zieht sich vielfach über mehrere Generationen und ist ohne genügend vorhandenen Lebensraum wenig erfolgversprechend.

Es bestand ein grosses Interesse seitens der Wissenschaft an den getöteten Tieren.

Dscheladas leben nur im Hochland Äthiopiens. Dort gibt es zurzeit noch ausreichend grosse Bestände, weshalb Wiederansiedlungen aktuell nicht notwendig sind. Zeitgleich stehen die Tiere jedoch zunehmend in Konkurrenz zum Menschen. Der Lebensraum nimmt ab, entsprechend auch der Populationstrend. Der Erhalt einer Reservepopulation in Zoos ist daher sinnvoll.

Besteht nicht die Möglichkeit, die getöteten Tiere an andere Tiere des Zoos zu verfüttern?

Das Verfüttern von im Zuge des Artenmanagement getöteten Tieren ist eine sinnvolle und nachhaltige Nutzung. Der Zoo Zürich versucht, diese Möglichkeit in den meisten Fällen zu nutzen. Dabei ist dies nur möglich, wenn das Tier nicht medikamentös getötet wurde. Die Dscheladas wurden euthanasiert, weshalb eine Verfütterung keine Option war. Jedoch bestand ein grosses Interesse seitens der Wissenschaft an den Tieren. Alle Tiere wurden daher verschiedenen Forschungsprojekten zur Verfügung gestellt.

Das Gespräch führte Dominique Bitschnau

SRF 4 News, 9.3.2026, 11 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel