- Zehn Dscheladas unterschiedlichen Alters mussten im Zoo Zürich eingeschläfert werden.
- Die Affen wurden aus Gründen des Artenmanagements getötet.
- Laut Zoo Zürich sind solche Schritte nötig, um Auseinandersetzungen zwischen den Tieren zu verhindern.
Dscheladas sind sehr soziale Tiere. Ihr Leben ist geprägt von komplexen Hierarchien und einem tiefen Zusammenhalt innerhalb ihrer Harems. Doch genau diese Vitalität wurde ihnen zum Verhängnis. Der Clan im Zoo Zürich war auf 48 Individuen angewachsen – eine Grösse, die in der begrenzten Welt hinter den Zäunen zu Spannungen führte.
Nichts zu tun, wäre laut Zoodirektor Severin Dressen keine Option gewesen. Die Tiere würden das Problem zwar «selbst regeln», doch der Preis wäre grausam: «Es würde dann auch zu Auseinandersetzungen kommen, die tödlich enden können», erklärte Dressen gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Besucherinnen und Besucher fragten sich womöglich, ob die verbliebenen Affen ihre Artgenossen vermissen. Zoodirektor Dressen warnt jedoch davor, menschliche Vorstellungen von Trauer auf Tiere zu übertragen. Klar ist: Die Entnahme löst Stress aus, weil sie die Gruppenstruktur durcheinanderbringt und die Hierarchie neu geordnet werden muss. Die Unruhe im Semien-Gebirge ist also vor allem ein Ringen um eine neue Ordnung.
Im Herbst konnten noch Tiere vermittelt werden
Der Zoo stand vor einer schwierigen Aufgabe. «Artenmanagement» nennt sich das fachsprachlich, doch dahinter verbirgt sich ein Dilemma. Der Zoo suchte nach einem neuen Zuhause für die Affen in anderen europäischen Zoos. Die Türen blieben jedoch geschlossen. Während im Herbst noch sechs Tiere umziehen konnten, fand sich für die nun getöteten zehn Dscheladas kein einziger Platz.
Nach reiflicher Überlegung wählte der Zoo jene Affen aus, die für das langfristige Überleben der gesamten Population am wenigsten «entscheidend» waren – eine kühle Rechnung. Die Tiere wurden betäubt und sanft eingeschläfert. Ihr Tod soll jedoch nicht ganz umsonst gewesen sein: Ihre Körper wurden der Forschung übergeben, damit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehr über diese bedrohte Art aus dem äthiopischen Hochland lernen können.