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Mütter im Gefängnis Ein Frauengefängnis will das Familienleben besser integrieren

Die Schweiz hat nur drei Gefängnisse für Frauen. Jenes im waadtländischen Lonay soll jetzt kindergerechter werden.

Die meisten haben mit Drogen gehandelt oder Hausfriedensbruch begangen. Rund ein Dutzend wurde wegen eines Tötungsdelikts verurteilt. Die Gründe, warum die 75 Frauen eine Strafe im Waadtländer Frauengefängnis Lonay verbüssen, sind divers.

Allen Frauen gemeinsam ist aber: Sie dürfen, falls sie Mütter sind, ihre Kinder bis zum dritten Altersjahr bei sich im Gefängnis haben. Auch danach haben die Frauen und ihre Kinder das Recht, sich im Gefängnis regelmässig zu treffen.

Kindergerechtes Begegnungszimmer

Das Frauengefängnis La Tuilière in Lonay bei Morges wurde in den 90er-Jahren gebaut. Es wirkt wie ein Labyrinth aus langen, düsteren Gängen. Fenster sind rar und natürlich vergittert. Die Innenhöfe sind von hohen, mit Stacheldraht gesicherten Mauern umgeben. Einzig in den Arbeitsateliers wie der Küche oder der Holzwerkstatt empfindet man ein wenig Alltagsgefühl.

Hand an Gitterstäben mit Blick auf ein Gebäude.
Legende: In der Schweiz gibt es nur drei Gefängnisse für Frauen. In jenem in Lonay sind derzeit 75 Frauen inhaftiert. Keystone/Jean-Christophe Bott

Kein Ort für ein entspanntes Familienleben. Darum wird das Gefängnis gerade umgebaut und erneuert. Vor allem die Zellen wurden erneuert und auch ein kindergerechtes Begegnungszimmer wurde geschaffen, das Kinder und Familien betreten können, ohne Sicherheitstüren, Schleusen und Detektoren passieren zu müssen.

Kinderzimmer mit buntem Spielzeug und Möbeln.
Legende: Der neue Begegnungsraum für Familien liegt ausserhalb des Zellentrakts. Keystone/Jean-Christophe Bott

Der Umbau jener Zimmer, in denen die Frauen mit ihren Kindern leben, ist dem für die Gefängnisse verantwortlichen Waadtländer Regierungsrat Vassilis Venizelos besonders wichtig. Die Kinderrechte stünden stets über allem, so Venizelos. Darum fällt in diese Zimmer nun besonders viel Tageslicht. Auffallend sind auch die bunten Möbel und das Kinderspielzeug. Die Kleinkinder sollen hier in einer Umgebung aufwachsen, wie sie sie auch ausserhalb eines Gefängnisses hätten. «Damit die Mutter-Kind-Beziehung trotz der Umstände so eng wie möglich wird», so Regierungsrat Venizelos.

Zweierzellen behalten

Im aktuellen Umbau sind aber nicht nur die Zellen für Mütter mit Kind modernisiert worden. Bei den meisten handelt es sich um 13 Quadratmeter grosse Einzelzellen mit eigener Dusche. Man habe aber auch Zweierzellen behalten, betont Raphael Brossard, verantwortlich für den Strafvollzug im Kanton Waadt. Es gebe immer wieder Frauen, die wünschten, nicht alleine in einer Zelle zu leben, sagt Brossard.

Eine Frau, die in Lonay inhaftiert ist, ist Maria. Maria ist nicht der richtige Name der Frau, die auch nicht über den Grund ihrer Haftstrafe sprechen will. Maria sagt, sie habe keine Kinder, sei also vielleicht nicht die typische Gefangene hier. Aber auch sie muss im Gefängnis Brüche in ihrem Leben auf- und verarbeiten. Sie betont, in einer Zitat «Wodkaflasche gelebt zu haben». Sie sei alkoholabhängig gewesen.

Heute stehe sie jeden Tag um 5:30 Uhr auf, höre Musik, arbeite in der Wäscherei und lese und lerne jeden Tag über Informatik, Psychologie und die Bibel. Es gehe ihr darum, sich im Gefängnis von ihrem bisherigen Leben zu erholen und sich auf die Zeit danach vorzubereiten. Und dafür sei Lonay ein guter Ort, lobt sie. Alles gut ausgestattet und sauber, sodass sie es mittlerweile nicht mal mehr als Gefängnis wahrnimmt.

Im Gefängnis sollen die Frauen darauf vorbereitet werden, später wieder ihren Platz im Leben zu finden – dank strukturierter Tagesabläufe für alle Frauen und neuer Infrastruktur für die Mütter.

Rendez-vous, 15.4.2026; 12:30 Uhr

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