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Frauenanteil in der Politik Baselland: Viele Frauen im Parlament, wenige in der Regierung

Seit Montag hat der Kanton Baselland den zweithöchsten Frauenanteil im nationalen Parlament – das ist ein Kontrast zur kantonalen Regierung. Dort sitzen eine Frau und vier Männer.

Ein Mann tritt zurück – eine Frau rückt nach. Der Baselbieter SP-Nationalrat Eric Nussbaumer übergibt nach 18 Jahren das Zepter. Seit heute ist seine Parteikollegin Miriam Locher Nationalrätin. Damit springt der Frauenanteil der Baselbieter Vertretung auf rund 86 Prozent. Der Landkanton wird neu von sechs Frauen und einem Mann in Bern vertreten.

Ich weiss, dass wir jetzt viel Frauen sind. Handkehrum waren es jahrelang nur Männer.
Autor: Miriam Locher SP-Nationalrätin Kanton Baselland

Sie sei motiviert, freudig und etwas nervös, sagt Miriam Locher heute Morgen zu SRF. Die allererste Kommissionssitzung habe sie schon gehabt, jetzt stehe ihre erste richtige Sitzung im Parlament an. Dass ihr Kanton fast nur von Frauen vertreten wird, spiele für ihre Politik keine Rolle: «Ich weiss, dass wir jetzt viel Frauen sind. Handkehrum waren es jahrelang nur Männer. Ich würde das nicht zu fest gewichten.»

Person steht vor einem alten Gebäude in parkähnlicher Umgebung.
Legende: Erster Arbeitstag als Nationalrätin: Miriam Locher freut sich auf ihr Mandat. SRF/Tobias Bossard

Und doch: Einen höheren Frauenanteil hat nur der Nachbarkanton Basel-Stadt, der ausschliesslich Frauen ins nationale Parlament schickt. Auf das Baselbiet folgen die Kantone Freiburg mit rund 67 Prozent und Genf mit 55.5 Prozent Frauenanteil.

Ganz anders sieht es in Liestal aus. Im Baselbieter Regierungsrat sitzen eine Frau und vier Männer. Die Geschlechterverhältnisse sind also quasi umgekehrt, 80 Prozent Männer zu 20 Prozent Frauen. Ein ähnlicher Trend – wenn auch weniger akzentuiert – zeichnet sich beim Bund ab.

Unterschiedliche Geschlechterverhältnisse

Isabelle Stadelmann ist Professorin für vergleichende Politik an der Universität Bern. Sie erklärt, dass der höhere Anteil an Frauen in der Legislative mit dem Wahlsystem zu tun hat: Bei Parlamentswahlen gehe es um viele Sitze und die Partei stehe im Fokus. Man trete dort zusammen an, mit weiblichen und männlichen Kandidierenden. Viele Parteien würden Frauen bewusst gute Plätze auf den Listen geben – und so ihre Wahlchancen verbessern.

Gerade konservative Wählerkreise wählen in solche Ämter eher Männer als Frauen.
Autor: Isabelle Stadelmann Professorin für vergleichende Politik Universität Bern

Regierungsratswahlen hingegen sind Persönlichkeitswahlen. In diesem Modus zu gewinnen sei für weibliche Kandidatinnen im Verhältnis schwieriger, weil man sich viel stärker exponieren und eine Mehrheit überzeugen muss. «In diesem Kontext neigen die Parteien immer noch dazu, einen Mann den Vorzug zu geben». Hinzu komme, dass «gerade konservative Wählerkreise in solche Ämter eher Männer als Frauen wählen», sagt Stadelmann weiter.

Frau in Büro vor Fenster mit Jalousien.
Legende: Politologin Isabelle Stadelmann erwartet, dass der Frauenanteil in der Legislative weiter steigen wird. SRF/Tobias Bossard

Die Baselbieter Parlamentarierinnen und Parlamentarier kommentieren den erhöhten Frauenanteil ganz unterschiedlich: Thomas de Courten von der SVP ist seit heute Hahn im Korb, und das scheint ihn nicht zu stören: «Das Fighten mit diesen charmanten Damen kann man mit Freude machen.» Und Parteikollegin Sandra Sollberger hält fest: «Für mich hat es keinen Einfluss, ob Mann oder Frau, aber das Gleichstellungsbüro braucht es definitiv nicht mehr.»

Diversität heisst eine Zusammensetzung mit Frauen und Männern, und ich freue mich, wenn das Baselbieter Stimmvolk wieder den einen oder anderen Mann wählt.
Autor: Elisabeth Schneider-Schneiter Mitte-Nationalrätin Kanton Baselland

Die Grüne Nationalrätin Florence Brenzikofer wertet den hohen Frauenanteil als erfolgreiche Frauenförderung im Baselbiet, die bereits seit 20 Jahren laufe. Elisabeth Schneider-Schneiter von der Mitte ist ambivalenter: «Diversität heisst eine Zusammensetzung mit Frauen und Männern, und ich freue mich, wenn das Baselbieter Stimmvolk bei den nächsten Gesamterneuerungswahlen wieder den einen oder anderen Mann wählt.»

In der Baselbieter Regierung dürfte Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer noch mindestens ein Jahr die einzige Frau bleiben. Bei der Ersatzwahl diesen Juni gehen nämlich zwei Männer ins Rennen. Die Gesamterneuerungswahl für den Landrat und die kantonale Regierung folgt dann im Frühling 2027.

Schweiz aktuell, 27.4.2026, 19 Uhr ; 

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