100 Petabyte entsprechen etwa 20 Millionen Kinofilmen. Diese unvorstellbare Datenmenge haben Forschende der ETH Zürich von Cloud-Servern der Nasa kopiert und ans Supercomputing Center in Lugano transferiert.
Es sind frei zugängliche, hochwertige Klima- und Erdbeobachtungsdaten, die die US-Weltraumagentur in den letzten 50 Jahren erhoben hat, u.a. Informationen über das Erdsystem, zu Treibhausgasen, Wolken, Niederschlägen und Eisschilden. In den nächsten Monaten werden noch einmal 40 Petabyte von Noaa, der US-Agentur für Meteorologie und Klima, in die Schweiz transferiert.
«Mit den Daten aus den USA wollen wir KI-Modelle trainieren», sagt ETH-Professor Thomas Zurbuchen. Denn je mehr Daten zur Verfügung stünden, desto genauer könnten Prognosen im Bereich Wetter, Klima und Naturgefahren erstellt werden.
Der ehemalige Forschungschef der Nasa, der den Datentransfer initiiert hat, sieht auch grossen Nutzen für die Schweiz. Gletscherabbrüche und Erdrutsche voraussehen und Veränderungen in der Vegetation in Wäldern und Feldern beobachten. «Es ist nicht mehr gleich wie früher und wir brauchen Informationen von aussen, um die besten Entscheidungen für die Zukunft fällen zu können.»
Datensicherung in Lugano
Gespeichert werden die Daten am Supercomputing Centre (CSCS) in Lugano. Der Transfer war aufwendig, ETH-Ingenieurinnen und ‑Ingenieure haben mehrere Monate daran gearbeitet.
In Lugano gibt es nicht nur riesige Datenspeicher, sondern auch den Supercomputer Alps. Thomas Schulthess, CSCS-Direktor, erklärt: «Wir haben mit Alps den wohl leistungsfähigsten Rechner der Welt. Wenn man die Nasa-Daten näher zu Alps bringt, dann wird man die Entwicklung von diesen grossen KI-Modellen um Klima- und Wetterdaten stark vereinfachen können.»
Sorge um Datendienste in den USA
Ein weiterer Treiber bei der ETH, die Daten am CSCS zu bündeln, waren die aktuellen Sparbemühungen in den USA und die Sorge um die Zukunft von Datendiensten unter der Trump-Regierung. «Die Unsicherheit um die Klimadiskussion ist für mich persönlich auch eine Motivation gewesen», sagt Thomas Zurbuchen. Er habe auch gesehen, wie gewisse Einsparungen das ganze System etwas unsicher machten.
Klare Worte findet die Klimawissenschaftlerin Katharine Hayhoe. Sie bezeichnet das Mammut-Projekt ihrer ETH-Kollegen als wichtigen Dienst an der Allgemeinheit. Man müsse wissenschaftliche Daten jetzt in Sicherheit bringen.
«Lange haben wir angenommen, dass Daten, die von der US-Regierung bereitgestellt werden, auf unbestimmte Zeit verfügbar bleiben, wenn sie wissenschaftlich relevant sind.» Diese Gewissheit gebe es heute nicht mehr. Daten gerieten unter Druck in einer Zeit, in der sie wichtiger sind als je zuvor.
Es gibt derzeit keine Anzeichen, dass die Trump-Administration Nasa-Daten gelöscht hat. Die Hoffnung besteht weiterhin, dass dies auch in Zukunft nicht eintritt – und falls doch, haben ETH-Wissenschaftler bereits vorgesorgt.