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Für günstige Mieten Basel-Stadt kauft 600 Wohnungen – das sorgt auch für Kritik

  • Der Kanton Basel-Stadt kauft zwei grosse Wohnareale mit insgesamt rund 600 Wohnungen.
  • Die Wohnungen sollen später an Wohnbaugenossenschaften abgegeben werden.
  • Damit will die Regierung mehr günstigen Wohnraum schaffen. Der Kauf sorgt aber auch für Kritik.

Die Areale «Im Surinam» und «Horburg» im Kleinbasel sind über 50’000 Quadratmeter gross und gehören neu dem Kanton. Gekauft hat sie der Staat von einer Gruppe der UBS-Anlagestiftung. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Er liege aber im tiefen dreistelligen Millionenbereich, hiess es an einer Medienkonferenz.

Überbauung
Legende: Die Überbauung «Im Surinam» liegt beim Badischen Bahnhof im Kleinbasel und gehört neu dem Kanton Basel-Stadt. zvg/Christian Bieri

Der Schritt sei politisch gewollt, betont die zuständige Finanzdirektorin Tanja Soland (SP). Denn seit Jahren steigen die Mieten, bezahlbarer Wohnraum ist knapp geworden.

Mit dem Kauf setze die Regierung einen Auftrag aus dem Parlament um. Soland spricht von einem «wichtigen Schritt»: Der Anteil günstiger Wohnungen steige von rund 14 auf 15 Prozent. Ziel sind 25 Prozent bis 2050. Dieser Wert ist im Gesetz festgelegt.

Bild über Siedlung
Legende: Bietet «Potenzial für eine Verdichtung»: Auch das Areal «Horburg» mit zahlreichen Wohnungen geht in kantonalen Besitz über. zvg/Christian Bieri

Unterstützung erhält die Regierung mit ihren Wohnplänen von Links und von Wohnbauorganisationen. Die SP bezeichnet den Kauf in einer Mitteilung als «wichtigen Schritt» im Kampf gegen steigende Mieten und knappen Boden. Öffentliche Landkäufe seien ein zentrales Instrument gegen die Wohnungsnot.

Auch die Wohnbaugenossenschaften der Nordwestschweiz begrüssen den Entscheid. Der Kanton zeige damit, wie eine aktive Bodenpolitik konkret funktioniere: Land sichern statt verkaufen und langfristig günstigen Wohnraum ermöglichen.

Eingriff in den Wohnungsmarkt sorgt für Kritik

Mit dem Kauf greift Basel-Stadt bewusst in den Wohnungsmarkt ein – genau hier setzt auch die Kritik an. Bürgerliche Stimmen argumentieren seit Jahren, der Staat mische sich damit zu stark in den Immobilienmarkt ein. Der Kanton trete als Käufer grosser Areale in Konkurrenz zu privaten Investoren und verzerre den Wettbewerb.

Die bürgerliche LDP stellt den Kauf infrage und fordert mehr Transparenz. Sie verlangt unter anderem Auskunft über den Kaufpreis sowie den baulichen Zustand der Liegenschaften. Zudem stellt sie die Frage, ob die Areale zwingend an Genossenschaften abgegeben werden müssen oder ob auch andere Modelle denkbar wären.

Neben der politischen Debatte hat der Kauf möglicherweise auch Auswirkungen auf die rund 600 Haushalte. Bei den betroffenen Bewohnerinnen und Bewohnern dürfte der Besitzerwechsel eine gewisse Verunsicherung auslösen: Können sie in ihren Wohnungen bleiben? Müssen sie wegen Sanierungen ausziehen? Und steigen die Mieten nach einer Sanierung?

Der Kanton steht nicht dafür, dass er teurer vermietet.
Autor: Tanja Soland Regierungsrätin (SP/BS)

Soland versucht, zu beruhigen: «Der Kanton steht nicht dafür, dass er teurer vermietet.» Im Gegenteil: Die Mieten sollen stabil bleiben.

Langfristig sollen Wohnbaugenossenschaften übernehmen. Die Übergabe erfolgt allerdings nicht sofort. Die Ausschreibung startet 2027, Entscheide fallen frühestens ab 2029. Der Kanton will die Areale dann im Baurecht an Genossenschaften abgeben.

Kauf ist beschlossene Sache – Diskussionen gehen weiter

Die Bedingungen sind klar: günstige Mieten und eine sorgfältige Weiterentwicklung – inklusive Verdichtung. Gerade hier liegt ein weiterer Konfliktpunkt. Verdichtung bedeutet mehr Wohnungen auf gleichem Raum, aber oft auch Baustellen, Veränderungen im Quartier und Sorgen vor Verdrängung.

Der Kauf ist beschlossene Sache, er liegt in der Kompetenz der Regierung. Die politische Debatte über staatliche Eingriffe in den Wohnungsmarkt dürfte aber weitergehen.

Regionaljournal Basel, 19.5.2026, 12:03 Uhr ; 

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