Im Aargauischen Hendschiken wird seit 60 Jahren am Futtermittel der Zukunft geforscht. Hier werden Kälber, Schweine oder Hühner mit unterschiedlichem Futter gefüttert.
Früher ging es darum, dass die Tiere leistungsfähiger werden. Heute geht es unter anderem auch um die Umweltverträglichkeit eines Tierfutters.
Geforscht wird auf dem Forschungsbetrieb UFA Bühl AG. «Seit 1959 wurden über 1000 Forschungsprojekte durchgeführt. Sie bilden die Basis für die Weiterentwicklung der Produkte und für eine erfolgreiche Tierhaltung», heisst es auf der Webseite des Betriebs.
Die UFA berät Landwirtinnen und Landwirte und arbeitet für Forschungsprojekte auch im Auftrag von Agroscope, dem Kompetenzzentrum des Bundes für die landwirtschaftliche Forschung. Die UFA ist die einzige Schweizer Futtermühle, die einen eigenen Versuchsbetrieb hat.
Sie betont, dass sie Fütterungsversuche durchführt, keine Tierversuche. «Wir machen keine Manipulationen am Tier, wir fügen ihm keinen Schaden zu», präzisiert Hansueli Rüegsegger, Departementsleiter Marketing und Kommunikation bei der UFA.
2025 hat die UFA in Hendschiken einen modernen Pouletmaststall gebaut. Er ersetzt den vorherigen Legehennenstall. Der Stall gilt als energieeffizient, dank Warmwasserwärmetauscher, Wärmerückgewinnung und Pelletheizung.
Im neuen Maststall gibt es 16 Abteilungen. «In einem normalen Stall hätte es einen Futterautomaten, hier hat es 16 davon», erklärt Hansueli Rüegsegger von der UFA. Deshalb hat es im modernen Stall mehr Leitungen und Kabel als in einem traditionellen Stall. «Wir können neue Futterkomponenten testen, wie etwa Insektenprotein.» Auch Vitamine oder Spurenelemente können dem Futter beigemischt werden.
Kein gewöhnlicher Bauernhof
Im Pouletstall wird deutlich, dass es hier einiges anders ist als auf einem gewöhnlichen Bauernhof. «Auf dem Betrieb arbeiten fünf Angestellte, auf einem normalen Betrieb würden zwei reichen. Die ganze Versuchsanordnung ist aufwendiger», erzählt Hansueli Rüegsegger von der UFA. Der Ablauf aber sei derselbe: Die Nutztiere würden zu gegebener Zeit geschlachtet, wie auf einem «normalen» Bauernhof auch.
Der neue Pouletmaststall
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Bild 1 von 3. Im neuen Pouletmaststall gibt es 16 Abteilungen. Bildquelle: SRF/Joel Dätwyler.
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Bild 2 von 3. Die Zuständigen können also 16 verschiedene Futter testen, wenn nötig. Bildquelle: SRF/Joel Dätwyler.
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Bild 3 von 3. Der Betriebsleiter weiss nicht, in welcher Abteilung was getestet wird, damit die Tests nicht beeinflusst werden können. Bildquelle: SRF/Joel Dätwyler.
Ein Beispiel: In Hendschiken versuchen die Verantwortlichen, Phosphor aus dem Tierfutter zu nehmen, damit die Schweine so viel erhalten wie nötig, aber so wenig wie möglich. Der Grund: Ein hoher Phosphorgehalt in der Gülle schadet der Umwelt.
In die verschiedenen Gehege im Schweinestall, in die sogenannten Buchten, kommt unterschiedliches Futter, mit mehr oder weniger Phosphor. «Dann schauen wir: Bleibt das Tier gesund und stimmt die Tageszunahme?», so Rüegsegger weiter.
Fokus der Forschung hat sich verändert
Während man vor 60 Jahren eher Futtermittel getestet hat, das die Tiere rasch viel zunehmen lässt, sind heute Umweltverträglichkeit und Tierwohl wichtiger geworden. «Bei den Kälbern zum Beispiel schauen wir gut, dass ihre Lunge gesund bleibt, dass sie keinen Durchfall haben. Kälber sind anfälliger für Krankheiten. Unsere Aufgabe ist es, zu schauen, dass das Kalb möglichst gesund ist.»
Futterversuche sind für die UFA Alltag. Bevölkerung, Konsumentinnen und Konsumenten sind sich dessen aber wohl nicht täglich bewusst beim Kauf eines Poulets oder Kalbsplätzlis. Interessierte erhalten Ende Juni Einblick in die UFA Bühl am Tag der offenen Tür.