Die Hautkrankheit Krätze breitet sich in der Schweiz seit Jahren aus. Nun ist es in den Kantonen Waadt und Freiburg zu Ansteckungen gekommen. Die gute Nachricht ist: Die Ansteckungen scheinen gestoppt und von Hunderten Verdachtsfällen wurden bislang nur einige wenige als Krätze diagnostiziert. Doch Spitäler und Ärztinnen und Ärzte gerieten an Kapazitätsgrenzen.
Erste Krätzefälle registrierte der Kanton Waadt schon vor Wochen, vor allem in Kinderkrippen und Schulen. Betroffen war die Region Broye bei Payerne, die die Waadt mit dem Kanton Freiburg teilt. Bald tauchten auch im Freiburgischen Verdachtsfälle auf. Kantonsarzt Thomas Plattner liess sie mit einem Fragebogen überprüfen. Er sagt: «Bis Anfang letzter Woche hatten wir Meldungen von 100 Fällen bei Kindern und 30 bei Erwachsenen.» Dabei handelte es sich aber nicht um bestätigte Fälle.
Unispital Lausanne leistet Hilfe
Bei den Diagnosen wurde es nämlich komplizierter. Wegen Krätzeverdachts eilten in Freiburg und der Waadt Hunderte Personen in Regionalspitäler, Hausarzt- und Pädiatriepraxen. Das Problem war aber, dass man die Krätze nur mit einem sogenannten Dermatoskop zweifelsfrei diagnostizieren kann. Ein Dermatoskop ist eine Art Lupe, mit der man unter die Haut schauen und die Milben entdecken kann, die die Krätze auslösen.
Doch Dermatoskope haben in der Regel weder Hausärztinnen noch Pädiater. Darum schickte das Universitätsspital Lausanne ein Dermatologenteam mit einem solchen Gerät ins Regionalspital Payerne. Das Spital richtete in einem Zelt im Garten eine Art Diagnosezentrum für Krätze ein. Die Spezialistinnen aus Lausanne und ihr Gerät schufen schliesslich Klarheit. Nur in den wenigsten Fällen bestätigte sich die Krätze.
Bei zwei Prozent bestätigter Fälle kann man kaum von einem Ausbruch und schon gar nicht von einer Epidemie sprechen.
Eine genaue Fallzahl geben die Behörden dennoch nicht bekannt. Offiziell heisst es: Bei zwei Prozent der untersuchten Fälle handle es sich um Krätze. Für Kantonsarzt Plattner ist das auch eine gute Neuigkeit. Er sagt: «Bei einer solch tiefen Fallzahl kann man kaum von einem Ausbruch und schon gar nicht von einer Epidemie sprechen.»
Hitze und Sonne fördern Hautausschläge
Plattner kann sich das aber erklären. Die Leute hätten Hautausschläge, die der Sonne, Hitze und Insekten geschuldet waren, oft mit der Krätze verwechselt. Dennoch entschied er sich, eine stark betroffene Schulklasse präventiv mit einer Tablette zu behandeln, damit sich die Milbe nicht weiterausbreitet.
Kantonsarzt Plattner sagt, es sei verständlich, dass man sich in Schulen und Kinderkrippen vor der Krätze fürchte. Man sollte dennoch nicht wegen jedem Pickel oder Bläschen zum Arzt oder ins Spital gehen. Er rät, auch in der Sommerhitze einen kühlen Kopf zu bewahren.