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Gefahr aus dem Telefonhörer Geklonte Stimmen: So geht eine Zürcher Firma gegen KI-Gauner vor

Kriminelle klonen Stimmen mit KI und bringen Opfer um Millionen. Eine Zürcher Firma kämpft gegen diese Betrugsmasche an.

Die Zahlen steigen Jahr für Jahr: Allein im Kanton Zürich sind 2025 über 30'000 Cyber-Betrugsfälle gemeldet worden. Das sind rund 90 Meldungen pro Tag. Nicht ohne Grund spricht die Kantonspolizei im Zusammenhang mit Cyberkriminalität von einer der grössten Herausforderungen unserer Zeit.

Denn: Die Methoden der Täter sind vielfältig und werden immer ausgeklügelter. Neben Phishing-E-Mails oder falschen Rechnungen nutzen die Cyberkriminellen immer häufiger KI, um an das Geld ihrer Opfer zu kommen – zum Beispiel mit künstlich generierten Stimmen von Bekannten.

Betrüger nutzen Vertrauen in Stimmen aus

«Wir sehen immer häufiger, dass Stimmen geklont werden», sagt Serdar Günal Rütsche, Chef der Cybercrime-Abteilung bei der Kantonspolizei Zürich. «Das wird für Betrügereien verwendet, und wir wissen, dass wir damit häufiger konfrontiert sein werden, weil die Qualität auch immer besser wird.»

Wenn man Menschen betrügen wolle, dann müsse man zuerst ihr Vertrauen gewinnen, sagt Günal Rütsche weiter. Und die Leute würden Stimmen vertrauen. «Menschen wissen noch nicht, dass Stimmen 1:1 nachgestellt werden können. Das nutzen Täter und haben damit auch Erfolg.»

Das zeigt ein Beispiel aus dem Kanton Schwyz. Betrüger haben dort Mitte Januar einem Firmeninhaber mehrere Millionen abgeknöpft. Sie hatten sich mit der KI-Stimme seines Geschäftspartners telefonisch bei ihm gemeldet. Die Täterschaft ist unbekannt, die Ermittlungen laufen.

System entlarvt geklonte Stimmen

Es sind solche Fälle, die Luzi Sennhauser dazu veranlasst haben, die Firma Aurigin zu gründen und solche Betrügereien zu entlarven. «Als Mensch kann man nicht mehr unterscheiden, was KI-generiert und was real ist.» Vor allem, wenn man im Stress oder der Handyempfang schlecht sei.

Luzi Sennhauser lächelnd vor Backsteingebäude im Freien.
Legende: Luzi Sennhauser hat mit seiner Firma Aurigin ein System entwickelt, das kopierte Stimmen erkennt und davor warnt. SRF/Christoph Brunner

Wie einfach es ist, Stimmen zu klonen, führt Sennhauser gleich selbst vor. Mit wenigen Klicks findet er im Internet einen Beitrag von SRF-Reporter Christoph Brunner für die Sendung «Rendez-vous». Ein kleiner Ausschnitt daraus reicht, um die Stimme zu kopieren und sie für seine Zwecke zu missbrauchen.

Genau darum brauche es heute technische Unterstützung, um KI-Stimmen zu entlarven, sagt Sennhauser, der nach seinem Studium an der ETH Zürich für verschiedene Firmen im KI-Bereich tätig war. Er entwickelte ein System, das diese KI-Stimmen überführt.

Das System wird aktiv, wenn ein Telefonanruf eingeht oder jemand zum Beispiel einen Teams-Call startet. «Man muss sich das als eine Art Virenscanner vorstellen, der mithört und warnt, wenn man mit einer KI-generierten Stimme redet», sagt der 31-jährige Winterthurer.

Scanner bald auch auf Handys und Computern

Derzeit kämen seine Kunden hauptsächlich aus dem Bank- und Finanzwesen, weil es dort häufig um sehr grosse Geldbeträge gehe und diese auch im Fokus von Betrügern seien. Aber Sennhauser geht davon aus, dass sich solche Schutzsysteme bald auch auf Computern und Handys etablieren dürften.

KI ist ein Güterzug, den man nicht mehr aufhalten kann. Aber man kann ihn steuern.
Autor: Luzi Sennhauser Gründer Aurigin

«Ähnlich wie wir Spamfilter oder Virenscanner haben, wird es irgendwann normal sein, eine Deepfake-Erkennung auf dem Handy eingebaut zu haben», sagt der Aurigin-Gründer.

Informationen zu Cyberkriminalität

Auch wenn KI zu Betrugszwecken verwendet wird, verteufeln sollte man die neue Technologie nicht, ist Sennhauser überzeugt. «KI ist ein Güterzug, den man nicht mehr aufhalten kann. Aber man kann ihn steuern und schauen, dass er einen Weg einschlägt, der ethisch gut vertretbar ist.»

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Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 3.3.2026, 17:30 Uhr ; 

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