Die Bewohnerinnen und Bewohner von Breitenbach im Kanton Solothurn wurden in der Nacht auf Freitag unsanft aus dem Schlaf gerissen. Kurz vor 4 Uhr morgens gab es mehrere Explosionen, worauf die Kantonspolizei Solothurn alarmiert wurde.
Die Täter hatten sich die UBS-Filiale in Breitenbach vorgenommen. Der Bankomat war ins Gebäude eingebaut, deshalb entstand durch die Explosionen hoher Sachschaden. Dessen Höhe konnte die Polizei noch nicht beziffern. Verletzt wurde niemand.
Täter auf der Flucht
Die Täter seien auf der Flucht, sagt Sharina Frey, Mediensprecherin der Kantonspolizei Solothurn: «Den Tätern ist es gelungen, in einem weissen Fahrzeug in Richtung Laufen zu flüchten.»
Die Ermittlungen sind im Gange. Wegen der Bankomat-Sprengung sind viele Polizistinnen und Feuerwehrleute vor Ort im Einsatz. Ob oder wie viel Geld die unbekannten Täter gestohlen haben, darüber gibt die Polizeisprecherin keine Auskunft.
Fünfte Sprengung im Jahr 2026
Es ist bereits der fünfte Angriff auf einen Geldautomaten in diesem Jahr in der Schweiz. Letzte Woche wurde ein Bankomat in Genolier VD gesprengt. Im Januar waren zweimal Geldautomaten in Delsberg JU und einmal in Daillens VD Ziel der Verbrecher.
Auch die letzte Sprengung im Jahr 2025 liegt noch nicht lange zurück: In der Altjahreswoche hatten es Unbekannte auf einen Bankomaten in einem Einkaufszentrum in Marin NE abgesehen. Nach der Sprengung lagen 200-Franken-Noten am Boden. Auch diese Täter sind noch auf der Flucht.
Die Zahl der Anschläge auf Bankomaten ist letztes Jahr in der Schweiz leicht zurückgegangen. Laut Statistiken des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) wurden 2025 insgesamt 24 Anschläge verzeichnet, im Jahr 2024 waren es 48. Der Rückgang sei unter anderem auf die «enge Kooperation zwischen Bankvereinigungen und den Strafverfolgungsbehörden zurückzuführen», sagt Fedpol-Sprecherin Mélanie Lourenço.
Schlägt das Pendel jetzt wieder in eine andere Richtung? «Es ist nicht ungewöhnlich, dass es eine Angriffsserie auf Bankomaten innerhalb von kurzer Zeit gibt, dass eine Täterschaft mehrere Verbrechen hintereinander verübt. Daraus kann aber nicht automatisch geschlossen werden, dass die Zahl der Angriffe über das ganze Jahr konstant bleibt oder dass es dieses Jahr mehr Angriffe geben wird als letztes Jahr», sagt Mélanie Lourenço.
Vom Lasso zum Sprengstoff
Angriffe auf Geldautomaten gibt es in der Schweiz schon seit Jahren. Doch die Art und Weise der Angriffe hat sich verändert. Noch im Jahr 2018 wurden hauptsächlich sogenannte Lasso-Angriffe verübt. Bei den Lasso-Angriffen versuchen Täter, die Geldautomaten mit einem Seil herauszureissen, um so an die Geldkassetten zu kommen.
In den letzten Jahren nutzten die Täter meist Sprengstoff. In Zukunft rechnet man beim Fedpol damit, dass vermehrt elektronische Manipulationen an Geldautomaten zu erwarten sind. Dabei versuchen Verbrecher, auf die Software des Geldautomaten zuzugreifen, um eine Geldausgabe zu verursachen.
Organisierte Gruppen von 3 bis 4 Personen
Bei den Tätern handle es sich in der Regel um organisierte Gruppen von drei bis vier Personen. «Die bisherigen Ermittlungen weisen darauf hin, dass die Täterschaften im Ausland Räume mieten und darin eine Basis für Planung, Logistik und Rückzug einrichten», sagt Mélanie Lourenço.
Für die Flucht würden die Täter meist mehrere, teilweise gestohlene Fahrzeuge mit falschen oder ohne Kennzeichen nutzen.