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Genfersee Mit KI und Unterwasserdrohnen gegen die Quagga-Muschel

Die Quagga-Muschel breitet sich rasant aus. Ein Start-up setzt auf Drohnen und KI, um sie zu bekämpfen.

Der Genfersee liegt spiegelglatt in der Morgensonne. Das Wasser ist glasklar. Was Badegäste freut, bereitet Sébastien Pittet Sorgen. Der Bootsführer kennt den See seit Jahrzehnten. «Das Wasser ist zu klar», sagt er. Die Quagga-Muschel filtere so viele Nährstoffe heraus, dass den Fischen die Nahrung fehle.

Die invasive Muschel breitet sich seit rund zehn Jahren rasant in der Schweiz aus. Inzwischen kommt sie mit Ausnahme des Thuner- und Brienzersees in allen grossen Seen vor. Sie verdrängt einheimische Arten und verursacht hohe Kosten, weil sie Wasserleitungen, Fischernetze oder Bootsanlagen besiedelt.

Drohne liefert Bilder vom Seegrund

Vor Morges bereitet Carole Fonty eine Unterwasserdrohne für den Einsatz vor. Die Gründerin des Start-ups Alien Limited will die Quagga-Muschel mit neuer Technologie bekämpfen. Die Drohne filmt den Seegrund in hoher Auflösung. Künstliche Intelligenz wertet die Bilder aus und erstellt dreidimensionale Karten. «Mit dieser Technologie können wir rasch grosse Flächen untersuchen», sagt Fonty.

Mehr zum Alien Limited

Schon kurz nach dem Abtauchen erscheinen auf dem Bildschirm dichte Muschelbänke. Auch ein Ansaugrohr ist fast vollständig mit Muscheln bedeckt. «Alles völlig verstopft», kommentiert Pittet.

Fontys Karten zeigen, wo Infrastruktur besonders stark betroffen ist. «Man kann die ganze Struktur in 3D anschauen und sieht sofort, wo sie bedroht ist», erklärt Fonty und tippt auf ihren Handybildschirm.

Muscheln sollen zu Zement werden

Doch das genügt der Genferin nicht. Ihr Start-up testete bereits einen Unterwassersaugroboter, der Muscheln entfernen kann. Gleichzeitig arbeitet Fonty daran, die Tiere weiterzuverarbeiten: Aus dem Muschelfleisch soll Biogas entstehen, aus den Schalen Zement. Erste Versuche seien vielversprechend. «Der Zement erfüllt die industriellen Normen», sagt sie.

Frau mit Sonnenbrille und blauen Hemd auf einem Boot vor einer Wasserlandschaft.
Legende: Carole Fonty, die Günderin von Alien Limited. SRF/Roman Fillinger

Noch befindet sich das Projekt in der Entwicklungsphase. Finanziert wird es unter anderem von Kantonen, Stiftungen sowie Partnern aus Forschung und Industrie.

Fachmann sieht Chancen – und Risiken

Thomas Müller von der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut der ETH, verfolgt das Projekt mit Interesse.

Die Kartierung mit Drohnen hält Müller für eine gute Ergänzung zum herkömmlichen Monitoring, bei dem Proben genommen werden. Skeptischer beurteilt er das Absaugen ganzer Muschelbänke. «Immer wenn man eingreift, hat man auch einen negativen Einfluss auf die einheimische Fauna», warnt er. Zudem würden geräumte Flächen rasch wieder besiedelt.

Sobald die Muschel einmal in einem Gewässer ist, bringt man sie eigentlich nicht mehr weg.
Autor: Thomas Müller Wasserforschungsinstitut der ETH (Eawag)

Für Müller ist deshalb klar: «Sobald die Muschel einmal in einem Gewässer ist, bringt man sie eigentlich nicht mehr weg.» Die Ausbreitung werde zwar irgendwann ihren Höhepunkt erreichen. Das ökologische Gleichgewicht in den Schweizer Seen werde aber dauerhaft verändert bleiben.

Echo der Zeit, 22.7.2026, 18 Uhr;liea

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