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Geplante Demo in Luzern Wie aus «Mass-Voll» ein Akteur der rechtsextremen Szene wurde

Bei der bewilligten Demo in Luzern geht es um das Verhältnis zur EU – Rechtsextreme haben ihre Teilnahme angekündigt.

Ursprünglich ging es ihnen um Corona. Die Bewegung «Mass-Voll» rund um Nicolas Rimoldi bekämpfte die behördlichen Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie, organisierte Proteste und beteiligte sich an Referenden gegen die Covid-Gesetze. Nur sind diese Zeiten vorbei.

Inzwischen hat sich «Mass-Voll» vornehmlich zu einem Akteur in der rechtsextremen Szene gewandelt. Das zeigen Auftritte wie jener an einer Demo in St. Gallen im Februar, als Rimoldi an vorderster Front neben Tobias Lingg marschierte, einem Anführer der rechtsextremen Gruppierung «Junge Tat». Auch mit Blick auf die Demo in Luzern, die am 9. Mai stattfindet, zeigen Recherchen von SRF, wie nahe «Mass-Voll» an dieses Milieu herangerückt ist.

Zwei Männer bei einer Demonstration, einer hält eine Hellebarde.
Legende: Tobias Lingg (Junge tat) und Nicolas Rimoldi («Mass-Voll») Seite an Seite an einer Demo in St. Gallen im Februar 2026 Keystone

Bei der Demo in Luzern geht es um das Verhältnis der Schweiz zur EU, um einen «Knechtschaftsvertrag», den es zu verhindern gelte. Angekündigt für den Anlass haben sich indes primär Vertreter rechtsextremer Organisationen. Rimoldi selbst sagte, dass Gruppierungen aus Ungarn und Bulgarien anreisen werden. Zudem mobilisiert auch die Nationalpartei Schweiz für die Demo, eine rechtsextreme Kleinstpartei. Mit der Jungen Tat ist ebenfalls zu rechnen. «Wir arbeiten mit allen zusammen, bei denen wir in der Sache einig sind», sagte Rimoldi zu den CH-Media-Zeitungen.

Mobilisierung für eine Gegen-Demonstration

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Der zu erwartende Aufmarsch von Rechtsextremen sorgt in Luzern für Aufruhr. Die Lokalsektion der SP hat sich mit einer Interpellation und kritischen Fragen an die städtische Regierung gewandt, welche die «Mass-Voll-Demo» bewilligt hat. Unter anderem will die SP wissen, wie sich der Stadtrat zu dem internationalen Aufmarsch von Rechtsextremen stellt.

Gleichzeitig mehren sich im Internet die Aufrufe von antifaschistischen Organisationen, sich in Luzern zu einer Gegen-Demonstration einzufinden und sich den Rechtsextremen entgegenzustellen.

Wie eng die Verbindungen von «Mass-Voll» zur rechtsextremen Szene sind, zeigt ein Blick auf den Demo-Flyer. Wie SRF recherchiert hat, ist auf einer Unterebene der PDF-Datei eine Kombination aus Keltenkreuz und schwarzer Sonne zu erkennen, das Logo der «Schweizer Nationalisten».

Die rechte Bildsprache und das versteckte Logo

Die Schweizer Nationalisten sind eine Gruppe junger Neonazis aus der Region Obersee, die eng mit mehreren Active Clubs verbunden ist. Auf einem gleichnamigen Telegram-Kanal teilt die Gruppe Bilder. Beispielsweise aus einem Kampfsport-Gym, in dem die Fahnen der Neonazi-Vereinigungen «Blood & Honour» und «Combat 18» zu sehen sind. Dass das Logo der Schweizer Nationalisten auf dem Mass-Voll-Flyer zu finden ist, legt nahe, dass dieser von einer Person erstellt wurde, die beiden Gruppen nahesteht.

Auch die Bildsprache ist ein Indiz für die Zusammenarbeit. Sowohl die Schweizer Nationalisten als auch «Mass-Voll» setzen in ihren Propagandamaterialien auf die identischen Symbole, Farben, Schriftarten und Stilistiken. Die Ähnlichkeiten seien «offensichtlich», sagt der Extremismusforscher Dirk Baier. «Ich gehe davon aus, dass es zwischen diesen Gruppierungen Überschneidungen in einem grösseren Ausmass gibt.»

Ein Kanal für rechtsextreme Propaganda

Der Wandel von «Mass-Voll» sei schon länger zu beobachten, sagt Philip Bessermann, Geschäftsleiter der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus. «Nach dem Abflachen von Corona hat die Bewegung eine neue Existenzberechtigung gesucht und ist dabei in der rechtsextremen Nische gelandet.» Für Baier eine logische Entwicklung. «Wer staatsfeindlich ist und nationalistisch, dem bleibt auf dem politischen Spektrum nur der rechte Rand.»

Die Frage ist nun, welche Rolle «Mass-Voll» in diesem Milieu einnehmen kann. Die relative Bekanntheit von Rimoldi könne nützlich sein, um ein breiteres Publikum anzusprechen, sagt Bessermann – zumal der Mass-Voll-Chef auch als Organisator von Demos eingesetzt werden könne. Die Stadt Luzern sieht bislang keinen Grund, die Bewilligung für die Demo zurückzuziehen. Stadtpräsident Beat Züsli (SP) sagte gegenüber SRF, dass die freie Meinungsäusserung ein wichtiges Gut sei.

Radio SRF1, Regionaljournal Zentralschweiz, 29.04.2026, 17.30 Uhr ; 

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