Die letzten Wochen und Monate waren eine Hängepartie für das Spital Oberengadin. Das Regionalspital kämpfte mit massiven finanziellen Problemen. Die Schliessung stand kurz bevor. Rettungspläne für das Regionalspital sind bislang gescheitert. Im November lehnten einige der Oberengadiner Gemeinden Sanierungskredite für das Spital ab.
Nun ist der Befreiungsschlag scheinbar geglückt. Neun Gemeinden haben praktisch einstimmig für den neuen Rettungsplan gestimmt. Es wird eine neue Verwaltungsgesellschaft gegründet. Sie trägt den Namen «Sanadura». Drei neue Leistungsvereinbarungen sollen getroffen werden – unter anderem mit dem Kantonsspital in Chur. Die anderen betreffen die Langzeitpflege. Der hierfür benötigte Kredit von total 19.5 Millionen Franken wurde ebenfalls gutgeheissen.
Angebot wird trotzdem gekürzt
«Es ist ein enormes Ergebnis. Ich bin sehr froh», sagt Selina Nicolay erleichtert. Die Gemeindepräsidentin von Bever ist gleichzeitig Präsidentin der Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin SGO. Die SGO war bislang Betreiberin des Spitals Oberengadin. Über sie wurde die Nachlassstundung eröffnet. Man sei spätestens Ende März 2026 zahlungsunfähig, informierte die Stiftung Anfang Jahr.
Folgenlos bleibt der finanzielle Schlamassel des Spitals Oberengadin auch nach dessen Rettung nicht. Rund 50 Mitarbeitenden, vor allem im Pflegebereich, wurde gekündigt. Sie müssen das Spital Ende März verlassen. Für einen Teil habe man eine Anschlusslösung gefunden, sagt SGO-Stiftungspräsidentin Selina Nicolay gegenüber SRF.
Auch Leistungen und Bettenzahl werden reduziert. Es werden weniger stationäre Fälle behandelt. Wer eine spezielle Behandlung braucht, muss neu ins Kantonsspital nach Chur. Was im Samedan bleibt, sind ein 24-Stunden-Notfall, die Geburtshilfe sowie die Orthopädie. Auch ambulante Angebote wie Dialyse und Onkologie gehören dazu.
So geht es weiter
Die neue öffentlichrechtliche Gesellschaft «Sanadura» soll ihren Betrieb zügig aufnehmen. So soll ein reibungslosen Übergang garantiert werden. Dazu gehört auch eine enge Abstimmung mit dem Kantonsspital Graubünden. Dieses übernimmt einige bisherigen Leistungen des Regionalspitals.
«Die Führung des Spitals Oberengadin wird mit Personen besetzt, die schon heute dort arbeiten», sagt Hugo Keune, Direktor des Kantonsspitals Graubünden. Auch technisch seien in den nächsten Wochen noch einige Hürden zu nehmen. Es brauche Bewilligungen, eine funktionierende IT sowie kompatible Abrechnungssysteme. «Uns kommt sicher zugute, dass im März nicht mehr ganz Hochsaison und das Spital Oberengadin nicht mehr so stark ausgelastet ist», so Keune.
Noch offen sind die Abstimmungen in den Gemeinden St. Moritz und Zuoz Anfang März. Selina Nicolay rechnet auch hier mit einer sehr hohen Zustimmung zum Rettungsplan. Aber: Auch wenn es in diesen Gemeinden wider Erwarten ein Nein zur Rettung geben sollte, ändere dies nichts am Vorhaben.