Das grösste Getreidesilo der Schweiz: In Dintikon AG, im Aargauer Bünztal, steht ein riesiges Getreidesilo. Es gilt von den Lagerkapazitäten her als grösstes Getreidesilo der Schweiz. Vieles, was hier lagert, ist Teil der Schweizer Pflichtlager. In diesen werden im Auftrag des Bundes Lebensmittel, Erdölprodukte oder Medikamente für Krisenzeiten gelagert. In Dintikon lagern bis zu 100'000 Tonnen Getreide – in einem 200 Meter langen, 60 Meter hohen und 40 Meter breiten Gebäude. Von hier aus können Getreidemühlen im Notfall drei Monate lang mit Nachschub versorgt werden. Auch Futtergetreide für Tiere ist hier untergebracht. Betrieben wird das Silo von der Rheinischen Silogemeinschaft AG.
Komplexe Abläufe im Aargauer Silo
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Bild 1 von 6. Das grosse Silo in Dintikon AG. Von aussen ein Betonblock, von innen eine Vorratskammer. Hier lagert nicht nur Getreide für Menschen, sondern auch Futtergetreide für Tiere. Bildquelle: SRF/Stefan Ulrich.
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Bild 2 von 6. Er hat den Überblick: Andreas Holliger arbeitet seit 18 Jahren im Silo Dintikon. Er weiss, was sich in den 482 Zellen, den einzelnen Lagerabteilen, verbirgt. Viele Firmen mieten auch gleich mehrere Zellen auf einmal. Bildquelle: SRF/Stefan Ulrich.
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Bild 3 von 6. Das ganze Silo ist ein komplexes technisches System, das regelmässig befüllt wird. Die grösste Zelle fasst 260 Tonnen Getreide. Hier die Auslässe zuunterst an den Zellen. Bildquelle: SRF/Stefan Ulrich .
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Bild 4 von 6. Blick in eine leere Zelle von oben. Es geht 50 Meter senkrecht runter. Maximal drei Jahre darf man Getreide hier einlagern. Temperatur und Feuchtigkeit der Lagerzellen werden laufend überprüft. Bildquelle: SRF/Stefan Ulrich .
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Bild 5 von 6. Diese Zelle ist fast bis oben mit Weizen gefüllt. So lagern die Firmen ihre Waren und melden sie beim Bund als Pflichtlager an. Bildquelle: SRF/Stefan Ulrich .
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Bild 6 von 6. Damit Ungeziefer die Lebensmittel nicht zerstört, werden die Getreidezellen regelmässig kontrolliert. Wenn nötig, wird gegen Lebensmittelmotten oder Mäuse vorgegangen. Jede Zellenöffnung wird mit Steinmehl gegen Schädlinge geschützt. Bildquelle: SRF/Stefan Ulrich .
Getreide aus der ganzen Schweiz: Die Kundschaft des Aargauer Silos kommt aus der ganzen Schweiz. Ein Kunde ist zum Beispiel die Fenaco, die Futtermittel und Mahlgetreide für menschliche Ernährung vertreibt. Auch Mühlen lagern hier Getreide, wenn sie im eigenen Gebäude nicht genug Platz haben. Zudem muss jede Mühle per Gesetz Getreidevorräte für Notfälle lagern. Das Silo in Dintikon bietet Platz für beides: «Wir sind Dienstleister und bieten das Lager an. Die Kunden müssen eine gewisse Menge als Pflichtlager anmelden», erklärt Victor Blanco, Chef des Aargauer Silos. Hier lagern Weizen, Urdinkel, Sojaschrot, Dinkel und Futterweizen – nicht auf Lageretagen, sondern in hohen Betonschächten, den 482 Zellen.
Das wird auch noch pflichtgelagert: Nebst Reis werden in der Schweiz auch Zucker, Kaffee, Benzin, Heizöl, Atemschutzmasken oder Blutbeutel in Pflichtlagern aufbewahrt. Gedacht sind die Vorratslager für Krisenzeiten wie Kriege, Pandemien, Computerpannen. «Ende 2024 hielten rund 280 Unternehmen ein Pflichtlager», heisst es auf der Website des Bundes. Es gibt Vorgaben, wie lange ein Pflichtlager halten muss. Zucker muss für 3 Monate reichen, Hartweizen für 2, Heizöl für 4.5 Monate.
Bund gibt vor, wie viel die Firmen vorrätig lagern müssen
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Bild 1 von 3. Zucker in der Zuckermühle Aarberg BE: Der Bund verlangt, dass Zucker als Vorrat gelagert wird, damit er die Schweizer Bevölkerung für drei Monate versorgen kann. Bildquelle: Keystone/Christian Beutler.
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Bild 2 von 3. Es muss genug Heizöl für 4.5 Monate gelagert werden. Auch Flugpetrol wird für Notfälle gehortet. Bildquelle: Keystone/Christian Beutler.
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Bild 3 von 3. Getreide als Futtermittel muss für zwei Monate reichen, Weizen für Brot für drei Monate. So schreibt es der Bund vor. Bildquelle: Keystone/Benedetto Galli.
So kommt man an die Notvorräte: Das Eidgenössische Wirtschaftsdepartement muss die Freigabe von Pflichtlagern beantragen. Wenn nötig, wird das per Verordnung bewilligt. Es gibt einen Delegierten für die wirtschaftliche Landesversorgung. Er darf im Alleingang 20 Prozent der Pflichtlagermengen pro Produkt selbst freigeben. Das passiert ab und zu, zum Beispiel bei Medikamenten: «Besonders angespannt war die Situation im Heilmittelbereich: In den Jahren 2019 bis 2022 wurden in 416 Fällen Medikamente aus Pflichtlagern benötigt, um Mangellagen entgegenzuwirken», schreibt der Bund in seinem Bericht von 2023.
So wird das Ganze finanziert: Das Eidgenössische Wirtschaftsdepartement hat mit den betroffenen Firmen Pflichtlagerverträge. Der Bund erleichtert die Finanzierung der Pflichtlagerhaltung, indem er den Unternehmen zur Finanzierung der Lager Garantien auf Bankdarlehen gewährt. Die Firmen können zudem sogenannte Garantiefonds bilden. Mit dem Geld daraus werden Lagermieten, Versicherungen und Transporte bezahlt. Die Unternehmen dürfen die Kosten für die Pflichtlager auf die Verkaufspreise der Waren abwälzen. Das heisst, dass Konsumentinnen und Konsumenten das Ganze mitfinanzieren.