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Getunte E-Trottinette Immer mehr E-Trottinette mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs

Die Zahl schwerer E-Trottinett-Unfälle nimmt zu. Mit steigender Geschwindigkeit erhöht sich auch das Unfallrisiko. Die Polizei kontrolliert vermehrt und erwischt viele, die zu schnell unterwegs sind. Denn das Tunen der Fahrzeuge ist sehr einfach.

Sie gehören längst zum Alltag auf Schweizer Strassen: E-Trottinette oder E-Scooter. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit liegt bei 20 km/h. Doch viele E-Trottis sind schneller unterwegs. Die Polizei macht darum vermehrt Schwerpunktkontrollen. Fährt der E-Scooter schneller, müssen Fahrerinnen und Fahrer mit einer Geldstrafe und einer Anzeige rechnen. Die Polizei stellt fest: viele Leute seien schlecht informiert oder würden schlecht beraten.

Die Trendfahrzeuge sind in Online-Shops und Geschäften erhältlich. Auch solche, die schneller fahren und somit nicht strassenzulässig sind. Guilhem Gobillion, Mitgründer des E-Scooter-Shops «Kissmywheels», verkauft diese Modelle schweizweit. Zwei Drittel der Kundschaft kaufe schnellere Modelle als die, die im Strassenverkehr erlaubt sind. «Wir informieren die Kundschaft, dass damit nur auf Privatgelände und Rennstrecken gefahren werden darf.» Ob sie sich daran halten, liege in deren Verantwortung.

Unfallzahlen haben sich vervielfacht

Mit der Geschwindigkeit steigt auch das Unfallrisiko. «Die ganzen Systeme sind nicht dafür ausgelegt. Die kleinen Räder und die Bremsen sind nicht dafür gemacht», sagt Polizeisprecher Rooven Brucker von der Kantonspolizei Basel-Stadt. Dadurch gefährdeten die Fahrerinnen und Fahrer sich selbst und andere Verkehrsteilnehmende.

Laut Statistik haben sich die Unfallzahlen vervielfacht. 2020 haben sich in der Schweiz 194 Personen bei einem Unfall mit einem E-Scooter verletzt. 2024 waren es bereits 595 – 139 davon waren schwerverletzt.

Roman Pfeifer ist Traumatologe im Universitätsspital Zürich. «Geschwindigkeit spielt eine entscheidende Rolle», sagt er. Je schneller jemand stürze, desto schwerer seien die Verletzungen. «Nicht selten sehen wir Patientinnen und Patienten mit einem Schädelhirntrauma.» Viele Unfälle seien Selbstunfälle, sagt Pfeifer, oft sei Alkohol im Spiel.

Tuning soll stärker reguliert werden

Die Polizei Basel-Stadt erwischt auch vermehrt getunte E-Scooter. «Teils hat man wirklich beängstigende Geschwindigkeiten. Der Spitzenreiter war über 100 km/h schnell», sagt der auf Verkehr spezialisierte Polizist Fehim Arslani.

In der Werkstatt von «Kissmywheels» in Zürich werden ein- bis zweimal pro Woche E-Scooter getunt – ganz legal. Meist werde die Hardware ausgetauscht, sagt Gobillion. Es gebe aber auch Software-Tuning via Apps. «Je nach Modell und Marke gibt es Tastenkombinationen, die in der zugehörigen App gespeichert sind. So kann man den E-Scooter jederzeit drosseln oder entdrosseln.» Viele modifizieren ihr E-Trotti auch selbst, mithilfe von Tuning-Chips und Anleitungen aus dem Netz – ein Kinderspiel.

Die Polizei Basel-Stadt kennt die Tricks: «Unsere Fachexperten sind natürlich auf dem neuesten Stand. Es ist nicht auszuschliessen, dass mal einer durch die Lappen geht, aber in der Regel erwischen wir alle irgendwann», ist Polizeisprecher Rooven Brucker überzeugt.

Für Tuner dürfte es künftig ungemütlicher werden. Der Bund plant, Tuning stärker zu regulieren. Für Guilhem Gobillion ist das der falsche Ansatz. «Persönlich denke ich, dass 20 km/h zu langsam ist. Eigentlich fehlt die gleiche Regelung wie für schnelle E-Bikes, also mit Kennzeichen, 45 km/h, Helmpflicht und Versicherung. Das wäre optimal.»

Rundschau, 18.2.2026, 20:10 Uhr; wilh

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