Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Gewalt im Bahnverkehr Jetzt wird auch das Personal in Bergbahnen beschimpft

Auch bei den Jungfraubahnen gibt es immer mehr Gewalt. Die Gewerkschaft reagiert.

Drohungen, Beleidigungen oder sogar körperliche Gewalt: Das Zugpersonal in Schweizer Zügen ist gefordert. Mittlerweile sind auch Bergbahnen betroffen. Unangenehme Situationen gebe es gar auf Ausflugsschiffen, sagt Matthias Hartwich, Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals. «Unsere Leute werden im Freizeitverkehr geschubst und beschimpft – es ist kaum vorstellbar.»

Der Ton wird rauer.
Autor: Lukas Mathyer Leiter Zugdienst Jungfraubahnen

Lukas Mathyer arbeitet seit 15 Jahren für verschiedene Bahnen, unter anderem als Zugbegleiter. «Der Ton wird rauer – vor allem seit der Coronapandemie ist der Respekt kleiner geworden.» Der 33-Jährige ist derzeit bei den Jungfraubahnen und leitet das Team der Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter. «Auf unseren Zügen sind die kulturellen Unterschiede gross – unangemessenes Verhalten kommt bei praktisch allen vor.»

Porträt
Legende: Lukas Mathyer arbeitet schon länger als Zugbegleiter und hat schon verschiedene schwierige Situationen erlebt. SRF / Thomas Pressmann

Es brauche nicht viel, dass eine Situation eskaliert. «Meist haben die Kundinnen und Kunden das Gefühl, im Recht zu sein – und schon wird die Situation heikel.»

Bitte nicht filmen!

Vermehrt beobachten die Verantwortlichen bei den Jungfraubahnen eine neue Entwicklung: Renitente Personen drohen dem Personal, es zu filmen und das Videomaterial ins Internet zu stellen. «Das ist unangenehm und verletzt unsere Persönlichkeitsrechte», sagt Lukas Mathyer.

Plakat mit Aufschrift
Legende: Mit diesem Aufruf wollen die Jungfraubahnen das unerlaubte Filmen in der Bahn in den Griff kriegen. zvg/Jungfraubahnen

Das Bahnunternehmen hat gehandelt. Seit Kurzem weist es die Bahnbenützerinnen und -benützer auf Bildschirmen an, respektvoll zu sein und das Filmen des Bahnpersonals zu unterlassen. «Der Respekt ist auch ein Thema im Hotel und im Restaurant, deshalb ist es sinnvoll, in unseren Zügen darauf hinzuweisen», so die Sprecherin der Jungfraubahnen, Kathrin Naegeli.

Auch Beleidigungen tun weh

Bei den Jungfraubahnen wurde noch keine körperliche Gewalt registriert. «Zum Glück», wie Lukas Mathyer betont. Aber auch Drohungen und Beschimpfungen seien unangenehm und können einem nahe gehen: «Ich musste lernen, damit umzugehen. Ich lasse meine Uniform immer bei der Arbeit. Denn die Leute beschimpfen nicht mich persönlich, sondern als Angestellter der Bahn.»

Zug im Schnee
Legende: Die Züge der Jungfraubahnen erschliessen eine grosse Ferienregion. Aber auch hier liegen die Nerven manchmal blank. Keystone / PETER KLAUNZER

Wie andere Transportunternehmen schicken die Jungfraubahnen die Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter seit diesem Winter in Verhaltenskurse, in denen der Umgang mit schwierigen Situationen gelernt wird. Der Gewerkschaft SEV geht das zu wenig weit. «Wir fordern, dass Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter auch während des Tages nie alleine unterwegs sind.» Bei den Jungfraubahnen hält man das nicht für nötig, wie Sprecherin Kathrin Naegeli sagt.

Zug im Bahnhof
Legende: Zugbegleiter Lukas Mathyer hilft den Touristinnen und Touristen und kontrolliert die Tickets. Die Dankbarkeit ist oft gross, jedoch nicht immer. SRF / Thomas Pressmann

Eine Statistik über die Drohungen im Bahnverkehr gibt es nicht. Die SBB spricht von zehn Zwischenfällen pro Tag. Laut Matthias Hartwich von der Gewerkschaft SEV haben die Fälle aber zugenommen. Noch vor dem Sommer soll es einen runden Tisch geben mit Transportunternehmen und Betroffenen. Das Bundesamt für Verkehr habe schon zugesagt.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 16.3.2026, 17:30 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel