Wer auf der Autobahn A1 zwischen Luterbach und Härkingen durchfährt, oder gar im Stau steht, sieht sie: die kahle Fläche entlang der Leitplanken. Wo vorher Bäume und Sträucher standen, wurde gerodet. Das sei mitten in der Brutzeit eine absolute Ausnahme, heisst es beim Bundesamt für Strassen Astra. Die Rodung wurde nur wegen einer giftigen Raupe genehmigt.
Eine solch grosse Rodung, mitten in der Brutzeit, sei sehr schwierig, sagt Thomas Lüthi, Vizepräsident von Birdlife Solothurn, gegenüber SRF: «Eine Mönchsgrasmücke oder ein Buchfink brütet genau in solchen Gehölzstreifen. Es ist klar, dass bei einer Rodung Brutvögel zu Schaden gekommen sein müssen.»
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Bild 1 von 3. Die Nester der Raupen in der Hecke an der A1. Bildquelle: Bundesamt für Strassen Astra.
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Bild 2 von 3. Es waren tausende von Raupen, sagt das Bundesamt für Strassen Astra gegenüber SRF. Bildquelle: Bundesamt für Strassen Astra.
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Bild 3 von 3. Die Haare der Goldafterraupe sind giftig. Sie können Allergien auslösen. Bildquelle: imago images.
Die Rodung war bewilligt, beantragt vom Bundesamt für Strassen Astra. Es bestätigt einen Bericht der Berner Zeitung. Es sei kein leichtfertiger Entscheid, sagt Gaudenz Oetterli, Mediensprecher des Astra: «Uns ist bewusst, dass die Rodung in die Brut- und Setzzeit der Vögel fällt und verboten ist. Im Normalfall sehen wir von Rodungen ab, es war ultima ratio.»
Raupen gefährden die Gesundheit
Oetterli spricht damit auf die tausenden von Goldafterraupen an, die auf diesem Stück entlang der Autobahn A1 gefunden wurden. Sie haben sich bis ins angrenzende Industriegebiet verbreitet. Für die Angestellten dort ist das ein Problem: nur schon feinste Härchen der Raupe können Haut und Atemwege der Menschen reizen und Allergien auslösen.
Betroffen waren unter anderem das nahegelegene TCS Fahrcenter oder das Conforama-Verteilzentrum an der A1, bestätigen beide auf Anfrage.
Die Rodung war mit dem Solothurner Amt für Raumplanung, dem Amt für Wald, Jagd und Fischerei und mit dem landwirtschaftlichen Zentrum Wallierhof abgesprochen. «Wir haben Videos aus dem betroffenen Industriegebiet erhalten, wo man ganze Liegenschaften und Garagentore voller Goldafterraupen sieht. Deshalb mussten wir einschreiten», sagt Gaudenz Oetterli vom Astra weiter.
Was geschieht nun mit dem kahlen Streifen entlang der A1? Der bleibt für die nächsten zwei bis drei Jahre so. Wenn die giftigen Raupen nicht mehr zurückkommen, dann wird er später einmal wieder bepflanzt.
Vorfälle in Deutschland
Der Raupenbefall im Kanton Solothurn ist kein Einzelfall. In Deutschland ist die Ferieninsel Sylt grossflächig betroffen. Sie fordert Hilfe vom zuständigen Land, hat der NDR kürzlich berichtet. Das Wissen über das Tier sei noch zu gering, sagen die Zuständigen in Sylt. Deshalb wurde hier nun ein Forschungsprojekt gestartet, in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen in Deutschland.
Nebst Sylt wurden auch Raupen auf Helgoland, in Sachsen oder Oberbayern gefunden. Gut möglich also, dass die Goldafterraupe auch in der Schweiz erneut grossflächig auftauchen könnte. Schliesslich ist das Tier in der Schweiz heimisch. Entlang der A1 im Kanton Solothurn jedenfalls ist sie für den Moment verschwunden – als Folge der Rodung.