Jahrzehntelang galt das Globus‑Provisorium als grauer Schandfleck mitten in Zürich. Jetzt will die Stadt das ungeliebte Gebäude nicht abreissen, sondern daraus einen neuen Treffpunkt für die Bevölkerung machen.
Obschon es bereits viele Ideen gab, scheiterten bis jetzt alle Neubau- oder Abrissprojekte. Als letzter Versuch präsentierte der Stadtrat 2018 ein Projekt für einen leeren Platz. Doch auch diese Idee fand keine Gnade. Das Stadtparlament lehnte ab. Es wollte mehr als einen Platz. Das Globus-Provisorium, 1961 gebaut für maximal acht Jahre, steht deshalb immer noch da.
Doch alles hat bekanntlich zwei Seiten. Und ein Teil des Widerstands erklärt sich auch, sieht man sich einmal die Rückseite des Gebäudes genauer an: Architekten und Heimatschützer verweisen auf die einzigartige Arbeit des damaligen Architekten Karl Egender. Auf die Grundstruktur des Hauses, die einem Schiff nachempfunden ist und die seine wichtigste Arbeit darstellt. Diese soll bleiben.
Kein Wunder also, dass seit 65 Jahren darüber gestritten wird, was mit diesem Gebäude geschehen soll. Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab, die alle glücklich machen könnte – sowohl die Provisoriums-Kritiker als auch dessen Liebhaber samt dem Quartier und der breiten Bevölkerung.
Gehen die Pläne der Stadt diesmal auf, wird das Haus komplett umgestaltet. Es erhält eine Dachterrasse mit Restaurant und ein vielseitiges Innenleben mit Gastronomie sowie flexible Flächen. Im Haus soll vieles möglich sein, die Ideen sind noch vage und reichen von Bibliothek bis Bildungskurs oder sozialen Angeboten.
Der Detailhändler zügelt ins UG
Eventuell hat auch noch eine Velostation Platz. Das Dach wird aufgemacht, das Gebäude erhält einen Lichthof, grosse Schaufenster, andere Ein- und Ausgänge und wird so durchlässig und begehbar.
Der Detailhändler soll auch bleiben und seine Waren zukünftig im Untergeschoss verkaufen. Im zweiten Untergeschoss parkiert die Polizei ihre Fahrzeugflotte.
Rund ums Haus ist viel Grün angedacht, einige Bäume sind schon gepflanzt, Bänke zum Verweilen wurden aufgestellt. In den nächsten Jahren soll es noch grüner werden, auch die Seite zur Limmat hin soll eine Aufwertung erfahren, sodass ein attraktiver Aufenthaltsort entsteht. Für die vielen neuen Bäume sollen 11 von 22 Parkplätzen aufgehoben werden.
Stadt zeigt sich zufrieden mit den Plänen
Ausgedacht hat sich die Stadt dieses Projekt nicht selbst. Eine 60-köpfige Projektgruppe aus Vereinen, Verbänden, der Politik, Anwohnerinnen und Experten erarbeiteten verschiedene Vorschläge, die sie der Stadt 2022 präsentierten. Aus diesen Vorschlägen hat der Stadtrat seine Pläne entwickelt. Sie seien im Stadtrat absolut glücklich mit dem Resultat, sagt Stadtpräsidentin Corine Mauch.
Und auch der zuständige Stadtrat und Hochbauvorsteher André Odermatt ist zuversichtlich, dass es im Parlament und bei der Bevölkerung Anklang findet. «Heute hat das Gebäude eine geschlossene, tote Fassade. Und mit dem Öffnen schaffen wir einen neuen Raum für die Bevölkerung und das bringt einen wirklichen Mehrwert.»
Der Stadtrat ist absolut glücklich mit dem Resultat.
Noch hat das Projekt verschiedene politische Hürden zu überwinden. 2031 soll es eine Volksabstimmung geben. Falls es keine Einsprachen gibt, könnte 2032 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Es wäre ein echter Neuanfang. Denn kaum ein Gebäude in Zürich hat über Jahrzehnte so viel Streit ausgelöst und weckt nun so grosse Erwartungen.
Die Geschichte des Areals
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Bild 1 von 6. Blick auf die Bahnhofbrücke, den Bahnhof und das Schweizerische Landesmuseum in Zürich um 1920. Links ist das Warenhaus Globus zu sehen. Bildquelle: Keystone/Photoglob.
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Bild 2 von 6. Das Gebäude, hier auf einem Foto von 1910, stammt aus dem Jahre 1892. Das erste grosse Warenhaus der Schweiz hiess damals «Weber’s Bazar». Bildquelle: Keystone/Photopress-Archiv.
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Bild 3 von 6. 1950 wurde das Warenhaus abgerissen. Globus plante ein neues Geschäft auf dem Papierwerd-Areal. Doch das Stimmvolk lehnte diese Pläne 1951 ab. Bildquelle: Keystone/Photopress-Archiv.
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Bild 4 von 6. Stattdessen entstand 1961 ein Provisorium. Es sollte eine Übergangslösung sein, bis zur Eröffnung des neuen Globus-Warenhauses an der Bahnhofstrasse. Doch das Provisorium blieb bis heute erhalten. Bildquelle: Keystone/Photopress-Archiv.
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Bild 5 von 6. Am 29. Juni 1968 versammelten sich 2000 Demonstrantinnen und Demonstranten vor dem Globus-Provisorium. Sie forderten, dass aus dem Gebäude ein autonomes Jugendzentrum wird. Bildquelle: Keystone/Photopress-Archiv.
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Bild 6 von 6. Zwischen Polizisten und Demonstranten kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die als «Globuskrawalle» in die Geschichte eingegangen sind. Bildquelle: Keystone/Photopress-Archiv.