Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Globus-Provisorium in Zürich Vom alten «Schandfleck» zum neuen Ort für die Stadtbevölkerung

Das Zürcher Globus-Provisorium bleibt, wird aber neu erfunden.

Jahrzehntelang galt das Globus‑Provisorium als grauer Schandfleck mitten in Zürich. Jetzt will die Stadt das ungeliebte Gebäude nicht abreissen, sondern daraus einen neuen Treffpunkt für die Bevölkerung machen.

Obschon es bereits viele Ideen gab, scheiterten bis jetzt alle Neubau- oder Abrissprojekte. Als letzter Versuch präsentierte der Stadtrat 2018 ein Projekt für einen leeren Platz. Doch auch diese Idee fand keine Gnade. Das Stadtparlament lehnte ab. Es wollte mehr als einen Platz. Das Globus-Provisorium, 1961 gebaut für maximal acht Jahre, steht deshalb immer noch da.

Globus-Provisorium in Zürich.
Legende: Keine Schönheit, aber funktional: Im alten Globus-Provisorium ist heute eine Coop-Filiale eingemietet. Keystone/Christian Beutler

Doch alles hat bekanntlich zwei Seiten. Und ein Teil des Widerstands erklärt sich auch, sieht man sich einmal die Rückseite des Gebäudes genauer an: Architekten und Heimatschützer verweisen auf die einzigartige Arbeit des damaligen Architekten Karl Egender. Auf die Grundstruktur des Hauses, die einem Schiff nachempfunden ist und die seine wichtigste Arbeit darstellt. Diese soll bleiben.

Rückseite des Globus-Provisoriums
Legende: Auf der Rückseite präsentiert sich ein anderes Bild: Als würde das schiffartige Gebäude gleich in See stechen. Keystone/Christian Beutler

Kein Wunder also, dass seit 65 Jahren darüber gestritten wird, was mit diesem Gebäude geschehen soll. Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab, die alle glücklich machen könnte – sowohl die Provisoriums-Kritiker als auch dessen Liebhaber samt dem Quartier und der breiten Bevölkerung.

Gehen die Pläne der Stadt diesmal auf, wird das Haus komplett umgestaltet. Es erhält eine Dachterrasse mit Restaurant und ein vielseitiges Innenleben mit Gastronomie sowie flexible Flächen. Im Haus soll vieles möglich sein, die Ideen sind noch vage und reichen von Bibliothek bis Bildungskurs oder sozialen Angeboten.

Der Detailhändler zügelt ins UG

Eventuell hat auch noch eine Velostation Platz. Das Dach wird aufgemacht, das Gebäude erhält einen Lichthof, grosse Schaufenster, andere Ein- und Ausgänge und wird so durchlässig und begehbar.

Der Detailhändler soll auch bleiben und seine Waren zukünftig im Untergeschoss verkaufen. Im zweiten Untergeschoss parkiert die Polizei ihre Fahrzeugflotte.

Illustration der Dachterrasse mit Restaurant.
Legende: Das umgestaltete Haus soll zu einem Ort für alle werden und für verschiedene Zwecke genutzt werden können. Gastronomie und allenfalls eine Velostation sollen das Angebot ergänzen. Illustrator: Matthias Gnehm

Rund ums Haus ist viel Grün angedacht, einige Bäume sind schon gepflanzt, Bänke zum Verweilen wurden aufgestellt. In den nächsten Jahren soll es noch grüner werden, auch die Seite zur Limmat hin soll eine Aufwertung erfahren, sodass ein attraktiver Aufenthaltsort entsteht. Für die vielen neuen Bäume sollen 11 von 22 Parkplätzen aufgehoben werden.

Stadt zeigt sich zufrieden mit den Plänen

Ausgedacht hat sich die Stadt dieses Projekt nicht selbst. Eine 60-köpfige Projektgruppe aus Vereinen, Verbänden, der Politik, Anwohnerinnen und Experten erarbeiteten verschiedene Vorschläge, die sie der Stadt 2022 präsentierten. Aus diesen Vorschlägen hat der Stadtrat seine Pläne entwickelt. Sie seien im Stadtrat absolut glücklich mit dem Resultat, sagt Stadtpräsidentin Corine Mauch.

Warum aus dem Provisorium ein Providurium wurde

Box aufklappen Box zuklappen

Entstanden ist das Gebäude 1961 für das Warenhaus Globus. Es sollte nur bis zur Einweihung eines neuen Globus-Geschäfts in der Zürcher Bahnhofstrasse stehen.

Doch es kam anders: Zwar zog Globus 1967 an seinen neuen Standort. Ein Jahr später sprach sich die Stimmbevölkerung aber gegen einen Abriss aus. Noch im selben Jahr wurde das Provisorium wegen der Globus-Krawalle schweizweit bekannt.

Am 29. Juni 1968 wurde der Bau zum Zentrum der Schweizer Jugendunruhen. Hunderte Demonstrantinnen und Demonstranten forderten vor dem Gebäude, dass daraus ein autonomes Jugendzentrum wird. Die friedliche Aktion endete blutig: Es kam zu heftigen Strassenschlachten mit der Polizei. Alle weiteren Umbau- und Abrisspläne scheiterten seither aus unterschiedlichsten Gründen.

Und auch der zuständige Stadtrat und Hochbauvorsteher André Odermatt ist zuversichtlich, dass es im Parlament und bei der Bevölkerung Anklang findet. «Heute hat das Gebäude eine geschlossene, tote Fassade. Und mit dem Öffnen schaffen wir einen neuen Raum für die Bevölkerung und das bringt einen wirklichen Mehrwert.»

Der Stadtrat ist absolut glücklich mit dem Resultat.
Autor: Corine Mauch Zürcher Stadtpräsidentin

Noch hat das Projekt verschiedene politische Hürden zu überwinden. 2031 soll es eine Volksabstimmung geben. Falls es keine Einsprachen gibt, könnte 2032 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Es wäre ein echter Neuanfang. Denn kaum ein Gebäude in Zürich hat über Jahrzehnte so viel Streit ausgelöst und weckt nun so grosse Erwartungen.

Die Geschichte des Areals

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 15.4.2026, 17:30 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel