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Gondelabsturz Engelberg Könnte Ursache sein: Wie Seilbahnen mit starkem Wind umgehen

Beim Gondelabsturz in Engelberg herrschten heftige Windverhältnisse. Was weiss man und wie müssen sich Bahnen verhalten?

Was ist passiert? Im Skigebiet von Engelberg ist am Mittwoch eine Gondel abgestürzt. Beim Seilbahnunfall ist eine 61-jährige Frau verstorben, sie war alleine in der Gondel. Die Absturzursache ist noch unklar. Aktuell untersucht die Schweizerische Sicherheits­untersuchungsstelle (SUST) die Ursache für den Unfall in Engelberg. Die Spuren, die die SUST nach dem Unglück am Titlis gesichert hat, deuten darauf hin, dass sich ein Zusammenstoss zwischen der Klemme, mit der die Gondel am Seil befestigt war, und der Rollenbatterie an einem Masten ereignet hat. Dabei könnten auch die starken Windverhältnisse eine Rolle gespielt haben.

Wie erkennt man riskante Windverhältnisse? «Bei den Bahnen gibt es meistens zwei bis drei Windmesser», erklärt Seilbahningenieur Reto Canale. Diese seien an jenen Stützen angebracht, wo die Windverhältnisse kritisch sein können. Diese Windmesser übermitteln die Stärke des Windes in Echtzeit an die entsprechende Antriebstation. «Das ist bei allen Bahnen vorgeschrieben», betont Canale. Die Daten werden in der Station angezeigt und bei neueren Anlagen auch aufgezeichnet. Mit diesen Daten kann man auch Tendenzen feststellen. Also ob der Wind eher zunimmt oder abflaut.

Stellungnahme von Garaventa-CEO Arno Inauen

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«Zum Zeitpunkt des Unfalls herrschten starke, böige Winde. Nach aktuellem Kenntnisstand wurde das betroffene Fahrzeug durch eine unerwartet kräftige Böe so stark ausgelenkt, dass es mit einer Stütze kollidierte und in der Folge vom Seil gerissen wurde. 

Die bisherigen Überprüfungen zeigen, dass sich die Anlage zum Unfallzeitpunkt in technisch einwandfreiem Zustand befand.

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) hält explizit fest, dass sie nicht von einem systematischen Problem etwa bei einem bestimmten Klemmentyp ausgehen. Die Ermittlung würden nun in Richtung Betriebsabläufe und Wetterverhältnisse gehen.»

Ab wann muss man reagieren? Es gibt kritische Werte. Ab einer Windgeschwindigkeit von 40 km/h wird typischerweise eine Windwarnung ausgelöst. «Dann sollte man anfangen zu reagieren», sagt Canale. Vor allem, wenn man feststellt, dass der Wind zunimmt. So wird ab diesem Wert häufig schon darauf verzichtet, weitere Menschen auf die Bahn zu lassen, denn «bis eine Gondelbahn leergefahren ist, dauert es eine Weile». Der nächste kritische Wert ist 60 km/h. Dann wird ein Windalarm ausgelöst. Falls noch keine Massnahmen ergriffen wurden, fängt man spätestens dann damit an und reduziert die Geschwindigkeit der Bahn. Das reduziert auch das Risiko eines Unfalls.

Seilbahn über verschneite Landschaft mit Bäumen.
Legende: Wie stark der Wind am Mittwoch blies, ist nicht bekannt. Keystone/Urs Flüeler

Wer entscheidet? Die Verantwortung liegt bei den Gondelbahn-Betreibern. Das Aufsichtspersonal habe jederzeit das Recht, den Betrieb einzustellen, erklärt der Seilbahningenieur. «Ob man ab einer Windwarnung weiterlaufen lässt, ist aber situativ entscheidbar», fügt er hinzu. Letztendlich liegt die Entscheidung, den Betrieb einer Seilbahn zu stoppen, also immer bei einem Menschen. «Diese Personen müssen schwierige Entscheide treffen», sagt Canale. Schliesslich wolle man die Gondel auch möglichst lange fahren lassen.

Wie war die Situation in Engelberg? Es steht noch nicht abschliessend fest, ob der Wind ausschlaggebend für den Unfall war, die Hinweise verdichten sich jedoch. Die Windmessdaten werden im Moment von der SUST ausgewertet, wie der Bahnbetreiber im Interview mit RTS erklärte.

Regionaljournal Zentralschweiz, 19.3.2026, 12:03 Uhr ; 

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