Beim Absturz einer Gondel am Mittwoch in Engelberg starb eine 61-jährige Frau. Eine mögliche Absturzursache ist ein Problem mit der Klemme, die die Gondel am Seil befestigte. Diese Technik kommt schweizweit zum Einsatz. Berno Stoffel, Direktor des Branchenverbands Seilbahnen Schweiz, äussert sich dazu, wie sicher diese Bahnen sind.
SRF News: Wie funktioniert die Klemme, die die betroffene Gondel am Seil befestigte?
Berno Stoffel: Ich muss vorausschicken, dass aktuell noch untersucht wird, ob es tatsächlich ein Problem mit der Klemme gegeben hat. Ihr Funktionsprinzip ist das folgende: In der Station wird die Gondel beschleunigt, bis sie dasselbe Tempo hat wie das Zugseil. Dann fixiert sie eine an der Gondel montierte Klemme an diesem Seil. Der Druck, den diese Klemme dabei ausübt, wird jedes Mal gemessen. Entspricht er nicht einem normierten Wert, stellt die Bahn automatisch ab, und die Gondel kommt nicht auf das Zugseil.
Ist dieses System zuverlässig, sofern der Druck der Klemme richtig kontrolliert wird?
Ja. Es wird in der Schweiz jeden Tag millionenfach angewandt, bei jeder Ein- und Ausfahrt einer Gondel oder eines Sessellifts. Das System ist sehr zuverlässig.
Im Skigebiet Engelberg war es am Mittwoch teilweise sehr windig. Könnte das eine Rolle gespielt haben beim Unfall?
Dazu kann ich im Moment keine Aussage machen. Das ist erst möglich, nachdem die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) den Unfallhergang untersucht hat. Sie schaut in solchen Fällen sowohl die technische Seite als auch das Verhältnis zwischen Mensch und Technik genau an.
Wurden Sie von anderen, verunsicherten Bahnbetrieben kontaktiert?
Nein, weil es sich um ein absolut bewährtes System handelt. Solange die Ursache des Unfalls nicht geklärt ist, braucht es auch keine weiteren Massnahmen.
Schwächt der Unfall das Vertrauen in die Seilbahnen?
Das Ereignis ist tragisch und wir bedauern es sehr. Im grossen Bild ist es aber sehr aussergewöhnlich. Jährlich werden 330 Millionen Personenkilometer Seilbahnen zurückgelegt. Ich bin überzeugt, dass unsere Fahrgäste das einordnen können.
Das Gespräch führte Nik Rigert.