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Grosskatzen privat gehalten Juristin: «Wünschen uns Verbot von Grosskatzen in privater Hand»

Kürzlich ist in Deutschland ein Tiger entlaufen. Er wurde von der Polizei erschossen – was internationale Schlagzeilen gemacht hat. Der Tiger war aus einer privaten Anlage entwischt. Vanessa Gerritsen ist Juristin und Geschäftsleitungsmitglied der Stiftung Tier im Recht und sagt, wer in der Schweiz Wildtiere wie halten darf.

Vanessa Gerritsen

Tierschützerin / Juristin

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Stellvertretende Geschäftsführerin der Stiftung Tier im Recht und langjähriges Mitglied der Tierschutzkommission des Kantons Zürich.

SRF News: Wer darf in der Schweiz Wildtiere privat halten?
Vanessa Gerritsen: Dazu braucht es eine Ausbildung und eine Bewilligung. Diese kann auf maximal zehn Jahre befristet werden. Im Falle von Grosskatzen braucht es zudem ein Gutachten einer unabhängigen, anerkannten Fachperson. Sie muss bestätigen, dass die Tierhaltung den Mindestanforderungen der Tierschutzgesetzgebung entspricht.

Ein junger Tiger spielt mit dem Kleid einer Frau, wie eine junge Katze.
Legende: Um einen Tiger zu halten, braucht es eine Ausbildung, eine Bewilligung und ein Gutachten einer Fachperson. Imago Images/YAY Images/Symbolbild

Wie viele privat gehaltene Raubkatzen gibt es in der Schweiz?

Das ist schwierig zu sagen. Wir wissen, dass es 125 öffentlich zugängliche Wildtierhaltungen gibt. Ganz bestimmt gibt es viele Wildtierhaltungen, die nicht öffentlich zugänglich sind. In Bezug auf Grosskatzen dürfte die Zahl der in Privathand gehaltenen Tiere allerdings überschaubar sein. Aber auch viele andere Wildtiere werden legal, halb legal oder illegal gehalten.

In Bezug auf die Grosskatzen scheint das System zu funktionieren, weil es aufgrund der Mindestanforderungen nicht so einfach ist, diese Tiere zu verstecken.

Wie gut funktioniert die Regulierung bei der Haltung von Grosskatzen?

Die Haltungen von Grosskatzen müssen mindestens alle zwei Jahre kontrolliert werden. Wenn es bei zwei aufeinanderfolgenden Kontrollen zu keinen Beanstandungen kommt, dann darf der Kontrollturnus auf vier Jahre ausgeweitet werden. In Bezug auf die Grosskatzen scheint das System zu funktionieren, weil es aufgrund der Mindestanforderungen nicht so einfach ist, diese Tiere zu verstecken. Die sind sichtbar. Bei vielen kleineren Wildtierarten ist das viel schwieriger, und es kommt zu mehr Tierschutzproblemen.

Die Mindestanforderungen der Haltung sind in Bezug auf die Bedürfnissen dieser Tiere immer noch sehr gering.

Was halten Sie von der Stiftung Tier im Recht von der privaten Haltung von Raubkatzen wie Tiger oder Löwen?

Wir wünschen uns ein Verbot solcher Tiere in privater Hand. Die Schweiz tut sich schwer mit solchen Verboten. Man setzt auf relativ strenge Anforderungen. Das Problem ist aber, dass die Mindestanforderungen in Bezug auf die Bedürfnissen dieser Tiere immer noch sehr gering sind. Eine weitere Problematik ist, dass die Auslegung der Bestimmungen kantonal unterschiedlich gehandhabt werden kann.

Ein Tiger liegt auf dem Rücken und lässt sich kraulen wie eine Katze.
Legende: Die Mindestanforderungen bei der Haltung von Raubkatzen hält die Juristin der Stiftung Tier im Recht für zu gering. Imago Images/YAY Images/Symbolbild

Neben den Problemen bei der Haltung können auch noch weitere Schwierigkeiten entstehen, beispielsweise die Herkunft und der Transport der Tiere. Und: Was passiert mit ihnen, wenn dem Tierhalter etwas zustösst? Wer übernimmt dann die Verantwortung, die Pflege und vor allem die Kosten dieser Tiere? 

Der privaten Haltung von Wildtieren liegt immer Egoismus zugrunde.

Private Tierhalter würden vermutlich entgegnen, dass sie alles für ihr Tier tun würden. Geht es denen vielleicht nicht sogar besser als in öffentlichen Einrichtungen?

Das glaube ich nicht. Der Ursprung für solche Tierhaltung ist meistens irgendwo in den sozialen Medien oder in der Unterhaltungsindustrie zu finden. Man hat vielleicht in einem Film ein solches Tier gesehen und möchte es halten. Dieser Tierhaltung liegt immer Egoismus zugrunde. Man will einfach das Tier halten, weil man davon fasziniert ist. Das ist auch unter dem Aspekt der Würde problematisch. Und wenn wir ehrlich sind: Was können wir diesen Tieren in Gefangenschaft bieten? Es ist eine sehr einseitige Sache, wenn wir diese Tiere halten wollen.

Das Gespräch führte Sandra Wittmer.


SRF 4 News, 18.05.2026, 17:50 Uhr ; 

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