Der Aargauer Grünen-Politiker Jonas Fricker tritt von der politischen Bühne ab. Nach seinem Rücktritt aus dem Nationalrat im Jahre 2017 kehrte er 2020 in die kantonale Politik zurück. Doch jetzt nimmt Fricker endgültig den Hut.
SRF News: Jonas Fricker, sie werden bald 49 Jahre alt. Während 24 Jahren waren Sie in der Politik aktiv, als Einwohnerrat, als Grossrat, als Präsident der Grünen Aargau, als Nationalrat, dann wieder als Grossrat. Können Sie ohne Politik leben?
Jonas Fricker: Selbst meine Frau kennt mich nicht ohne Politik. Als ich sie kennengelernt habe, war ich bereits Einwohnerrat in Baden. Insofern beginnt jetzt schon ein neues Leben.
In ihrem Rücktrittsschreiben aus dem Grossen Rat steht, dass sie die seriöse Ausübung ihres Mandats nicht mehr vereinbaren können mit ihren Ansprüchen an Familie, Beruf und Gesundheit. Weshalb?
Unser Familiensystem ist sehr belastet, wir haben drei Kinder, meine Frau arbeitet 100 Prozent als Professorin in Fribourg. Im Leben hat einfach nicht alles Platz. Ich habe mich meistens zwischen 11 Uhr Abends und halb zwei Uhr Morgens der Politik gewidmet, ich musste schliesslich alles unter einen Hut bringen.
Auf die Dauer nagt aber diese Belastung an einem. Das macht man nur, wenn man mit seiner politischen Arbeit auch etwas Positives bewirken kann.
Seit 2025 gibt es im Aargau eine Absolute Mehrheit von FDP, SVP und EDU. Hat sich die Politik im Aargau dadurch verändert?
Für mich schon. Ich bin ein Konsens-Politiker und möchte Lösungen finden. In der letzten Legislatur konnten wir im Aargau noch den Klimaparagrafen verankern. Das war ein Erfolg.
Doch in dieser Legislatur sind wir nicht mehr Teil der Lösung, da ist es so, dass FDP und SVP zusammen eine klare Mehrheit haben – und sie regieren einfach durch. Natürlich mit der Unterstützung der Regierung, die ja auch bürgerlich ist.
Aber die Regierung wird manchmal auch überstimmt vom Grossen Rat, und ausserdem sind die Mehrheitsverhältnisse ja so, wie die Bevölkerung im Aargau gewählt hat. Aber sie sehen sich persönlich nicht als Oppositionspolitiker?
Das ist korrekt. Ich respektiere die Demokratie und den Rechtsstaat. Aber ich musste mich fragen, ob ich in dem System, so wie es jetzt ist, konstruktive Politik machen und etwas bewirken kann.
Es braucht jetzt eine wichtige Stimme in der Opposition – und diese Stimme bin ich nicht.
Es braucht jetzt eine wichtige Stimme in der Opposition – und diese Stimme bin ich nicht. Ich war zuletzt Präsident der Kommission für Umwelt, Verkehr, Bau, Energie und Raumentwicklung. Da werden die Themen behandelt, die mir am Herzen liegen.
Da mussten Sie zuletzt vertreten, dass der Aargau auf Atomkraft setzen soll, das war wohl eine bittere Pille für Sie.
Genau, das war hart. Und das Schlimmste war, dass ich nicht am Diskurs teilnehmen konnte. Meine Nachfolgerin ist eine Klimaaktivistin und sie weiss, wie man Oppositionspolitik macht. Ich bin bald 50 Jahre alt, diese Rolle passt nicht mehr zu mir.
Sehen Sie ihre Rolle vielleicht in einem Exekutivamt? Im Stadtrat von Baden etwa, oder als Aargauer Regierungsrat?
Das Leben hat mich gelehrt zu sagen: Sag niemals nie. Aber es fühlt sich aktuell schon so an, als wäre das jetzt der Abschluss. Jedenfalls mit Sicherheit der Abschluss in der Legislative. Die Exekutive ist allerdings schon etwas, das mir eher entsprechen würde. Aktuell steht aber mein Abschied im Vordergrund. Meine aktuelle Antwort auf ihre Frage lautet daher: Nein.
Das Gespräch führte Stefan Ulrich