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Heisse Debatte um Geothermie Geothermie-Comeback? Die Schweiz blickt in die Nordwestschweiz

Geothermie macht Hoffnung – doch ein Projekt im Jura weckt in der Region Basel unschöne Erinnerungen.

Die Hoffnung ist gross: Geothermie könnte einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten – klimafreundlich, zuverlässig und rund um die Uhr verfügbar. Ein neues Projekt im Kanton Jura lässt die Branche aufhorchen.

In Haute-Sorne JU läuft derzeit eines der ambitioniertesten Geothermieprojekte der Schweiz. Künftig soll dort Wasser in rund 4000 Metern Tiefe durch das Gestein zirkulieren, sich erhitzen und wieder an die Oberfläche gelangen. Der Vorteil dieser Tiefen: Mit etwa 135 Grad ist das Wasser heiss genug, um neben Fernwärme auch Strom zu erzeugen.

Bohrturm auf einem Feld mit gelben Blumen im Vordergrund.
Legende: Bohrturm in Haute-Sorne. Bisher wurden laut Betreibern keine spürbaren Erdbeben registriert. KEYSTONE/Peter Klaunzer

Wenn alles nach Plan läuft, soll die Anlage dereinst Strom und Heizenergie für rund 6000 Haushalte liefern. Für die Schweiz wäre das ein wichtiger Schritt. Denn Strom aus tiefer Geothermie gibt es bislang noch nicht.

Geothermie aus diesen Tiefen ist vielversprechend – aber auch heikel. Weil in diesen Schichten oft kein Wasser vorhanden ist, wird der Untergrund künstlich durchlässig gemacht: Wasser wird unter hohem Druck in den Fels gepresst, um feine Risse zu erzeugen. Durch diese kann später Wasser zirkulieren.

Geothermie-Projekt sorgt 2006 für Risse an Häusern

Dass diese Technik Risiken birgt, hat die Schweiz bereits erlebt – nur ein paar Kilometer entfernt, in Basel. Durch ein Geothermieprojekt im Stadtteil Kleinhüningen wurden 2006 spürbare Erdbeben ausgelöst. Risse an Gebäuden waren die Folge, das Projekt wurde aufgegeben. Gerade in der Region Basel ist das Thema deshalb besonders sensibel.

Steht die Tiefengeothermie hier dennoch vor einem Comeback? Die Betreiber im Jura zeigen sich zuversichtlich: In Haute-Sorne wurde der Untergrund mit geringerer Intensität bearbeitet als früher. Und: «Es wurden zwar 3000 Beben gemessen. Diese Mikrobeben waren aber nicht spürbar», sagt Olivier Zingg von der Betreiberfirma Geo-Energie Jura SA. «Alle Lichter sind auf Grün.»

Menschen demonstrieren gegen Fracking mit Schildern und Bannern auf der Strasse.
Legende: Protest in der Gemeinde Glovelier gegen Geothermiebohrungen. KEYSTONE/Valentin Flauraud

Ganz ohne Widerstand verläuft das Projekt jedoch nicht. Bereits vor Beginn der Bohrungen kam es zu Protesten. Bei einer Protestaktion wurde der Bohrturm sogar mit Gülle besprüht.

Zudem sei fraglich, ob sich ein solches Projekt finanziell lohne, meint der ehemalige Basler SP-Nationalrat Ruedi Rechsteiner. Projektleiter Zingg sagt zur Kritik: «Wir haben das Gefühl, der Widerstand ist zurückgegangen. Auch weil wir aufzeigen konnten, dass wir die Bohrung umsetzen konnten, wie wir es geplant hatten.»

Gülle bei Erdgasbohrturm auf nasser Strasse.
Legende: Gülle gegen Bohrturm: Protest im Jura gegen das Geothermieprojekt in Haute-Sorne. Keystone/LAURENT MERLET

Die Branche versucht, aktiv gegenzusteuern – mit Informationsveranstaltungen und transparenter Kommunikation. Und in der Region Basel rückt die Geothermie wieder stärker in den Fokus.

Das Potenzial ist enorm.
Autor: Christoph Plattner Amt für Umwelt und Energie BL

So hat das Baselbieter Parlament 2024 beschlossen, die Suche nach geeigneten Standorten aktiv voranzutreiben – der Entscheid wurde von allen politischen Lagern mitgetragen. «Das Potenzial ist enorm. Wir versuchen, uns nun dem Potenzial anzunähern, und schauen, wo nächste Schritte Sinn machen», sagt Christoph Plattner vom Baselbieter Amt für Umwelt und Energie.

Gescheiterte Geothermieprojekte in der Schweiz

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Die Tiefengeothermie hat in der Schweiz wiederholt Rückschläge erlebt. Eine Auswahl:

  • Basel (2006): Beim Projekt kam es nach der Stimulation zu spürbaren Erdbeben (bis Magnitude 3.4). Gebäude wurden beschädigt, das Projekt gestoppt.
  • St. Gallen (2013): Während der Bohrung kam es zu einem Erdbeben (Magnitude 3.5) sowie zu einem Gasaustritt. Das Projekt wurde abgebrochen.
  • Inwil LU (2025/2026): Die CKW (eine Axpo-Tochter) legte das Projekt nach seismischen Messungen auf Eis, da die Daten den Untergrund nicht eindeutig genug eingrenzen konnten.
  • Vinzel VD (2023): Vor drei Jahren stiess Energeô Vinzel bei der Bohrung «Vinzel-1 Malm» in 2233 Metern Tiefe zwar auf Wasser mit einem aussergewöhnlichen Druck. Da die Temperaturen jedoch deutlich niedriger waren als erwartet, wurde dieses Projekt 2026 abgebrochen.

Allerdings setzen die Baselbieter Behörden vorerst auf weniger riskante Varianten: So sollen die geplanten Bohrungen im Baselbiet deutlich weniger tief gehen als im Jura. So tief wie etwa in Riehen BS, wo Geothermie bereits Heizenergie liefert.

Ob die Tiefengeothermie tatsächlich den Durchbruch schafft, wird sich zeigen. Gelingt es im Jura tatsächlich, Strom wirtschaftlich und ohne grössere Erdbeben zu produzieren, könnte das der Technologie entscheidenden Rückenwind verleihen.

Info 3; 21.5.2026; 17 Uhr ; 

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