Die Hoffnung ist gross: Geothermie könnte einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten – klimafreundlich, zuverlässig und rund um die Uhr verfügbar. Ein neues Projekt im Kanton Jura lässt die Branche aufhorchen.
In Haute-Sorne JU läuft derzeit eines der ambitioniertesten Geothermieprojekte der Schweiz. Künftig soll dort Wasser in rund 4000 Metern Tiefe durch das Gestein zirkulieren, sich erhitzen und wieder an die Oberfläche gelangen. Der Vorteil dieser Tiefen: Mit etwa 135 Grad ist das Wasser heiss genug, um neben Fernwärme auch Strom zu erzeugen.
Wenn alles nach Plan läuft, soll die Anlage dereinst Strom und Heizenergie für rund 6000 Haushalte liefern. Für die Schweiz wäre das ein wichtiger Schritt. Denn Strom aus tiefer Geothermie gibt es bislang noch nicht.
Geothermie aus diesen Tiefen ist vielversprechend – aber auch heikel. Weil in diesen Schichten oft kein Wasser vorhanden ist, wird der Untergrund künstlich durchlässig gemacht: Wasser wird unter hohem Druck in den Fels gepresst, um feine Risse zu erzeugen. Durch diese kann später Wasser zirkulieren.
Geothermie-Projekt sorgt 2006 für Risse an Häusern
Dass diese Technik Risiken birgt, hat die Schweiz bereits erlebt – nur ein paar Kilometer entfernt, in Basel. Durch ein Geothermieprojekt im Stadtteil Kleinhüningen wurden 2006 spürbare Erdbeben ausgelöst. Risse an Gebäuden waren die Folge, das Projekt wurde aufgegeben. Gerade in der Region Basel ist das Thema deshalb besonders sensibel.
Steht die Tiefengeothermie hier dennoch vor einem Comeback? Die Betreiber im Jura zeigen sich zuversichtlich: In Haute-Sorne wurde der Untergrund mit geringerer Intensität bearbeitet als früher. Und: «Es wurden zwar 3000 Beben gemessen. Diese Mikrobeben waren aber nicht spürbar», sagt Olivier Zingg von der Betreiberfirma Geo-Energie Jura SA. «Alle Lichter sind auf Grün.»
Ganz ohne Widerstand verläuft das Projekt jedoch nicht. Bereits vor Beginn der Bohrungen kam es zu Protesten. Bei einer Protestaktion wurde der Bohrturm sogar mit Gülle besprüht.
Zudem sei fraglich, ob sich ein solches Projekt finanziell lohne, meint der ehemalige Basler SP-Nationalrat Ruedi Rechsteiner. Projektleiter Zingg sagt zur Kritik: «Wir haben das Gefühl, der Widerstand ist zurückgegangen. Auch weil wir aufzeigen konnten, dass wir die Bohrung umsetzen konnten, wie wir es geplant hatten.»
Die Branche versucht, aktiv gegenzusteuern – mit Informationsveranstaltungen und transparenter Kommunikation. Und in der Region Basel rückt die Geothermie wieder stärker in den Fokus.
Das Potenzial ist enorm.
So hat das Baselbieter Parlament 2024 beschlossen, die Suche nach geeigneten Standorten aktiv voranzutreiben – der Entscheid wurde von allen politischen Lagern mitgetragen. «Das Potenzial ist enorm. Wir versuchen, uns nun dem Potenzial anzunähern, und schauen, wo nächste Schritte Sinn machen», sagt Christoph Plattner vom Baselbieter Amt für Umwelt und Energie.
Allerdings setzen die Baselbieter Behörden vorerst auf weniger riskante Varianten: So sollen die geplanten Bohrungen im Baselbiet deutlich weniger tief gehen als im Jura. So tief wie etwa in Riehen BS, wo Geothermie bereits Heizenergie liefert.
Ob die Tiefengeothermie tatsächlich den Durchbruch schafft, wird sich zeigen. Gelingt es im Jura tatsächlich, Strom wirtschaftlich und ohne grössere Erdbeben zu produzieren, könnte das der Technologie entscheidenden Rückenwind verleihen.