Herausforderung im Alter: Die hohen Temperaturen machen insbesondere älteren Menschen zu schaffen. Für Bewohnerinnen und Bewohner von Altersheimen bringen einfache Massnahmen wie kühle Fussbäder, leichtes Essen, abgedunkelte Räume oder Glace kurzfristig Abhilfe. Längerfristig werden aber bauliche Massnahmen ein Thema, um die Sommerhitze zu überstehen. Solche Massnahmen benötigen jedoch Zeit und Geld.
Zentrales Element: Herkömmliche Mittel wie genügend trinken oder in den Schatten gehen reichten aktuell noch. Das Personal in den Heimen wisse, wie mit der Hitze umzugehen sei. Das sagt Thomas Jenni, Vorstandsmitglied der Gemeinschaft Solothurnischer Alters- und Pflegeheime. Langfristig stellten sich den Heimen aber grössere Fragen: Wie sollen Wände gedämmt und Dächer gebaut werden? Und wie beschattet man am besten Fenster und Umgebung? Bei Sanierungen werde der Hitzeschutz künftig ein zentrales Element sein.
Nicht einsperren: Zwingen, im Sommer in den Gebäuden zu bleiben, wolle man im Heim niemanden, so Jenni. Bewohnerinnen und Bewohner sollen Annehmlichkeiten wie im eigenen Haus haben. «Man muss schauen, was die alten Leute wollen. Sie sind hier zu Hause. Sie wollen nicht eingesperrt, sondern in und um das Haus sein.» Draussen seien etwa schattenspendende Bäume oder Sonnensegel möglich. Und: Auch einige ältere Leute hätten gerne hohe Temperaturen.
Wer soll bezahlen? Welche baulichen Massnahmen in einigen Jahren nötig werden, unterscheide sich von Heim zu Heim, findet Viviane Stehrenberger vom Aargauer Gesundheitsverband Vaka. Die Voraussetzungen seien individuell: Ist die Trägerschaft privat oder öffentlich (Gemeinden) und wie ist der Zustand der Gebäude? Die Heime sollen die finanziellen Investitionen selber stemmen können, so Stehrenberger. Dazu müssten aber die Pflegeleistungen angemessen abgegolten werden.
Schnellere Bewilligungen: Thomas Jenni vom Solothurner Verband wünscht sich kürzere Planungsverfahren. «Das kostet den Steuerzahler nichts und würde uns enorm helfen.» Eine finanzielle Beteiligung wäre zwar schön, schnellere Bewilligungen würden aber mehr nützen. Verfahren für Solar- und Kälteanlagen oder der Eingriff in Baumbestände seien Eingriffe in die Ortsplanung. Anpassungen daran seien aufwendig.
Neubau machts vor: Von Anfang an ein zentrales Thema war der Umgang mit Hitze beim Neubau des Pflegeheims Herosé in der Stadt Aarau. Das Heim ist seit März in Betrieb. Der Bau sei gut gedämmt gegen Hitze und Kälte, sagt Leiter Rupert Studer. Das Haus verfügt über automatische Sonnenstoren und eine aktive Belüftung, welche die Temperatur in den Zimmern zwischen 24 und 25 Grad hält. Höchst- und Tiefsttemperatur seien für den Bau garantiert worden.
Keine Klimaanlage: Der Neubau des Pflegeheims Herosé wurde nach dem Minergie-Eco-Standard erstellt. Dieser verbietet Klimaanlagen. Im Aarauer Pflegeheim setzt man dafür auf Fernkälte. So kann kühlere Luft ins Gebäude geblasen werden. Und mit den Röhren der Bodenheizung könnte man weiter kühlen. Zwei Grad zusätzlich seien damit möglich, erklärt Heimleiter Studer. Diesen Sommer habe man diese Möglichkeit aber noch nicht gebraucht. Eine Vorgabe an die Bewohnerinnen und Bewohner gibt es aber auch im Herosé nicht: «Sie können das Fenster selber komplett öffnen», so Studer. Und auch die Sonnenstoren sind individuell steuerbar.