Im Alterszentrum Acherhof in Schwyz wurde vor zwei Jahren nachgerüstet, erzählt Lukas Gisler, Leiter des Geschäftsbereichs Alterszentrum.
«Wir haben ein Gebäude mit grossen Fenstern und entsprechend grossem Wärmeeintrag. Wir haben deshalb sämtliche Aufenthaltsräume im ganzen Haus klimatisiert – mit einer Klimaanlage, wie man sie kennt: mit grossen Propellern auf dem Dach, die die Wärme ableiten.»
Nun ist es in den Aufenthaltsräumen des Zentrums «nur» noch 26 Grad warm. Gleichzeitig gibt es eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, die den Strom für die Klimaanlage produziert.
Kühlen, wenn sowieso Solarstrom entsteht
Genau diese Idee unterstützt GLP-Nationalrat Patrick Hässig: «Über Mittag und an sonnigen Spitzentagen könnten wir die Energie besser nutzen – mit mehr Solaranlagen. Den entstandenen Strom könnte man direkt nutzen, zum Beispiel in Spitälern, Pflegezentren oder Schulen.»
So sollen die Schwächsten der Gesellschaft, also Kinder, Kranke oder eben ältere Personen, besser vor der Hitze geschützt werden. Hässig sieht das als Ergänzung zu Massnahmen wie morgens lüften oder abdunkeln.
Die Idee, Klimaanlagen dann laufen zu lassen, wenn sowieso viel Strom produziert wird, sei grundsätzlich gut, sagt Léonore Hälg, Fachexpertin für erneuerbare Energien bei der Energiestiftung.
«Wenn man den Juni anschaut, sieht man klar, dass über Mittag mehr Strom zur Verfügung steht als beispielsweise in den Abendstunden. Zu viel Strom im Gesamtsystem haben wir zurzeit aber nur während weniger Stunden und immer nur am Wochenende. Aber mit dem Ausbau der Fotovoltaik wird das wahrscheinlich zunehmen», sagt Hälg.
«Die Wärme verschwindet nicht»
Zudem müsse man beachten, dass die Wärme mit Klimaanlagen nicht einfach verschwinde. «Klimaanlagen vernichten die Wärme nicht. Sie tragen sie lediglich von innen nach aussen. Dadurch erwärmt sich die Aussenluft und für alle anderen wird es noch wärmer. Darum sind Klimaanlagen nicht wirklich sinnvoll», sagt Hälg.
Der Verband der Alters- und Pflegeheime sagt, man müsse von Heim zu Heim schauen, was Sinn ergebe. Es bräuchten nicht alle Gebäude dieselben Massnahmen. Bei den ganz alten Häusern mit dicken Steinmauern brauche es weniger als bei schlecht isolierten Bauten aus den 70er- oder 80er-Jahren.
Verband fordert Spielraum
Der Verband sieht allerdings einzelne Kantone und Städte in Zugzwang. So hat zum Beispiel Basel strenge Regeln für den Einbau von Klimaanlagen. Da sieht die Geschäftsführerin des Verbandes, Christina Zweifel, Handlungsbedarf.
«In manchen Kantonen ist die Bewilligungspraxis sehr rigide. Wir wünschen uns, dass stärker auf die spezifischen Rahmenbedingungen eingegangen wird. Denn in bestimmten Fällen kann eine Klimaanlage aus berechtigten Gründen nötig sein, auch wenn sie in anderen Heimen nicht notwendig ist.»
Bei Neubauten werde häufig auch schon vermehrt darauf geachtet, dass beispielsweise mit einer Erdwärmepumpe auch gekühlt werden kann.
Für die aktuelle Hitzewelle heisst es aber für viele Menschen noch: frühmorgens lüften, tagsüber abdunkeln oder sich im Schatten oder im Wasser abkühlen.