Wenn ein neues Haus hindernisfrei gebaut wird oder ältere Gebäude so saniert werden, dass sie nun auch für Personen im Rollstuhl zugänglich sind, dann ist das eine gute Sache. Es nützt den Betroffenen jedoch nichts, wenn sie nichts davon erfahren.
Das Problem: Entsprechende bauliche Verbesserungen werden nicht zentral erfasst und nur selten öffentlich bekannt gemacht. Mit dem Ergebnis, dass Behinderte im Vorfeld einer Reise, eines Ausflugs oder eines blossen Restaurantbesuchs aufwendig recherchieren müssen.
Informationen einfacher zugänglich machen
Procap und Pro Infirmis haben zwar Plattformen lanciert, die hindernisfreie Einrichtungen sichtbar machen. Doch die Daten werden nicht regelmässig aktualisiert: Es gibt keine systematisierten Prozesse, um diese Daten zu erfassen und zugänglich zu machen, obwohl sie in Bau- und Abnahmedokumenten vorhanden wären.
Hier kommen die Hackdays Uri ins Spiel. Diese widmeten sich der Frage, wie der Informationsfluss zu diesem Thema verbessert werden kann.
Ein Augenschein vor Ort in Altdorf. Es ist Ende März, im Zeughaus im Zentrum des Urner Hauptorts treffen sich etwa vierzig Leute zu den Hackdays. Der Grossteil von ihnen ist im Alter zwischen zwanzig und vierzig Jahren. Sie sitzen in kleinen Gruppen an verschiedenen Tischen. Diskutieren, notieren und skizzieren auf Flipcharts, tippen auf ihren Laptops. Die meisten sind IT-Fachleute; es sind Einheimische und Leute, die aus verschiedenen Regionen der Schweiz angereist sind. Organisiert wurden die Hackdays in Altdorf von «Digital Cluster Uri». Der Verein hat zum Ziel, die Digitalisierung im Kanton zu fördern.
Einer der Teilnehmer der Hackdays ist Lionel Bapst. Der Urner Architekt hat mit seiner Eingabe eines der insgesamt zehn Themen für die diesjährigen Hackdays gesetzt. Er kennt die Problematik aus seinem Berufsalltag: «Dass die nötigen Informationen oft aus der Öffentlichkeit verschwinden, darf nicht sein. In Zeiten von KI muss es hier eine bessere Lösung geben.»
Bei vielen Problemstellungen zeige sich, dass das Rad nicht neu erfunden werde müsse, sagt ein anderer Hackday-Teilnehmer. Vielfach könne auf schon bestehende Lösungen aufgebaut werden. Hier etwa sind es Internetplattformen von Procap und Pro Infirmis. Auf diese Seiten ist auch die Arbeitsgruppe von Carmen Gisler gestossen: «Wir denken nun, dass wir viel weiter kommen, als ursprünglich gedacht», sagt die Urnerin, «das ist super.»
Pfannenfertige Lösungen werden an Hackdays nicht erwartet, dafür ist die Zeit zu kurz. Was aber präsentiert werden kann, sind neue Denkansätze oder digitale Möglichkeiten, vorhandene Informationen weiterzuverarbeiten.
Laut Procap, der grössten Schweizer Selbsthilfe- und Mitgliederorganisation für Menschen mit Behinderungen, leben rund 1.9 Millionen Menschen mit Behinderungen im Land. Mehr als 170'000 Menschen haben eine Gehbehinderung oder sind auf einen Rollstuhl angewiesen.