Auf dem Bruderholz oberhalb von Basel öffnet Max Baumann die Türchen der historischen Wetterstation. Im Innern zeigen die Thermometer bereits am Vormittag 27 Grad an. Noch immer werden hier die Messwerte von Hand abgelesen.
Für Baumann ist das mehr als Nostalgie. Der Meteorologische Verein Region Basel führt mit der Station eine Klimamessreihe fort, die bis ins Jahr 1755 zurückreicht.
«Es ist wirklich noch Handwerk mit Thermometer und Regenmesser», sagt Baumann. Die alte Station stehe für den Ursprung der Wetterbeobachtung. Auf dem Gelände der Sternwarte St. Margarethen bei Basel befinden sich zudem Messanlagen von MeteoSchweiz, der EMPA und des Schweizerischen Erdbebendienstes.
Seit 1755 wird in Basel gemessen
Die heutige Wetterstation auf dem Bruderholz besteht seit 1929. In der charakteristischen weissen Messhütte werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit erfasst. Dank ihrer speziellen Bauweise mit Lamellen kann die Luft frei zirkulieren, ohne dass die Instrumente direkt von der Sonne aufgeheizt werden.
Wer die Messreihe anschaut, sieht die Klimaerwärmung schwarz auf weiss.
Die Station führt damit eine Basler Klimamessreihe fort, die bis ins Jahr 1755 zurückreicht und zu den ältesten kontinuierlichen Messreihen Europas zählt.
Die Wetterdaten zeigen einen klaren Trend
Im Büro trägt Baumann die aktuellen Messwerte in seine Aufzeichnungen ein. Dort lagern Wetterdaten aus Jahrzehnten: Temperaturen, Niederschläge und Trockenperioden.
Besonders deutlich zeigt sich die Erwärmung in den letzten Jahrzehnten. Erst kürzlich registrierte die Station mit 39 Grad einen neuen Höchstwert. «Das ist wirklich extrem», sagt Baumann. Für ihn ist die Ursache klar: «Das ist die Klimaerwärmung.» Seit den 1980er-Jahren sei die Durchschnittstemperatur um mehr als zwei Grad gestiegen. «Wer die Messreihe anschaut, sieht die Klimaerwärmung schwarz auf weiss», sagt Baumann.
Auch die Sommer werden trockener
Nicht nur die Temperaturen steigen. «Die Tendenz ist klar vorhanden, dass die Sommer trockener werden», sagt Baumann. Die Beobachtungen decken sich mit den Erkenntnissen der Klimaforschung, wonach Hitzeperioden in der Schweiz häufiger und intensiver werden.
Neben der historischen Wetterstation befindet sich auf dem Bruderholz auch eine moderne Messanlage von MeteoSchweiz. Sie übermittelt ihre Daten automatisch alle zehn Minuten nach Zürich.
39 Grad auf dem Bruderholz bedeuten über 40 Grad in mancher Basler Dachwohnung.
Der Standort ausserhalb der dicht bebauten Stadt wurde bewusst gewählt. Denn Städte heizen sich stärker auf als ihre Umgebung. «Man weiss, dass es in der Stadt etwa zwei Grad wärmer ist als hier oben», sagt Baumann. Werden auf dem Bruderholz 39 Grad gemessen, können die Temperaturen in einer Basler Dachwohnung deutlich über 40 Grad steigen.
Ein Traum bis zum 100-Jahr-Jubiläum
Trotz aller Sorgen um die Klimaentwicklung ist Baumanns Begeisterung für Wetter und Natur ungebrochen. Schon als Kind baute er eigene Wetterstationen. Der heute fast 80-Jährige verbrachte sein Leben in der Natur und bestieg als junger Mann alle Schweizer Viertausender.
Nun hat Baumann noch einen grossen Wunsch: das 100-jährige Bestehen der Wetterstation im Jahr 2029 mitzuerleben. «Wenn es geht, möchte ich das 100-Jahr-Jubiläum der Station noch mitmachen», sagt er. Und so lange wie möglich die Stufen zur Wetterhütte hinaufsteigen.