Das Grün des Burgenrain-Walds in Sissach BL leuchtet. Die kräftige Farbe der Blätter sieht auf den ersten Blick gesund aus. Sie gibt keinen Rückschluss darauf, dass dieses Waldstück im Kanton Basel-Landschaft viel durchgemacht hat.
Zwischen grün und kahl
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Bild 1 von 2. Am einen Ende des Weges grün …. Bildquelle: SRF/Lisa Garberson.
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Bild 2 von 2. … am anderen Ende kahl. Dieser Hang musste im Frühling 2026 gerodet werden. Bildquelle: SRF/Lisa Garberson.
In den vergangenen zwölf Jahren mussten nämlich immer wieder grössere Flächen gerodet werden. Denn: Das heisse Wetter macht dem Wald zu schaffen. Solche Notfällungen stossen bei der Bevölkerung nicht immer auf Verständnis.
Wir wissen, dass es für die Bevölkerung einschneidend ist, wenn ein Waldbestand plötzlich fehlt.
Die Forstbranche stehe aus diesem Grund immer mehr unter öffentlichem Druck, sagt Reto Hänni, stellvertretender Revierförster im Forstrevier Sissach. Sieben Baselbieter Gemeinden gehören zu Hännis Forstgebiet. Es umfasst 1400 Hektar, dies entspricht einer Fläche von rund 2000 Fussballfeldern.
«Wir wissen, dass es für die Bevölkerung einschneidend ist, wenn ein Stück Wald plötzlich fehlt», sagt Reto Hänni. Forststrassen, Waldwege und Kantonsstrassen müssen aber sicher sein. Und wenn das Forstrevier seiner Pflege- und Sicherungsaufgabe im Wald nicht nachkommt, dann schreite der Kanton ein, erklärt Hänni.
Ein besonderes Sorgenkind ist die Buche. Hier sorgen hauptsächlich zwei Faktoren dafür, dass Reto Hänni und sein Team sie fällen müssen. Einer ist die sogenannte Schleimflusskrankheit: Wenn eine Buche schlimm von Schädlingen befallen wird, ist sie anfälliger für Pilze. Diese Pilzkrankheiten stören den Saftstrom im Baum. Die Buchenrinde bekommt schwarze Flecken, die Blätter werden gelb und der Baum stirbt ab.
Auch Buchen können Sonnenbrand bekommen
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Bild 1 von 3. Wenn die Sonne die Rinde verbrennt, ist der Stoffwechsel der Buche gestört, und sie vertrocknet in nur ein bis zwei Jahren. Bildquelle: SRF/Lisa Garberson.
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Bild 2 von 3. Das Forstrevier Sissach musste deshalb im Frühling ein grosses Waldstück roden. Bis zu 250 Kubikmeter Holz wurden entfernt. Bildquelle: SRF/Lisa Garberson.
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Bild 3 von 3. Die 150 Jahre alten Buchen sind mit den heutigen Bedingungen nicht mehr klargekommen. Bildquelle: SRF/Lisa Garberson.
Das andere Problem bei den Buchen ist ein Sonnenbrand. Wenn die Sonne unerbittlich an den Waldrand scheint, verbrennt die Rinde und fällt ab. Der Stoffwechsel der Buche stagniert – und der Baum stirbt.
Den Wald in der Nordwestschweiz trifft der Klimawandel besonders stark. Seit Messbeginn ist die Temperatur hier im Durchschnitt um 3.2 Grad gestiegen. Die Bäume, die heute hier stehen, müssten eigentlich bis zu 600 Höhenmeter höher wachsen können, um die gewohnten Bedingungen zu haben.
Sonne im Sommer – Sturmböen im Winter
Die Natur muss sich also anpassen: Waldränder mit hohen Bäumen bis zum Wegesrand – das wird es in der Zukunft weniger geben. Der Waldrand wird abgestuft. Kleinere Bäume und Sträucher sollen die Stämme der grossen Bäume abschirmen – gegen direkte Sonne im Sommer und gegen Sturmböen im Winter.
Wenn die Sissacher Förster grössere Flächen roden, müssen sie eine bestimmte Anzahl Bäume nachpflanzen, so will es das Gesetz. Die gerodeten Buchen werden durch klimaresistente Arten ersetzt. 500 kleine Bäume wachsen am frisch gerodeten Hang – eine Mischung aus Eichen, Spitzahorn und Kirschbäumen.
Zwischen den kleinen Bäumchen stehen grosse Asthaufen. «Diese bleiben liegen für die Biodiversität. Igel, Füchse und viele weitere Lebewesen gehen gerne in solche Haufen», erklärt Hänni. Früher habe man solche Asthaufen weggeräumt, heute blieben diese liegen – für die Artenvielfalt.
Der Wald, wie wir ihn kennen, wird sich verändern. Gewisse Arten werden verschwinden und neue Arten werden auftauchen. Doch Reto Hänni gibt sich zuversichtlich, dass diese Umstellung im Wald auch viel Raum für Neues bringt – vielleicht sogar für neue Lieblingsbäume.