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Hitzestress im Wald Sonnenbrand bei Bäumen – wann braucht es die Notfällung?

Der Klimawandel trifft die Region Basel hart. Seit Messbeginn ist die Temperatur um über drei Grad gestiegen, und es braucht häufiger Notfällungen.

Das Grün des Burgenrain-Walds in Sissach BL leuchtet. Die kräftige Farbe der Blätter sieht auf den ersten Blick gesund aus. Sie gibt keinen Rückschluss darauf, dass dieses Waldstück im Kanton Basel-Landschaft viel durchgemacht hat.

Zwischen grün und kahl

In den vergangenen zwölf Jahren mussten nämlich immer wieder grössere Flächen gerodet werden. Denn: Das heisse Wetter macht dem Wald zu schaffen. Solche Notfällungen stossen bei der Bevölkerung nicht immer auf Verständnis.

Wir wissen, dass es für die Bevölkerung einschneidend ist, wenn ein Waldbestand plötzlich fehlt.
Autor: Reto Hänni Stellvertretender Betriebsleiter, Forstrevier Sissach BL

Die Forstbranche stehe aus diesem Grund immer mehr unter öffentlichem Druck, sagt Reto Hänni, stellvertretender Revierförster im Forstrevier Sissach. Sieben Baselbieter Gemeinden gehören zu Hännis Forstgebiet. Es umfasst 1400 Hektar, dies entspricht einer Fläche von rund 2000 Fussballfeldern.

Person in orange Hemd hält eine Landkarte mit markierten Gebieten.
Legende: Die Buchen im roten Feld drohten auf Häuser zu stürzen. Im März 2026 wurden sie deshalb gefällt. SRF/Lisa Garberson

«Wir wissen, dass es für die Bevölkerung einschneidend ist, wenn ein Stück Wald plötzlich fehlt», sagt Reto Hänni. Forststrassen, Waldwege und Kantonsstrassen müssen aber sicher sein. Und wenn das Forstrevier seiner Pflege- und Sicherungsaufgabe im Wald nicht nachkommt, dann schreite der Kanton ein, erklärt Hänni.

Ein Mann in einem orangefarbenen Hemd steht im Wald, eine Frau hält ein Foto.
Legende: Reto Hänni erklärt mit einem Foto: Ist die Schleimflusskrankheit weit fortgeschritten, ist das ein Todesurteil für die Buche. SRF/Lisa Garberson

Ein besonderes Sorgenkind ist die Buche. Hier sorgen hauptsächlich zwei Faktoren dafür, dass Reto Hänni und sein Team sie fällen müssen. Einer ist die sogenannte Schleimflusskrankheit: Wenn eine Buche schlimm von Schädlingen befallen wird, ist sie anfälliger für Pilze. Diese Pilzkrankheiten stören den Saftstrom im Baum. Die Buchenrinde bekommt schwarze Flecken, die Blätter werden gelb und der Baum stirbt ab.

Auch Buchen können Sonnenbrand bekommen

Das andere Problem bei den Buchen ist ein Sonnenbrand. Wenn die Sonne unerbittlich an den Waldrand scheint, verbrennt die Rinde und fällt ab. Der Stoffwechsel der Buche stagniert – und der Baum stirbt.

Den Wald in der Nordwestschweiz trifft der Klimawandel besonders stark. Seit Messbeginn ist die Temperatur hier im Durchschnitt um 3.2 Grad gestiegen. Die Bäume, die heute hier stehen, müssten eigentlich bis zu 600 Höhenmeter höher wachsen können, um die gewohnten Bedingungen zu haben.

Sonne im Sommer – Sturmböen im Winter

Die Natur muss sich also anpassen: Waldränder mit hohen Bäumen bis zum Wegesrand – das wird es in der Zukunft weniger geben. Der Waldrand wird abgestuft. Kleinere Bäume und Sträucher sollen die Stämme der grossen Bäume abschirmen – gegen direkte Sonne im Sommer und gegen Sturmböen im Winter.

Mann in orangefarbener Kleidung steht vor einer bewachsenen Böschung neben einem Bagger.
Legende: Förster Reto Hänni vor einer Böschung, die 2014 gerodet wurde. Heute sind hier klimaresistentere Bäume angepflanzt. SRF/Lisa Garberson

Wenn die Sissacher Förster grössere Flächen roden, müssen sie eine bestimmte Anzahl Bäume nachpflanzen, so will es das Gesetz. Die gerodeten Buchen werden durch klimaresistente Arten ersetzt. 500 kleine Bäume wachsen am frisch gerodeten Hang – eine Mischung aus Eichen, Spitzahorn und Kirschbäumen.

Wer bezahlt die Notfällungen?

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Drei Männer stehen vor einer grünen Waldkulisse.
Legende: Förster, Gemeinde und Waldbesitzer arbeiten zusammen v.l.n.r. Förster Reto Hänni, der Waldchef der Gemeinde, Niggi Bärtschi, und Raphael Häner von «Wald beider Basel» SRF/Lisa Garberson

Waldbesitzer oder -besitzerinnen haften für ihren Wald. Wenn jemand zu Schaden kommt, ist der Grundbesitzer schuld.

In Absprache mit dem Förster und der Gemeinde werden die Massnahmen besprochen – und im schlimmsten Fall die Notfällung entschieden.

Ein Forstbetrieb kann sich nicht selbst durch das verkaufte Holz finanzieren, stellt Niggi Bärtschi von der Bürgergemeinde Sissach klar.

Dafür brauche es die öffentliche Hand. Der Wald sei keine Einnahmequelle mehr, sondern ein Ort, den man pflegt und sicher gestalten müsse. Der Kanton Baselland hat eigens dafür ein Budget.

Zwischen den kleinen Bäumchen stehen grosse Asthaufen. «Diese bleiben liegen für die Biodiversität. Igel, Füchse und viele weitere Lebewesen gehen gerne in solche Haufen», erklärt Hänni. Früher habe man solche Asthaufen weggeräumt, heute blieben diese liegen – für die Artenvielfalt.

Der Wald, wie wir ihn kennen, wird sich verändern. Gewisse Arten werden verschwinden und neue Arten werden auftauchen. Doch Reto Hänni gibt sich zuversichtlich, dass diese Umstellung im Wald auch viel Raum für Neues bringt – vielleicht sogar für neue Lieblingsbäume.

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Regionaljournal Basel Baselland, 30.6.2026, 17:30 Uhr ; 

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