Die Sommersaison ist auch die Saison der Hochzeiten. Doch wie verhalte ich mich als Gast an einer Hochzeit? Ein Überblick über Geschenktrends, Dresscodes und Aktivitäten.
Das Geschenk
Immer mehr Brautpaare wollen keine Geschenke zur Hochzeit, wie Andrea Rücker vom Verband Schweizer Hochzeitsdienstleister beobachtet. «Oft verfügt das Brautpaar schon über alles, was es im Haushalt braucht», sagt die Traurednerin.
So ging es etwa dem 52-jährigen Michael, der letztes Jahr geheiratet hat. Er und seine Partnerin haben schliesslich online eine Wunschliste geschaltet. «Am meisten Geld ist für die Hochzeitsreise zusammengekommen», erinnert sich Michael. Sehr gefreut habe er sich auch über persönliche Geschenke, die nicht auf der Liste standen – etwa die Einladung zu einem gemeinsamen Wochenende von einem befreundeten Paar.
-
Bild 1 von 2. «Das schönste Geschenk für das Brautpaar ist, dass man mit den Leuten zusammen sein kann», sagt der 52-jährige Michael. Bildquelle: Getty Images.
-
Bild 2 von 2. «Wir haben uns für ein Fest entschieden, um unsere Familie und Freunde zusammenzubringen», sagt Noemi. Bildquelle: Keystone/CHRISTIAN BEUTLER.
Die 35-jährige Noemi, die im August heiraten wird, fühlt sich überfordert, wenn ihr Umfeld sie nach Geschenkwünschen fragt. Sie und ihr Partner freuen sich, wenn Gäste zum Fest beitragen. «Wir feiern keine traditionelle Hochzeit, sondern machen viel selbst – deshalb ist es das grösste Geschenk, wenn Leute engagiert mithelfen», sagt sie.
Die Geldsumme
Wie viel ist genug und wie viel ist zu viel? Laut Traurednerin Andrea Rücker gibt es die Idee, dass Gäste so viel schenken, wie sie selbst kosten. Als Regel kenne sie das aber vor allem bei italienischen Hochzeiten. «Da kann man schon davon ausgehen, dass jede Person 100 Franken schenkt», sagt Rücker. In der Schweiz spiele eher eine Rolle, wie nahe man dem Brautpaar sei.
Michael hat an seiner Hochzeit zwischen 150 und 400 Franken pro Gästepaar erhalten. Ein Ausnahmebetrag war jener von 2000 Franken. «Das ist wirklich ein grosser Betrag, mit dem wir nicht gerechnet haben und der aus der Familie gekommen ist», sagt Michael. Für ihn spielt auch die Nähe zum Gast eine Rolle und ob dieser nur an den Apéro oder ans ganze Fest eingeladen war.
«Tendenziell ist es schon so, dass wir mehr Geld ausgegeben als geschenkt erhalten haben. Aber ich finde, unter Freunden und Familie sollte man diese Rechnung nicht machen. Wir wollten mit ihnen zusammen sein und gefeiert werden», sagt er.
Der Dresscode
Für Traurednerin Andrea Rücker ist wichtig, dass die Kleidung an einer Hochzeit einen festlichen Charakter hat. «Es geht darum, dass man sich als Gast bewusst ist, dass es eine Ehre ist, bei einer Hochzeit eingeladen zu sein», sagt sie.
Für Michael ist es eine Frage der Kommunikation des Brautpaars. «Es geht niemand gern under- oder overdressed an eine Hochzeit. Unser Credo war: Es soll feierlich, aber bequem sein», sagt der 52-Jährige. Zudem wurden die Gäste angehalten, Schuhe mitzubringen, in denen sie tanzen können.
Gutes Schuhwerk wird auch bei Noemis Hochzeit wichtig sein, denn die Zeremonie findet am Waldrand mit Fussmarsch dahin statt. «Wir wollten keine Kleidervorschriften machen», sagt sie. «Mein Bedürfnis ist vor allem, dass sich die Leute wohl fühlen.»
Die Aktivitäten
Spiele und Aktivitäten sollten am besten mit dem Brautpaar oder den Trauzeugen abgesprochen werden. Laut Verband der Schweizer Hochzeitsdienstleister wollen viele Brautpaare keine Überraschungen bei der Hochzeit. «Viele schreiben das schon bei der Einladung», sagt Rücker.
Bei Noemi und ihrem Partner koordiniert die Trauzeugin. «Ich habe Lust auf Überraschungen. Wenn Leute etwas anbieten, wird das bunt», sagt sie. «Bei gewissen Spielen – wie zum Beispiel dem Brautraub – haben wir aber sehr bewusst gesagt, dass wir das auf keinen Fall wollen.»