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Hochzeitssaison Geschenke und Dresscode – Hochzeitsetikette für Gäste

Die Sommersaison ist auch die Saison der Hochzeiten. Doch wie verhalte ich mich als Gast an einer Hochzeit? Ein Überblick über Geschenktrends, Dresscodes und Aktivitäten.

Das Geschenk

Immer mehr Brautpaare wollen keine Geschenke zur Hochzeit, wie Andrea Rücker vom Verband Schweizer Hochzeitsdienstleister beobachtet. «Oft verfügt das Brautpaar schon über alles, was es im Haushalt braucht», sagt die Traurednerin.

«Destination Weddings» im Trend

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Laut Traurednerin Rücker, die schon rund 150 Hochzeiten begleitet hat, sind sogenannte «Destination Weddings» in der Schweiz hoch im Trend. Das heisst, dass die Hochzeit an einem Ort gefeiert wird, an den das Brautpaar und die Gäste reisen. «Sehr in ist etwa die Toskana», sagt Rücker.

Dieser Wunsch stamme von Instagram, wo es Bilder gebe von langen Tafeln mit Pinienbäumen im Hintergrund oder von Hochzeiten am Strand. «Da wird dann auch auf Geschenke verzichtet, weil das Paar sagt: Es reicht, wenn ihr anreist», sagt Rücker. Eine Glückwunschkarte reiche in so einem Fall.

So ging es etwa dem 52-jährigen Michael, der letztes Jahr geheiratet hat. Er und seine Partnerin haben schliesslich online eine Wunschliste geschaltet. «Am meisten Geld ist für die Hochzeitsreise zusammengekommen», erinnert sich Michael. Sehr gefreut habe er sich auch über persönliche Geschenke, die nicht auf der Liste standen – etwa die Einladung zu einem gemeinsamen Wochenende von einem befreundeten Paar.

Die 35-jährige Noemi, die im August heiraten wird, fühlt sich überfordert, wenn ihr Umfeld sie nach Geschenkwünschen fragt. Sie und ihr Partner freuen sich, wenn Gäste zum Fest beitragen. «Wir feiern keine traditionelle Hochzeit, sondern machen viel selbst – deshalb ist es das grösste Geschenk, wenn Leute engagiert mithelfen», sagt sie.

Die Geldsumme

Wie viel ist genug und wie viel ist zu viel? Laut Traurednerin Andrea Rücker gibt es die Idee, dass Gäste so viel schenken, wie sie selbst kosten. Als Regel kenne sie das aber vor allem bei italienischen Hochzeiten. «Da kann man schon davon ausgehen, dass jede Person 100 Franken schenkt», sagt Rücker. In der Schweiz spiele eher eine Rolle, wie nahe man dem Brautpaar sei.

Die Frage der Verpackung

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An Hochzeiten gibt es meist keine grossen Tafeln mehr, wo Geschenke deponiert werden können. «Es gibt vielleicht eine kleine Briefbox, wo Gäste ihre Glückwünsche schreiben und das Geld beifügen, sagt Rücker. Auch verpackte Geldgeschenke kämen noch vor. «Aber das ist vielleicht eher eine Generationenfrage», sagt sie. Vor allem bei der älteren Generation sei das noch üblich.

Sie findet es schön, wenn in der Karte Bezug zum Brautpaar genommen wird und die Beziehung im Vordergrund steht. «Eine Hochzeit ist nicht nur eine Verbindung zwischen zwei Menschen, sondern auch zwischen einer Gemeinschaft», sagt Rücker.

Auch für Noemi sind die Geschenke eine Bestärkung für die Beziehung. «Die Übergabe kann sehr individuell und auf die Beziehung abgestimmt werden. Jede Übergabe ist in Ordnung. Ich habe keine vorgefertigten Vorstellungen.»

Michael hat an seiner Hochzeit zwischen 150 und 400 Franken pro Gästepaar erhalten. Ein Ausnahmebetrag war jener von 2000 Franken. «Das ist wirklich ein grosser Betrag, mit dem wir nicht gerechnet haben und der aus der Familie gekommen ist», sagt Michael. Für ihn spielt auch die Nähe zum Gast eine Rolle und ob dieser nur an den Apéro oder ans ganze Fest eingeladen war.

Tipps für Hochzeitsgäste

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Drei Personen lehnen sich an ein Geländer mit lila Kissen.
Legende: Kein unangebrachtes Verhalten an einer Hochzeit, sondern Promi-Interesse: Diese drei Personen haben 2018 die Liveübertragung der Hochzeit des britischen Prinzen Harry und Meghan Markle verfolgt. Keystone/GREGOR FISCHER

Folgende Wünsche und No-Gos wurden von der Traurednerin Andrea Rücker, dem verheirateten Michael und der bald verheirateten Noemi erwähnt:

Dos

  • Sich mit dem Brautpaar freuen
  • Über Sachen hinwegschauen, die einem nicht passen
  • Klatschen und jubeln
  • Handy auf die Seite legen
  • Aktivitäten mit dem Brautpaar oder Trauzeugen absprechen
  • Sich feierlich kleiden

Don'ts

  • Der Fotografin oder dem Fotografen im Weg stehen
  • Mit Flipflops und Shorts auftauchen (ausser wenn vom Brautpaar gewünscht)
  • Zu viel Alkohol trinken und ungefragt Reden schwingen

«Tendenziell ist es schon so, dass wir mehr Geld ausgegeben als geschenkt erhalten haben. Aber ich finde, unter Freunden und Familie sollte man diese Rechnung nicht machen. Wir wollten mit ihnen zusammen sein und gefeiert werden», sagt er.

Der Dresscode

Für Traurednerin Andrea Rücker ist wichtig, dass die Kleidung an einer Hochzeit einen festlichen Charakter hat. «Es geht darum, dass man sich als Gast bewusst ist, dass es eine Ehre ist, bei einer Hochzeit eingeladen zu sein», sagt sie.

Nahaufnahme von zwei Personen, eine im Brautkleid mit Turnschuhen, die andere in Jeans mit eleganten Schuhen.
Legende: Andrea Rücker hat schon erlebt, dass Gäste mit Flipflops und in Shorts aufgetaucht sind. «Da hat man wirklich eher das Gefühl, sie gehen in die Badi als zu einer Hochzeit», sagt sie. Getty Images

Für Michael ist es eine Frage der Kommunikation des Brautpaars. «Es geht niemand gern under- oder overdressed an eine Hochzeit. Unser Credo war: Es soll feierlich, aber bequem sein», sagt der 52-Jährige. Zudem wurden die Gäste angehalten, Schuhe mitzubringen, in denen sie tanzen können.

Hochzeit im Winter? Umdenken wegen Klima

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Für Andrea Rücker ist wichtig, dass das Brautpaar bei der Organisation der Hochzeit an die Gäste denkt. Sie begleitet seit über zehn Jahren Hochzeiten. Seit ungefähr drei Jahren beobachtet sie, dass es im Sommer an Hochzeiten immer heisser wird und damit auch Probleme einhergehen.

«Einmal ist eine ältere Person während der Zeremonie vor Hitze umgefallen», sagt Rücker. Sie habe auch schon erlebt, dass Kameras überhitzt seien. «Bei Hochzeiten gibt es keine zweite Chance für das Kussfoto. Der Klimawandel fordert uns heraus», sagt sie.

Die Traurednerin fordert deshalb ein Umdenken. Es sei auch möglich, am Morgen um neun Uhr oder abends zu heiraten. Die Hochzeit müsse zudem nicht im Hochsommer stattfinden, sondern könne auch einmal für den Winter geplant werden.

«Man darf sich als Hochzeitspaar auch andere Konzepte überlegen. Da wären auch viele Hochzeitsdienstleister froh», sagt Rücker. Sie selbst liest ihre Reden nun vom E-Reader statt vom iPad.

Gutes Schuhwerk wird auch bei Noemis Hochzeit wichtig sein, denn die Zeremonie findet am Waldrand mit Fussmarsch dahin statt. «Wir wollten keine Kleidervorschriften machen», sagt sie. «Mein Bedürfnis ist vor allem, dass sich die Leute wohl fühlen.»

Die Aktivitäten

Spiele und Aktivitäten sollten am besten mit dem Brautpaar oder den Trauzeugen abgesprochen werden. Laut Verband der Schweizer Hochzeitsdienstleister wollen viele Brautpaare keine Überraschungen bei der Hochzeit. «Viele schreiben das schon bei der Einladung», sagt Rücker.

Tischfussballfiguren als Brautpaare verkleidet auf einem Spielfeld.
Legende: Traurednerin Rücker findet: «Wenn ein Fest immer wieder unterbrochen wird, dann kann es irgendwann zu viel werden und die Stimmung dämpfen.» Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

Bei Noemi und ihrem Partner koordiniert die Trauzeugin. «Ich habe Lust auf Überraschungen. Wenn Leute etwas anbieten, wird das bunt», sagt sie. «Bei gewissen Spielen – wie zum Beispiel dem Brautraub – haben wir aber sehr bewusst gesagt, dass wir das auf keinen Fall wollen.»

SRF 4 News, 3.7.2026, 7:26 Uhr

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