Sie heissen «Black Axe», «Supreme Eiye» oder «Vikings» – die Rede ist von nigerianischen Verbrechersyndikaten. Lange flogen diese Banden in der Schweiz unter dem Radar, jetzt aber geraten sie stärker ins Visier der Behörden. Bei einem Polizeieinsatz im April in Zürich haben Ermittler mutmassliche Mitglieder der Gruppierung Black Axe verhaftet. SRF-Inlandredaktor Philipp Schrämmli hat sich mit diesen nigerianischen Netzwerken auseinandergesetzt.
Auf welche Delikte sind die nigerianischen Gruppen spezialisiert?
Diese Banden, oder Bruderschaften, wie sie sich nennen, sind in verschiedenen Deliktsbereichen aktiv. Dazu zählen Drogenhandel, Geldwäscherei oder Menschenhandel. An Bedeutung gewonnen hat in den letzten Jahren aber insbesondere der Onlinebetrug, etwa in Form von «Romance Scams». Dabei täuschen die Täter ihren Opfern eine Liebesbeziehung vor, um sie finanziell auszunehmen. Auch die Zürcher Polizeiaktion richtete sich gegen mutmassliche Cyberbetrüger. Den Verhafteten werden Delikte mit Schäden in Millionenhöhe vorgeworfen.
Wie präsent sind diese nigerianischen Bruderschaften heute in der Schweiz?
Die Szene ist in der Schweiz vergleichsweise klein. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) schätzt, dass rund 250 Personen den verschiedenen nigerianischen Bruderschaften zuzuordnen sind. Europaweit sind es mehrere Tausend, weltweit rund 30'000 Mitglieder. Schwerpunkte in der Schweiz liegen in Genf, der Waadt und Zürich. Während in Zürich vor allem die Bruderschaft Black Axe präsent ist, dominieren in der Westschweiz andere Gruppierungen.
Wie sind sie in die Schweiz gekommen?
Die nigerianischen Bruderschaften gelangten in mehreren Zeiträumen in die Schweiz. Ein Teil ihrer Mitglieder, insbesondere aus dem Umfeld von Black Axe, wanderte bereits in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren ein. In den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren folgte mit den Migrationsbewegungen von Afrika nach Europa eine weitere Phase, in der zusätzliche Mitglieder verschiedener Bruderschaften in die Schweiz kamen. Dadurch hat die Szene eine Grösse erreicht, die für die Strafverfolgungsbehörden relevant geworden ist. Entsprechend beobachten Fedpol und die kantonalen Polizeikorps diese Gruppierungen heute deutlich intensiver.
Die Operation «Jackal»
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Bild 1 von 3. Dieses Bild ist am Morgen des 14. Mai 2024 in Lausanne entstanden. Koordiniert von Interpol haben Polizeien auf der ganzen Welt die Operation «Jackal» durchgeführt. Im Fokus der Ermittler: westafrikanische Banden wie die nigerianischen Bruderschaften. Bildquelle: ZVG Fedpol.
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Bild 2 von 3. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden die Waadtländer Ermittler damals Drogen, die in verschiedenen Lebensmittelverpackungen versteckt waren …. Bildquelle: ZVG / Fedpol.
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Bild 3 von 3. … und sie stellten auch Bargeld sicher, in der Höhe von fast 50'000 Franken. Bildquelle: ZVG / Fedpol.
Wie gut sind diese Bruderschaften organisiert?
Die Bruderschaften verfügen über eine ausgeprägte Organisationsstruktur. Sie teilen die Welt in verschiedene Regionen und Zonen auf, denen jeweils eigene Führungspersonen zugeordnet sind. Auch die Schweiz gilt innerhalb dieses Systems als eigenständige Zone. Trotz organisatorischer Ähnlichkeiten arbeiten die einzelnen Bruderschaften nicht zusammen – im Gegenteil: Zwischen ihnen bestehen teils erhebliche Rivalitäten. In den vergangenen Jahren kam es deshalb auch in der Schweiz zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, insbesondere in Lausanne und Genf.
Wie gefährlich sind Black Axe und Co. für die Schweiz?
Für die öffentliche Sicherheit stellen diese Bruderschaften derzeit kein gravierendes Problem dar. Ihre grösste Gefahr liegt aktuell vor allem in Bereichen wie Onlinebetrug, Geldwäscherei oder anderen Formen der Wirtschaftskriminalität. Gerade bei Betrugsmaschen wie dem erwähnten Romance Scam kann potenziell jede Person in der Schweiz zum Opfer werden. Die Schäden gehen teilweise in die Millionen. Entsprechend haben die Strafverfolgungsbehörden ein grosses Interesse daran, die Aktivitäten dieser Netzwerke möglichst früh zu erkennen und einzudämmen.