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Im Visier der Polizei Wie nigerianische Verbrecherbanden in der Schweiz operieren

Sie heissen «Black Axe», «Supreme Eiye» oder «Vikings» – die Rede ist von nigerianischen Verbrechersyndikaten. Lange flogen diese Banden in der Schweiz unter dem Radar, jetzt aber geraten sie stärker ins Visier der Behörden. Bei einem Polizeieinsatz im April in Zürich haben Ermittler mutmassliche Mitglieder der Gruppierung Black Axe verhaftet. SRF-Inlandredaktor Philipp Schrämmli hat sich mit diesen nigerianischen Netzwerken auseinandergesetzt.

Philipp Schrämmli

Inlandredaktor

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Philipp Schrämmli ist Inlandredaktor und arbeitet seit 2017 für Radio SRF. Er studierte an der Universität Basel Philosophie und Rechtswissenschaften. Seine Fachgebiete sind Gesellschaft, Justiz, Extremismus, Medien und Sportpolitik.

Auf welche Delikte sind die nigerianischen Gruppen spezialisiert?

Diese Banden, oder Bruderschaften, wie sie sich nennen, sind in verschiedenen Deliktsbereichen aktiv. Dazu zählen Drogenhandel, Geldwäscherei oder Menschenhandel. An Bedeutung gewonnen hat in den letzten Jahren aber insbesondere der Onlinebetrug, etwa in Form von «Romance Scams». Dabei täuschen die Täter ihren Opfern eine Liebesbeziehung vor, um sie finanziell auszunehmen. Auch die Zürcher Polizeiaktion richtete sich gegen mutmassliche Cyberbetrüger. Den Verhafteten werden Delikte mit Schäden in Millionenhöhe vorgeworfen.

Kann man diese Banden mit der Mafia vergleichen?

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Es gibt Parallelen: In beiden Fällen handelt es sich um Formen der organisierten Kriminalität mit klaren Hierarchien und internationaler Vernetzung.

Die Unterschiede liegen vor allem in der Entstehungsgeschichte. Während die italienischen Mafiaorganisationen aus Familienverbänden hervorgingen, waren die nigerianischen Gruppierungen ursprünglich studentische Bruderschaften. Diese entstanden in den 1950er- und 1960er-Jahren mit politischen und gesellschaftlichen Idealen, entwickelten sich ab den 1980er-Jahren jedoch zunehmend zu kriminellen Organisationen.

Heute sind sie weltweit präsent und in vielerlei Hinsicht ähnlich strukturiert wie klassische Mafia-Netzwerke.

Wie präsent sind diese nigerianischen Bruderschaften heute in der Schweiz?

Die Szene ist in der Schweiz vergleichsweise klein. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) schätzt, dass rund 250 Personen den verschiedenen nigerianischen Bruderschaften zuzuordnen sind. Europaweit sind es mehrere Tausend, weltweit rund 30'000 Mitglieder. Schwerpunkte in der Schweiz liegen in Genf, der Waadt und Zürich. Während in Zürich vor allem die Bruderschaft Black Axe präsent ist, dominieren in der Westschweiz andere Gruppierungen.

Wie sind sie in die Schweiz gekommen?

Die nigerianischen Bruderschaften gelangten in mehreren Zeiträumen in die Schweiz. Ein Teil ihrer Mitglieder, insbesondere aus dem Umfeld von Black Axe, wanderte bereits in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren ein. In den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren folgte mit den Migrationsbewegungen von Afrika nach Europa eine weitere Phase, in der zusätzliche Mitglieder verschiedener Bruderschaften in die Schweiz kamen. Dadurch hat die Szene eine Grösse erreicht, die für die Strafverfolgungsbehörden relevant geworden ist. Entsprechend beobachten Fedpol und die kantonalen Polizeikorps diese Gruppierungen heute deutlich intensiver.

Die Operation «Jackal»

Wie gut sind diese Bruderschaften organisiert?

Die Bruderschaften verfügen über eine ausgeprägte Organisationsstruktur. Sie teilen die Welt in verschiedene Regionen und Zonen auf, denen jeweils eigene Führungspersonen zugeordnet sind. Auch die Schweiz gilt innerhalb dieses Systems als eigenständige Zone. Trotz organisatorischer Ähnlichkeiten arbeiten die einzelnen Bruderschaften nicht zusammen – im Gegenteil: Zwischen ihnen bestehen teils erhebliche Rivalitäten. In den vergangenen Jahren kam es deshalb auch in der Schweiz zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, insbesondere in Lausanne und Genf.

Wie gefährlich sind Black Axe und Co. für die Schweiz?

Für die öffentliche Sicherheit stellen diese Bruderschaften derzeit kein gravierendes Problem dar. Ihre grösste Gefahr liegt aktuell vor allem in Bereichen wie Onlinebetrug, Geldwäscherei oder anderen Formen der Wirtschaftskriminalität. Gerade bei Betrugsmaschen wie dem erwähnten Romance Scam kann potenziell jede Person in der Schweiz zum Opfer werden. Die Schäden gehen teilweise in die Millionen. Entsprechend haben die Strafverfolgungsbehörden ein grosses Interesse daran, die Aktivitäten dieser Netzwerke möglichst früh zu erkennen und einzudämmen.

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Rendez-Vous, 19.6.2026, 12.30 Uhr ; 

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