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IT-Mängel bei Arbeitslosengeld Über diese IT-Projekte ist der Bund schon gestolpert

Beim Bund hat eine IT-Umstellung nicht wunschgemäss geklappt. Es ist nicht das erste Mal, dass der Bund bei IT-Projekten Probleme hat. Hier sind fünf missratene oder in der Kritik stehende Projekte im Überblick.

«Job-Room» – IT für Arbeitslosengelder

Die vom Bund betriebene Jobplattform Job-Room.ch  war zeitweise nicht funktionsfähig – mit potenziellen Folgen für die Auszahlung von Arbeitslosengeldern, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. Betroffen war ein Grossteil der rund 145'000 Arbeitslosen in der Schweiz, die für ihre Taggelder Dokumente hochladen müssen.

Auslöser ist offenbar die Umstellung auf das IT-System Asal 2, das von allen 33 Arbeitslosenkassen für die Auszahlung der Taggelder genutzt wird. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat Asal 2 um den Jahreswechsel eingeführt. Die Umstellung hätte bis zum 6. Januar abgeschlossen sein sollen.

Mitarbeitende von Arbeitslosenkassen frustriert

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Mitarbeitende von Arbeitslosenkassen zeigten sich gegenüber dem «Tages-Anzeiger» zunehmend frustriert. Unter Wahrung ihrer Anonymität erzählten sie der Zeitung, dass die durchschnittliche Wartezeit bei Anrufern rund eine Stunde betragen habe. Zwei Personen hätten sich sogar aus Notunterkünften gemeldet, weil sie ihre Wohnungen verloren hätten, nachdem sie im Dezember die Miete nicht hätten bezahlen können.

In einem Schreiben der Unia, der grössten Arbeitslosenkasse in der Schweiz, an die Mitarbeitenden ist von «der wohl grössten Krise bei einer Informatik­system­umstellung in der Arbeitslosenversicherung» die Rede, wie die Zeitung schreibt. Technische Probleme existierten bereits seit mehreren Wochen.

Gemäss dem Seco sind die Probleme inzwischen behoben. Gerüchte um einen Cyberangriff wurden vom Bundesamt für Cybersicherheit klar dementiert.

Finanzkontrolle rügte den Bund mehrfach

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Die Eidgenössische Finanzkontrolle rügte im Sommer 2025 anhand von über 80 Untersuchungsberichten aus den vergangenen vier Jahren die Bundesverwaltung wegen ihrer IT-Strategie. Die Behörden würden Projekte unterschätzen und Software beschaffen, ohne zu klären, ob es diese wirklich brauche.

Der Bund kennt im Moment 22 Schlüsselprojekte, mit denen die Bundesverwaltung digitalisiert werden soll. Fast die Hälfte führt das Verteidigungsdepartement VBS und betreffen mehrheitlich die Schweizer Armee. Die Finanzkontrolle kritisierte auch sieben Armeeprojekte – im Umfang von 19 Milliarden Franken.

«Insieme» – Steuerprojekt

Mit dem Projekt «Insieme» wollte die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) ihre bisherigen Informatiksysteme ersetzen und vereinheitlichen. Doch dann brachte eine Untersuchung vom Sommer 2012 schwere Verstösse gegen das Beschaffungsrecht ans Licht. Das Projekt lief finanziell aus dem Ruder: Für das Informatikprojekt waren 70 Millionen Franken veranschlagt, 116 Millionen soll es schliesslich verschlungen haben. Die damalige Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf stellte den ESTV-Direktoren frei. Drei Monate später zog sie dem Projekt den Stecker.

«C2Air» – Luftraumsicherung

SRF deckte im Oktober 2024 auf, dass das von der Armee eingekaufte neue System zur Überwachung des Luftraums und zur Leitung von Kampfjets auf Eis liegt. Gedacht war das 300-Millionen-Projekt, um das seit über 20 Jahre alte Vorgängersystem zu ersetzen. Das Projekt ist mehrere Jahre in Verzug und kostet über 150 Millionen Franken mehr.

Nach viel Negativschlagzeilen rund um mehrere Armee-Grossprojekte verteidigten die damalige Verteidigungsministerin Viola Amherd und Armeechef Thomas Süssli die Projekte an einer Medienkonferenz und betonten, dass der Grossteil der Projekte gut laufe. Später reichten beide ihren Rücktritt ein.

«ERP Systeme V/ar» – Armeelogistik

Die neue Software, die die Logistik der Armee steuern soll – also von Nahrungsmitteleinkauf über persönliche Ausrüstung bis hin zu Waffen, Munition, Panzer oder Benzin – macht Probleme, wie SRF im Oktober 2024 berichtete. Der Bundesrat hatte eine spezifische Lösung der Firma SAP für den militärischen Einsatz vorgeschlagen, das Parlament bewilligte dafür vor vier Jahren 240 Millionen Franken. Doch die Software wird nicht vollständig eingeführt und Teile davon werden in ein neues Projekt übergehen.

«ADS-15» – Drohnenkauf

Das in Israel bestellte Drohnen-Aufklärungssystem ADS-15 verspätet sich um Jahre und ist in Schieflage. Das Verteidigungsdepartement hatte letzten September entschieden, das Projekt zusammenzustutzen. An den sechs Drohnen wird weiterhin festgehalten, bei der Ausstattung aber gespart. Die Kosten belaufen sich auf 300 Millionen Franken.

Echo der Zeit, 26.01.2026, 18:00 Uhr ; 

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