Sie führen Betriebe allein oder gemeinsam mit ihren Partnern, arbeiten auf dem Bauernhof, im Haushalt, erziehen Kinder, betreuen Angehörige, engagieren sich politisch oder gehen zusätzlich einer Erwerbstätigkeit ausserhalb des Hofes nach. Frauen in der Landwirtschaft waren lange das Rückgrat im Hintergrund – heute werden sie sichtbarer, selbstbewusster und stärker.
Noch immer sehen viele Bäuerinnen ihre Aufgabe in einer traditionellen Rollenverteilung. Doch dieses Bild gerät in Bewegung. Eine im Jahr 2022 durchgeführte Umfrage des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) zeigt: Das Selbstverständnis der Frauen verändert sich.
Umso bedeutsamer ist es, dass die UNO das Jahr 2026 als internationales Jahr der Landwirtinnen erklärt hat. Ziel ist es unter anderem, die zentrale Rolle von Frauen in der Landwirtschaft sichtbar zu machen und ihre Leistungen für Ernährungssicherheit und ländliche Entwicklung zu würdigen.
Am Küchentisch wird über die Arbeit gesprochen.
Doch mit der wachsenden Verantwortung steigen auch die Herausforderungen. Arbeit und Familie lassen sich kaum trennen, wie Ricarda Caderas, selbst Landwirtin und Leiterin eines Gesprächskreises in Chur, beschreibt: «Am Küchentisch redet man über die Arbeit – Familie und Arbeit fliessen ineinander.»
«Druck wird immer grösser»
Genau da setzen Gesprächskreise für Frauen aus der Landwirtschaft an. Sie bieten einen geschützten Raum, um gehört zu werden, sich verstanden zu fühlen und gemeinsam Lösungsansätze für den Alltag zu entwickeln.
Stephanie Zaugg, Bäuerin im Albulatal GR und nebenbei Psychiatrie-Fachfrau, hat an einem solchen Gesprächskreis teilgenommen. Für sie war es ein bewusster Schritt, sich anzumelden. «Es braucht Überwindung», sagt sie. «Aber es tut gut, zu merken, dass andere Frauen dieselben Themen beschäftigen.» Der Gesprächskreis habe ihr geholfen, bewusster mit den verschiedenen Rollen umzugehen. «Mir wurde klar, wo ich mich besser abgrenzen muss, damit es mir gut geht», sagt Zaugg.
In der Landwirtschaft gibt es nicht viele Möglichkeiten, sich mit anderen Frauen auszutauschen.
Gerade dieser Austausch sei im bäuerlichen Alltag selten, betont Zaugg. «In der Landwirtschaft gibt es nicht viele Möglichkeiten, sich mit anderen Frauen auszutauschen», sagt sie.
Landwirtin Ricarda Caderas beobachtet zudem eine positive Entwicklung in den Betrieben: «Ich sehe klar die Tendenz zu mehr Miteinander», sagt sie. «Betriebe werden gemeinsam geführt, Entscheidungen zusammen getroffen – auch finanzielle.» Damit werde deutlich, wie Frauen zunehmend die Landwirtschaft mitgestalten.