Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Kabelbrand bei Lausanne Wie kann eine Pyro massive Störungen im Bahnnetz verursachen?

Ein Fussballfan wirft eine Pyro aus dem Fenster und trifft wichtige Kabel – eine Verkettung folgenschwerer Umstände.

Was ist passiert? Es geschah am Sonntagabend nach dem Genfersee-Derby zwischen Lausanne-Sport und Servette FC in der Nähe des Bahnhofs Lausanne. Ersten Untersuchungen zufolge hat ein Fussball-Fan im Sonderzug nach Genf eine Petarde aus dem Fenster geworfen. Die Pyro soll daraufhin 40 Kabel mit jeweils Dutzenden von Drähten in Brand gesetzt haben. Obwohl das Feuer rasch gelöscht wurde, hat der Vorfall massive Störungen im Zugverkehr ausgelöst. Zwischen Lausanne und Prilly-Malley ging zeitweise nichts mehr. Zahlreiche Züge fielen aus oder verspäteten sich. Über Nacht wurde ein Krisenstab eingerichtet, 30 Ersatzbusse mobilisiert und der Waadtländer Zivilschutz aufgeboten, um die Pendlerinnen und Pendler am frühen Morgen zu lenken. Es habe keine grösseren Staus gegeben.

Wie lange dauern die Einschränkungen noch? Inzwischen fahren vereinzelt wieder Züge auf der unterbrochenen Strecke zwischen Lausanne und Prilly-Malley. Die Reparaturarbeiten laufen auf Hochtouren. Die Zahl der Verbindungen dürfte schrittweise steigen. Ab Mittwoch soll der dortige Bahnverkehr einigermassen normal funktionieren. Bis alle Einschränkungen behoben sind, dürfte es allerdings Donnerstag werden. «Derzeit können wir noch keine Prognose für die Wiederherstellung der Strecke abgeben», erklärte David Fattebert, Regionaldirektor der SBB für die Westschweiz, vor den Medien am Vormittag. Normalerweise nutzen etwa 90’000 Personen die Strecke täglich.

War es «Vandalismus»? Am Sonntagabend gegen 20:20 Uhr hat laut der SBB ein Zug mit 750 Servette-Fans den Bahnhof Richtung Genf verlassen. Rund 25 Minuten später sei der Kabelbrand ausgebrochen. Die SBB kommt zum Schluss, dass eine aus dem Zug geworfene Petarde den Kabelbrand ausgelöst hat. Man habe den entsprechenden Feuerwerkskörper in der Nähe des Kabelbrandes entdeckt, so die SBB. Weiteres Feuerwerk soll im Zug selbst gezündet worden sein. Die Kabel waren aufgrund von Bauarbeiten ausnahmsweise an der Oberfläche. Ausserdem waren die Waggons, die die teils zerstörungswilligen Fussballfans benutzten, schon in die Jahre gekommen. Deshalb hätten die Fans die Fenster öffnen können, so Fattebert. «Es handelt sich um einen wirklich bedauerlichen Akt von Vandalismus und Leichtsinn», sagt Fattebert weiter. Eine Anzeige wurde erstattet. Die Spurensicherung war vor Ort. Für die SBB ist es aktuell noch zu früh, die Kosten abzuschätzen. Der Servette FC verurteilte den Vorfall «auf das Schärfste» und will mit der SBB und den zuständigen Behörden zusammenarbeiten.

Ist die Bahninfrastruktur ausreichend geschützt? Leonard Schliesser ist Sicherheitsexperte und forscht zu grossflächigen Ausfällen wie Blackouts am Center for Security Studies an der ETH Zürich. Er sagt, Bahninfrastruktur sei nicht anfälliger als andere Infrastrukturen. Aber sie sei in der Schweiz sehr ausgelastet. Zudem sei das Bahnnetz nicht durchgehend zu überwachen, womit es ausserhalb von Knotenpunkten wie Bahnhöfen anfällig für Sabotage, Unfälle oder Naturereignisse sei. Doch müsste man das Bahnnetz trotzdem besser schützen? Klar könne man mehr Schutz oder mehr Überwachung fordern, sagt Schliesser. Das sei aber immer mit Kosten verbunden und sei ein politischer Aushandlungsprozess. «Aber letztendlich wird es keine absolute Sicherheit geben», bilanziert Schliesser.

Das fordern nationale Verkehrspolitiker

Box aufklappen Box zuklappen

Die SBB warnt schon seit Langem vor unangemessenem Verhalten von Fans, die mit Sonderzügen unterwegs sind. Es sei Aufgabe des Gesetzgebers, endlich Massnahmen zu ergreifen, sagte SBB-Westschweiz-Direktor Fattebert. Strafanzeigen führten nur selten zu Sanktionen.

Doch der Luzerner SP-Verkehrspolitiker David Roth empfiehlt, nicht den Einzelfall, sondern den grösseren Kontext zu betrachten. «Wir haben eine veränderte Bedrohungslage in Europa, nicht aufgrund von Pyrowürfen, sondern vor allem aufgrund von Sabotageakten.» Vor diesem Hintergrund bestehe Handlungsbedarf.

Der Aargauer SVP-Nationalrat Benjamin Giezendanner sieht das anders. Zwar habe man die Bahninfrastruktur mehrheitlich gut geschützt. Doch es gebe Nadelöhre bei Lausanne oder zwischen Aarau und Zürich. «Wenn dort etwas passiert, dann haben wir ein riesiges Problem», so Giezendanner. Denn dort gebe es nur bedingt Alternativen. «Daran müssen wir arbeiten.»

SRF 4 News, 16.2.2026, 2 Uhr; ats; wilh

Meistgelesene Artikel