«Das donnert richtig» – wenn der F/A-18 vom Militärflugplatz Meiringen abhebt, muss man in Brienzwiler Gespräche unterbrechen. Und bald soll der noch lautere Kampfjet F-35A hier starten. Zum Schutz vor dem Fluglärm offeriert das Verteidigungsdepartement VBS den Anwohnenden neue Schallschutzfenster.
In der 500-Seelen-Gemeinde Brienzwiler erhält jedoch nur ein Teil des Dorfes neue Fenster. Die Grenze des sogenannten Schallschutzperimeters um den Flugplatz, den das VBS im April vorgestellt hat, verläuft mitten durchs Dorf. «Das ist eine Anmassung», sagt Alexander Schild.
Wer keine Einsprache macht, geht sicher leer aus
Schild wohnt oberhalb der Dorfstrasse, entlang welcher die Schallschutz-Linie verläuft. Er erhält keine Schallschutzfenster, seine Nachbarn auf der anderen Strassenseite schon. «Man kann doch nicht sagen, bis hierhin ist es zu laut, und im Haus nebenan ist es erträglich.» Wenn es nach Schild ginge, müsste man das ganze Dorf gleich behandeln.
Die Schilds haben schon vor vier Jahren auf eigene Kosten Schallschutzfenster eingebaut. Trotzdem fürchten sie, dass ihre Liegenschaft durch den Fluglärm weniger wert wird. Darum haben sie jetzt eine Einsprache gemacht gegen die Flugpläne des VBS in Meiringen. Nur wer jetzt Einsprache macht, kann später eventuell Anspruch erheben wegen Minderwert seines Grundstücks.
Brienzwiler profitiert vom Militärflugplatz
Auf der anderen Seite der Dorfstrasse wohnt die Musikerin Annette Jakob. Sie hat Glück: Ihr Haus liegt innerhalb des Perimeters und erhält Schallschutz. Aber eigentlich störe sie der Fluglärm kaum, erzählt sie: «Die Lärmphasen sind laut, aber kurz. Man gewöhnt sich dran.»
Zudem betont Jakob den Nutzen des Militärflugplatzes für das Dorf: «Es gibt ein paar Familien hier, deren Väter auf dem Flugplatz arbeiten.» Die Gemeinde profitiere vom Flugplatz und vom Militär.
Die Grenze des Schallschutzperimeters teilt Brienzwiler. Das stört auch Gemeindepräsident Adrian Schild. Er wünscht sich Lärmschutzmassnahmen fürs gesamte Dorf. «Brienzwiler liegt am Hang wie eine Tribüne, der Lärm betrifft fast alle gleich.»
Darum wird auch die Gemeinde eine Einsprache machen gegen den geplanten Kampfjetbetrieb. «Auch wenn wir nichts gegen den Militärflugplatz haben.»
Grosse Ungewissheit bezüglich Fluglärm
Besonders schwierig findet der Gemeindepräsident, dass man den Lärm des Kampfjets F-35A in Brienzwiler noch gar nicht wirklich habe erfahren können. «Die Ungewissheit über die Auswirkungen des F-35A ist gross und schürt Misstrauen und Angst bei den Bürgerinnen und Bürgern.»
Wie laut der F-35A in Brienzwiler sein wird, ist umstritten. Doch die unsichtbare Grenze des VBS hat reale Folgen im geteilten Dorf.