Der Genfer Rechtsanwalt Romain Jordan vertritt über 20 Opfer-Familien von Crans-Montana. Familien, die ihre Kinder verloren haben. Und solche, deren Kinder schwer verletzt in Spitälern versorgt werden. Nun will der Opferanwalt mit einer Staatshaftungsklage gegen die Gemeinde vorgehen.
«Wir haben bereits mit den Arbeiten an einer Staatshaftungsklage begonnen. Wir werden eine Zivilklage vorbereiten und zum gegebenen Zeitpunkt den Schaden beziffern.»
Der Genfer Anwalt geht davon aus, dass die Gemeinde Crans-Montana für viele Kosten, die durch die Brandkatastrophe entstanden sind, aufkommen muss.
Die Gesamtkosten und Schäden werden sich im Bereich von mehreren hundert Millionen Franken bewegen.
Doch wie hoch werden die Kosten der Brandkatastrophe überhaupt ausfallen? Es gibt erste grobe Schätzungen. Anwalt Martin Hablützel ist spezialisiert auf Personenschäden, die durch Unfälle entstanden sind. «Die Gesamtkosten und Schäden werden sich im Bereich von mehreren hundert Millionen Franken bewegen. Das rührt daher, dass enorme Heilungs- und Rehabilitationskosten entstehen werden.»
Es seien aber auch Pflegehilfen oder Haushaltshilfen zu entschädigen. «Und nicht zuletzt Schmerzensgelder oder riesige Summen für die jungen Menschen, die nicht mehr ins Erwerbsleben treten können.»
Der Gemeinderat von Crans-Montana ist am Dienstag erstmals vor die Medien getreten. Und musste eingestehen: Die vom Gesetz jährlich verlangte Brandschutzkontrolle wurde in der Bar «Le Constellation» letztmals 2019 durchgeführt. Die Hinweise verdichten sich, dass die Gemeinde möglicherweise ihren Pflichten nicht nachgekommen ist.
Experten räumen Klage gute Chancen ein
Staatsrechtsexperten gehen davon aus, dass eine Staatshaftungsklage gegen die Gemeinde Crans-Montana aussichtsreich sein könnte. «Feuerpolizeiliche Normen sind elementare Verpflichtungen von Gemeinwesen, um für eine gewisse Sicherheit zu sorgen», sagt Felix Uhlmann, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht. «Und wenn diese verletzt worden sind, sind wir sehr viel näher bei der Staatshaftung.»
Die Kosten der Verletzten und Todesopfer müssen zuerst einmal die Versicherungen tragen. Doch die Versicherungsgesellschaften werden anschliessend versuchen, den entstandenen Schaden bei den mutmasslichen Verursachern einzutreiben.
«Die Kranken- und Unfallversicherungen können Rückgriff nehmen auf die verantwortlichen Personen oder das Gemeinwesen. Diese werden auf die haftpflichtigen Personen und die Gemeinde Crans-Montana Rückgriff nehmen», sagt Haftpflicht-Spezialist Hablützel.
Belastete Gemeindefinanzen
Experten gehen davon aus, dass allfällige Versicherungen der Gemeinde kaum reichen werden, alle Forderungen abzudecken. Crans-Montana hatte Ende 2024 ein Eigenkapital von rund 160 Millionen Franken. Auch dieses Kapital könnte zur Tilgung des Schadens herangezogen werden.
«Dies wird die Gemeindefinanzen belasten, wenn es tatsächlich dazu kommt, dass hier die Gemeinde einspringen und Schaden zahlen muss, welche andere nicht übernehmen können und decken – und sie verantwortlich ist für die Schäden, die hier eingetreten sind», erklärt Staatsrechtler Uhlmann. Am Schluss würde das alles bei der Gemeinde und den Steuerzahlern der Gemeinde hängen bleiben.
Ob der Gemeinde Crans-Montana eine Mitverantwortung bei der Brandkatastrophe nachgewiesen werden kann, ist offen. Noch hat die Staatsanwaltschaft Wallis die Strafuntersuchung nicht auf die Gemeinde ausgeweitet.