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KI in der Medienbranche Sind Schweizer Onlinemedien am Ende?

Glaubt man Ringier-Chef Marc Walder, steht vielen Schweizer Medien eine düstere Zukunft bevor. Digital würden hierzulande neben SRF nur drei Medienmarken ökonomisch überleben, erklärte Walder im Interview mit der NZZ am Sonntag: Die NZZ, der Blick und 20 Minuten.

Droht der Medienbranche tatsächlich ein Massensterben? Einschätzungen von SRF-Digitalredaktor Jürg Tschirren.

Jürg Tschirren

Digitalredaktor

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Jürg Tschirren hat Zeitgeschichte und Journalismus studiert. Er arbeitet seit 2007 für SRF und berichtet über IT, Kommunikation, Unterhaltungselektronik, digitale Distribution, soziale Netzwerke, Datenschutz, Computersicherheit und Games.

Wie wird KI die Schweizer Onlinemedien in den nächsten Jahren beeinflussen?

Einerseits kann KI helfen, die Effizienz zu steigern, etwa mit KI-Transkriptionen, Zusammenfassungen, Übersetzungen und so weiter. Andererseits frisst KI aber den Traffic: Googles KI-Zusammenfassungen sollen Nachrichtenseiten bereits gut einen Viertel ihrer Besucher gekostet haben. Medien, die stark von Suchmaschinen abhängen, sind am stärksten bedroht. Das ist ein Trend, der sich wohl noch verschärfen wird.

Was bedeutet KI für das Überleben privater Schweizer Onlinemedien im Gegensatz zu Gratis-Medien wie Blick und 20 Minuten?

Das Geschäftsmodell von Gratis-Reichweitenmedien wie Blick oder 20 Minuten scheint besonders verwundbar: Solche Medien produzieren Agenturmeldungen, Sportergebnisse, Wetterberichte. Also genau das, was KI schneller und billiger liefern kann – allerdings nicht immer ebenso zuverlässig.

Grossraumbüro mit Computern und Mitarbeitern.
Legende: Newsroom des «Tages-Anzeigers» in Zürich: Aus Sicht des Ringier-Chefs dürften Regionaltitel und Lokalpublikationen als digitale Geschäftsmodelle nicht aufrechtzuerhalten sein. (5.6.2023) KEYSTONE/Gaetan Bally

Bezahlmedien, die etwa investigativ arbeiten und viel in eigene Recherchen stecken, bieten dagegen Inhalte, die man sich nicht so einfach von einem KI-Chatbot generieren lassen kann. Im Gegensatz zu Marc Walders Prophezeiung kann genau das eine Chance sein für Regionalmedien oder kleinere Titel wie die «Republik» oder die «WOZ» – sofern das Publikum denn bereit ist, für deren Inhalte zu bezahlen.

Zerstört KI das Bezahlmodell der Onlinemedien tatsächlich?

Es ist nicht klar, wie viel Zugriff KI-Systeme auf Inhalte haben, die hinter einer Paywall liegen oder durch ein Abonnement geschützt sind. Was jetzt schon zu beobachten ist: Dass KI Antworten liefert (zum Beispiel in der KI-Übersicht einer Suchmaschine oder in einem KI-Chatbot), die für viele Nutzende den Besuch einer paywall-geschützten Webseite überflüssig machen. So bricht immer mehr Suchtraffic weg und die Zahlungsbereitschaft für News bleibt generell tief.

Wird Qualitätsjournalismus unter dem Einfluss von KI künftig mehr geschätzt – oder gänzlich zerstört?

Beides kann gleichzeitig der Fall sein: Medien, die selbst recherchieren, einordnen und verlässlich auswählen, welche Themen wichtig sind und welche nicht, werden in der durch die KI ausgelösten Flut an Inhalten wohl wichtiger denn je sein. Medien dagegen, die KI lediglich als Instrument benötigen, um Kosten zu sparen, drohen auf Dauer ihr Vertrauenskapital zu verspielen.

Der Lokal- und Regionaljournalismus liefert hier oft originäre Inhalte, die für die jeweiligen Nutzer wirklich wertvoll und an anderen Orten nicht zu lesen sind. Allerdings haben gerade diese Titel oft weniger Ressourcen, um künstliche Intelligenz so einzusetzen, dass sie bei der Arbeit davon profitieren können.

So arbeitet SRF mit KI

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Wenn SRF KI-Tools nutzt, dann sehr umsichtig: Wir prüfen, verifizieren und ergänzen KI-generierte Ergebnisse mit dem eigenen Fachwissen – nach journalistischen Kriterien.

In der Berichterstattung versehen wir Audios, Bilder und Videos, die von KI erstellt wurden, mit einem entsprechenden Hinweis. Texte, die mit Unterstützung von KI entstehen, werden redaktionell geprüft und abgenommen. Dazu gehört ein Quellen- und Faktencheck.

Wir setzen KI-Tools dort ein, wo sie uns in unserer Arbeit unterstützen. Dabei stellen wir sicher, dass die journalistische Qualität unserer Inhalte jederzeit gewährleistet ist.

Vertrauliche Informationen oder Personendaten geben wir nur in ausgewählte KI-Tools ein. Diese sind durch SRF geprüft und genehmigt. 

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Echo der Zeit, 9.4.2026, 18 Uhr ; 

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