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Kiloweise Material Mit dem Bagger gegen tote Quaggamuscheln – Fischer sind verärgert

Mitten im Rhein werden seit dieser Woche Muschelbänke abgebaggert. Für die Fischer ein unnötiger Eingriff ins Ökosystem.

Für Co-Präsident Marco Stoll war es eine einmalige Sache. Zähneknirschend akzeptierte der Schaffhauser Fischereiverband, dass sich ein Bagger auf dem Grund des Rheins zu schaffen machte. Berge von abgestorbenen Quaggamuscheln sollten abgetragen werden. Das war im Herbst 2024 bei Stein am Rhein SH.

Touristenboot auf einem Fluss mit malerischen Gebäuden im Hintergrund.
Legende: Führt der Rhein genug Wasser, haben die Schiffe zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein freie Fahrt. Keystone/Melanie Duchene

Die Ortschaft liegt auf der Schiffsroute zwischen Schaffhausen und Kreuzlingen. Sie wird von der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein URh betrieben. Die Reise zum Bodensee ist eine Touristenattraktion.

Derzeit ist die Strecke unterbrochen. Das hat zwei Ursachen: Niedrigwasser und die Muschelbank mitten in der Fahrtrinne für Schiffe. Sie verringert die Wassertiefe zusätzlich.

Die Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 1.25 Metern können nicht passieren. Das Problem der Muschelberge ist trotz Ausbaggerung 2024 also nicht gelöst.

Auf Kosten des Ökosystems?

Diese Woche ist der Bagger wieder aufgefahren. Das ärgert den Schaffhauser Fischereiverband. Co-Präsident Marco Stoll sagt: «Damals war von einer einmaligen Massnahme die Rede. Wir haben diese Pille geschluckt. Dieses Mal akzeptieren wir das nicht.»

Luftbild eines Bootes und Baggers im klaren türkisfarbenen Wasser.
Legende: Eine Baustelle mitten im Rhein: Die Fortbewegung des Baggers im Rhein ist anspruchsvoll. Das liegt am unbekannten Untergrund. SRF

Für Stoll sind die Baggerarbeiten ein teurer, aber nicht nachhaltiger Eingriff ins Ökosystem. Fische, Wasservögel und Lebewesen am Gewässergrund würden gestört.

Fischlaichgebiete werden überwacht

Kritik, die der Schaffhauser Kantonsingenieur Dino Giuliani so nicht gelten lassen will. «Die Arbeiten im Rhein sind mit den Fischereiaufsichten der Kantone Schaffhausen und Thurgau abgesprochen.» Er ist überzeugt: Die Baggerarbeiten beschleunigen einen natürlichen Prozess.

Mit der Baggerschaufel werden abgestorbene Quaggamuscheln aufgelockert. «Das Muschelmaterial wird von der Strömung des Rheins weggetragen. Wir helfen dem natürlichen Abfluss einfach nach», erklärt Giuliani.

Parallel zu den Arbeiten mitten im Rhein werden die Fischlaichgebiete überwacht. Das Monitoring soll zeigen, was genau mit dem Material passiert und ob Laichgebiete betroffen sind.

Neue Schiffe müssen her

Die Massnahmen besänftigen Fischer Marco Stoll nicht. Seine Kritik geht auch an die Adresse der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein. «Das eigentliche Problem sind die viel zu grossen Schiffe der URh.»

Die Schiffe hätten zu viel Tiefgang. Die Rheinstrecke konnte in den vergangenen Jahren aufgrund des tiefen Wasserstandes oft nicht befahren werden. Und der Muschelkalk verstopft die Schiffsrinne offenbar immer wieder. Die Schiffsrinne ist der tiefste Teil des Wassers, der von den Schiffen befahren werden kann.

Person hält einen Haufen Muscheln in den Händen.
Legende: Laut Bauleiter Sven Maurer befindet sich totes Muschelmaterial in der Grösse von drei Einfamilienhäusern in der Schiffsrinne. SRF

Marco Stoll und die Fischer fordern deshalb, dass die Flotte auf kleine Schiffe umgestellt wird. Ein Anliegen, das bei der Schifffahrtsgesellschaft auf offene Ohren stösst. «Wir sind bereits auf der Suche nach Flachbooten, die einen Tiefgang von weniger als einem Meter haben», sagt Geschäftsführer Remo Rey. Bestenfalls mit Elektroantrieb. Wie rasch sich das umsetzen lasse, sei letztlich eine Frage des Geldes.

Schweiz aktuell, 12.6.2026, 19 Uhr ; 

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