Dr. Susanne Stronski, Kinderärztin und Vorstandsmitglied der Fachgesellschaft Pädiatrie Schweiz, ist erfreut über den Bericht. Dank ihm gebe es endlich einen Überblick darüber, wie es den Kindern und Jugendlichen geht – und zwar nicht nur in der eigenen Praxis, sondern in der ganzen Schweiz, so Stronski zum Nutzen von «KidsHealthCH»: «In der Pädiatrie, also als Kinderärztin, sieht man sehr viele Kinder, aber man kann salopp sagen, nur in seiner eigenen Bubble. Aber wir wollen ja auch wissen, wie es jenseits unserer Bubble, in der Gesamtbevölkerung aussieht.»
Kinderärztin Stronski hat in einem früheren Bericht festgestellt, dass im Grunde zu wenig darüber bekannt ist, wie es den Kindern und Jugendlichen in der Schweiz geht. Mehr Aufmerksamkeit fordert Stronski vor allem für die ersten Teenagerjahre: «Zum einen gibt es in der Schweiz keine Jugendmediziner, für die Pubertät haben wir nicht die beste Versorgung.»
Digitale Medien als Forum für Mobbing und soziale Vergleiche
Zum anderen seien die Kinder und Jugendlichen in der Pubertät sehr vulnerabel, und zwar nicht nur auf der gesundheitlichen, sondern vor allem auch auf der sozialen Ebene, so Stronski.
Die Lebenswelten der jungen Leute sind komplexer geworden
Tatsächlich zeigt sich bei den Elf- bis 15-Jährigen im BAG-Bericht nun ein negatives Bild: Sie sind weniger zufrieden als in den vergangenen Jahren und auch ihr Gesundheitszustand hat sich verschlechtert. Dazu sagt Annette Fahr, die beim Bundesamt für Gesundheit für den Bericht verantwortlich ist: «Die Lebenswelten der jungen Leute sind komplexer geworden. Sie haben neue Herausforderungen zu bewältigen und erleben massive gesellschaftliche Veränderungen.»
Das könne vermehrt zu Stress führen, so Fahr. Zudem sei die Nutzung digitaler Medien ein zusätzliches Forum für Mobbing und soziale Vergleiche.
Trotz neuem Bericht: BAG fordert weitere präventive Schritte
Der Bericht benennt Herausforderungen wie problematischer Konsum von sozialen Medien, Schlafstörungen, Stress und andere psychische Probleme. Daneben gibt es aber auch positive Erkenntnisse: Jugendliche bewegen sich mehr, zudem ist der Konsum von Alkohol und Cannabis gesunken.
Doch eine besondere Herausforderung seien neue Tabak- und Nikotinprodukte wie etwa E-Zigaretten, so Fahr: «Die Jugendlichen werden angelockt durch die fruchtigen Aromen, die bunten Designs und die gute Vermarktung.» Aber es sei grundsätzlich wichtig, den Jugendschutz konsequent durchzusetzen, sagt Fahr und betont: Auch mit dem neuen BAG-Bericht brauche es weitere präventive Schritte und ein wachsames Auge für die Kinder- und Jugendgesundheit.