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Kinder von Suchtkranken «Am schlimmsten war das Verstecken»

In der Schweiz läuft eine Aktionswoche für Kinder von Eltern mit einer Suchterkrankung. Ein Treffen mit der Künstlerin und Schauspielerin Nina Langensand, die selber mit einer alkoholkranken Mutter aufgewachsen ist.

In der Schweiz leben gemäss Schätzungen etwa 100'000 Kinder, die mit einer suchtkranken Mutter oder einem suchtkranken Vater aufwachsen. In einer nationalen Aktionswoche will die Organisation Sucht Schweiz darauf aufmerksam machen, dass diese Kinder für die Gesellschaft oft unsichtbar bleiben.

Mit Mutter auf der Bühne

Nina Langensand führt im Rahmen der Aktionswoche ihr Theaterstück «Alkohol» auf, das sie zusammen mit ihrer Mutter entwickelt hat und bei dem sie zusammen mit ihr auf die Bühne steht. «Ich habe ihr gesagt, ich will das machen, aber nur mit dir. Es geht nicht anders, wir müssen eine Form finden», sagt Nina Langensand, die in früheren Stücken auch schon ihren Bruder und ihre Grossmutter in die Theaterstücke eingebunden hat.

Vier Personen tanzen in einem dunklen Raum.
Legende: In ihrem Theaterstück «Alkohol» steht Nina Langensand gemeinsam mit ihrer Mutter auf der Bühne. Anne Morgenstern

Es sei für die Mutter nicht einfach, wenn sie ihre Kindheit öffentlich thematisiere. Da ist die Angst, dass es jemand hört, der sie kennt. Da sind die Schamgefühle. Das Verstecken und Verbergen war zentral in der Kindheit von Nina Langensand: «Dieses Verbergen müssen, das Angst haben, dass es jemand merkt, war eigentlich das Schlimmste.»

Als Kind hat man das Gefühl, dass das gar niemand hören will.
Autor: Nina Langensand Theaterschaffende

Zwar sei der Alltag stressig gewesen. Aber oft habe sie sich auch einfach gewünscht, dass ihre Situation, ihre Familie so sein dürfe, wie sie war. Und diese Sachlage in der Gesellschaft akzeptiert sei, damit es dieses Verstecken nicht brauchte.

Frau mit Leopardenmuster-Mantel, liegt auf dem Boden.
Legende: Nina Langensand ist heute Künstlerin und Schauspielerin. Sie ist mit einer alkoholkranken Mutter aufgewachsen. Anne Morgenstern

«Manchmal fragen mich Leute, was mir denn am meisten geholfen hätte. Einfach einmal in meiner Kindheit mit jemandem reden können», so ihre Antwort. Das habe nicht stattgefunden. Und sie selber hatte Angst, es anzusprechen. «Als Kind hat man auch das Gefühl, dass das gar niemand hören wolle.» Niemand in Nina Langensands Umfeld wusste um die Alkoholkrankheit ihrer Mutter.

Klavierunterricht und Bestnoten

Sie ist in der Familie mit ihrem jüngeren Bruder, dem Vater, der berufstätig und nicht suchtkrank war, und mit ihrer alkoholkranken Mutter im Kanton Luzern aufgewachsen. Sie hatte Ballett- und Klavierunterricht, schrieb Bestnoten in der Schule. Dass sie heute gehört werde von ihrer Mutter, sei schön: «Es ist ja nicht ihr Fehler, dass ich allein war mit einer betrunkenen und schreienden Person, die meine biologische Mutter ist und die es auch einfach nur so gut machte, wie sie konnte.»

Es kann doch nicht sein, dass ich halt einfach Pech habe. Es müsste doch jemand kommen, dachte ich.
Autor: Nina Langensand Theaterschaffende

Nina Langensand rang als Kind selbst mit Schuldgefühlen und dachte, sie müsse es besser machen. Gleichzeitig hatte sie bereits früh das Gefühl, dass etwas nicht richtig läuft. Sie meint damit die Gesellschaft: «Ich als Kind brauchte jemanden, der für mich da ist. Und die, die offiziell für mich da sein sollten, sind überfordert. Es kann doch nicht sein, dass das da aufhört, dass ich halt einfach Pech habe. Es müsste doch jemand kommen, dachte ich.»

Drei Personen von hinten, verschiedene Jacken tragend.
Legende: Das Stück «Alkohol» wird im Rahmen der Aktionswoche für Kinder von Eltern mit einer Sucherkrankung aufgeführt. Beatrice Fleischlin

Gehört und gesehen werden, Mitgefühl, das hätte sie sich gewünscht als Kind. Heute traut sie sich hinzustehen, sogar auf der Bühne – und das Aufwachsen mit einer alkoholkranken Mutter dort zu thematisieren. Gleichzeitig sagt sie: «Ich bin nicht irgendwie eine Schutzpatronin für alle erwachsenen Kinder aus Familien mit Sucherkrankungen. Es geht nicht um Schuld und Verurteilung, sondern darum, mit allem, was ist, gemeinsam da zu sein.»

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Aufführungen Theater «Alkohol»

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Do, 19. März, Burgbachkeller, Zug

Fr, 20. März, Burgbachkeller, Zug

Tickets

Rendez-vous, 18.3.2026, 12:30 Uhr;liea

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