Maria Oesch und Raphael Hähner sind in einem Waldstück oberhalb von Muttenz BL unterwegs, im «Dürrain». Die Forstingenieurin und der Forstingenieur wollen den Wald vermessen. Und das ist teilweise eine Detektivarbeit.
«In diesem Wald suchen wir sechs Buchen», sagt Oesch, während sie sich einen Weg durch das Dickicht bahnt. Genauer: vier grosse und zwei kleine Bäume. Sie sind mit einem Metallrohr markiert, denn diese Bäume wurden schon früher vermessen.
Bald schon schlägt der Metalldetektor Alarm. Die beiden haben einen der vier Bäume gefunden. Bei ihm wurde das Rohr 1990 angebracht. Damals wurde er zum ersten Mal vermessen.
«Das ist eine schöne, gesunde Buche», sagt Oesch, nachdem sie den Stamm ausgemessen hat. Er habe seit der letzten Messung fünf Zentimeter mehr Umfang. Auch bei einem der nächsten Bäume freuen sich die beiden. «Mein Werkzeug reicht nicht aus», ruft Hähner – und holt ein Massband. Der Umfang des Baumstammes beträgt mehr als 80 Zentimeter. «Das ist sehr aussergewöhnlich», sagt Hähner. «So dicke Bäume findet man nicht mehr häufig.»
Die dicke Buche hat auch ein stolzes Alter: 140 Jahre, schätzt Hähner. Gerade bei einer Buche ist das ein besonders erfreuliches Resultat. Denn: «Die grossen Buchen haben Mühe mit dem Klimawandel», sagt Maria Oesch. Sie brauchen 400 bis 600 Liter Wasser pro Tag. Bekommen sie zu wenig, sterben sie ab.
In der Region Basel ist dieses Problem ausgeprägter als andernorts in der Schweiz. Der Klimawandel zeige sich in der Region nämlich besonders stark, sagt Luzius Fischer vom kantonalen Amt für Wald und Wild beider Basel. Die Gegend liege im Regenschatten von Jura, Vogesen und Schwarzwald. Es sei darum trockener als an vielen anderen Orten der Schweiz. «Hier haben wir schnell bemerkt, dass insbesondere die alten Bäume mit den trockenen Phasen nicht gut umgehen können.»
Was die Kronen sagen
Doch nicht nur die Stämme der Bäume geben Hinweise auf die Gesundheit des Waldes. Das tun auch die Baumkronen. Maria Oesch schaut in die Höhe: «Hier sehen wir, dass sie nicht so dicht beieinander sind, dass die Bäume also ziemlich weit auseinander stehen.»
Eine Beobachtung, die auch Zahlen der Holzwirtschaft aus einem anderen Wald bei Muttenz belegen, dem «Hardwald». Man sehe, dass sich «der Wald sehr stark verändert», sagt Fischer: Von 300 Kubikmetern Holz pro Hektar sei man 15 Jahre später nun bei 180 Kubikmetern. «Das ist eine extrem starke Abnahme.»
Die Daten, die Hähner und Oesch an diesem Nachmittag im Baselbieter Wald sammeln, dienen aber nicht nur dazu, den Ist-Zustand aufzunehmen. Sie sollen auch helfen, die Zukunft zu planen. Denn die Vermessung zeigt nicht nur, welche Bäume besonders Mühe mit dem Klimawandel haben, sondern auch, welche mit weniger Wasser und grösserer Hitze zurecht kommen.
Darum achte man darauf, «dass man Bäume fördern kann, die klimaresistent sind und mit Extremereignissen besser umgehen können», so Fischer. Das seien beispielsweise Eichen, Linden und Föhren.
Beobachten und Messen
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Bild 1 von 3. Ein Blick in die Baumkronen gibt Hinweise darauf, dass die Bäume nicht mehr so dicht beieinanderstehen wie früher. Bildquelle: SRF/Nina Gygax.
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Bild 2 von 3. Und beim Messen der Baumstämme kann man sehen, welche Bäume gut und welche weniger gut wachsen. Bildquelle: SRF/Nina Gygax.
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Bild 3 von 3. Mit den Daten der Messungen und Beobachtungen der Forstleute kann der Wald der Zukunft geplant werden: Mit Bäumen, die den Klimawandel besser ertragen als beispielsweise die Buche, die in der Schweiz weitverbreitet ist. Bildquelle: SRF/Nina Gygax.
Klar sei, dass sich der Wald verändern werde. Buchen, die den Wald in der Region Basel prägen, werden durch andere Bäume ersetzt. Oder wie Fischer sagt: «In Zukunft wird es bestimmt nicht mehr viele grosse, dicke Bäume geben, wie die 80-Zentimeter-Buche, die wir vorher vermessen haben.»