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Klimawandel im Schulalltag Stadt Zürich reagiert auf Hitzestau in Klassenzimmern

Mehr Grün und entsiegelte Pausenplätze: So will das Stadtzürcher Parlament die Hitze aus den Schulhäusern vertreiben.

Hitzetage über 30 Grad und Tropennächte, in denen die Temperaturen nicht mehr unter 20 Grad sinken, nehmen in der Stadt Zürich zu. Mitten in der Stadt, wie am Stampfenbachplatz, akzentuiert sich die Hitze zudem tendenziell stärker als im Umland. Sie staut sich auf dicht bebauten Flächen, das zeigen Messungen der Stadt.

Insbesondere in älteren Zürcher Schulhäusern wird die Hitze in der Stadt offenbar rasch spürbar. Schon am Morgen früh könne es in Klassenzimmern um die 30 Grad heiss sein, sagte im Zürcher Stadtparlament Selina Walgis, Gemeinderätin der Grünen und selbst Lehrerin.

Kinder können Wärme weniger gut durch Schwitzen ableiten.
Autor: Selina Walgis Gemeinderätin Grüne

Für konzentriertes Lernen eine schlechte Voraussetzung, denn Kinder hätten es bei Hitze besonders schwer. So würden sie hohe Temperaturen weniger gut ertragen, weil sie die Wärme schlechter regulieren könnten. Auch für Lehrpersonen seien die heissen Klassenzimmer keine gute Arbeitsumgebung, fanden die Grünen im Stadtzürcher Parlament und forderten in einer Motion rasche Abhilfe. Die Stadt müsse dringend etwas unternehmen.

Kinder, die in einem Klassenzimmer auf Tischen einschlafen.
Legende: Bei 30 Grad und mehr fällt das Lernen schwer. Nach ein paar kühleren Tagen ziehen auch ganz aktuell die Temperaturen wieder an: SRF Meteo prognostiziert einen «Steigerungslauf» für nächste Woche mit bis zu 31 Grad. Getty Images/skynesher (Symbolbild)

Als Sofortmassnahmen soll die Stadt rasch mehr Bäume auf den Schularealen pflanzen, Dächer und Fassaden begrünen, Pausenplätze entsiegeln und nächtliches Lüften tolerieren. Es seien Massnahmen, die rasch und einfach umgesetzt werden könnten, argumentierte auch die SP.

Auch der Lehrerverband kritisiert überhitzte Schulräume

Praktisch identische Forderungen hatte der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer bereits im Frühling schweizweit gestellt. Der Verband argumentierte, mehr als 26 Grad in Klassenzimmern seien gesundheitsschädlich, das würden Studien belegen.

Satellitenbild einer urbanen Landschaft mit Strassen und Flüssen.
Legende: Die Karte zeigt eine sogenannte «Hitzeinsel» in der Stadt Zürich, rund um den Hardplatz. Sie kühlt nachts kaum ab und ist deutlich wärmer als das umliegende Land. In Zürich können es bis zu 5 bis 7 Grad Unterschied sein. Ursache sind vor allem versiegelte Flächen, dichte Bebauung, fehlende Vegetation und Abwärme von Gebäuden und Verkehr. Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft, Kanton Zürich

Alternativen zu den Sofortmassnahmen gebe es zudem nicht wirklich. Hitzefrei sei abgeschafft worden, die Schulen hätten eine Obhutspflicht. Auf den Wald ausweichen, sei auch keine dauerhafte Lösung, hiess es von der Verbandsspitze.

An die Hitze gewöhnen als Rezept

Bürgerliche Parteien wie FDP und SVP widersprachen im Rat. Jean-Marc Jung von der SVP sprach von «sinnlosem grünen Aktivismus». Ausserdem sei die Situation in der Schweiz nicht so dramatisch, wie es die Linken behaupten würden.

Wir müssen Hitzeresistenz aufbauen bis zu einem gewissen Grad – das gilt auch für die Kinder.
Autor: Jean-Marc Jung Gemeinderat SVP

Im Süden sei es ja noch viel heisser: «Spanien und Griechenland haben damit leben gelernt.» Das relativiere den hiesigen Hitzestress, so Jung. Alle müssten eine gewisse Hitzeresistenz aufbauen, auch die Kinder. «Mit den Einschränkungen müssen wir einfach leben.»

Kind schreibt an einem Tisch mit einem Federmäppchen im Vordergrund.
Legende: Trotz Hitze fleissig lernen: Das ist Gewöhnungssache, sagt die SVP. Keystone/Gaetan Bally

Die FDP wies darauf hin, dass die Stadt bereits sehr viel unternehme, um die Hitze zu mindern. Beim Bau von neuen Schulhäusern gebe es zum Beispiel viele Vorschriften diesbezüglich. Der Stadtrat solle nicht zu noch mehr Massnahmen verpflichtet werden.

Mit den Stimmen der AL und zusätzlich der GLP erhielt der Vorstoss der Grünen dennoch eine grosse Mehrheit. Fast zwei Drittel der Ratsmitglieder unterstützten ihn schliesslich. Der Stadtrat hat nun zwei Jahre Zeit, Massnahmen gegen die Hitze in Zürcher Schulhäusern vorzulegen.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 11.6.2026, 12:03 Uhr ; 

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