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Krebsprävention in der Schweiz Krebsspezialist: «Vorbeugen ist immer besser als Flicken»

Trotz steigender Krebszahlen ist der Onkologe Roger von Moos optimistisch: Dank moderner Behandlungsmethoden leben viele Krebsbetroffene heute länger, mehr oder weniger normal oder gelten sogar als geheilt. Statt Angst plädiert Krebsspezialist von Moos im Rahmen des Weltkrebstages für bessere Prävention, Aufklärung und einen nüchternen Blick auf die Fortschritte der Krebsforschung.

Roger von Moos

Direktor des Tumor- und Forschungszentrums in Chur

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Prof. Dr. med. Roger von Moos ist Direktor des Tumor- und Forschungszentrums des Kantonsspitals Graubünden und leitet das Krebsregister des Kantons Graubünden. Der 60-Jährige ist ausgebildeter Onkologe (Krebsspezialist) und betreut noch immer Patientinnen und Patienten. Zudem ist von Moos Leiter des Ressorts Politik der Schweizerischen Gesellschaft für medizinische Onkologie und politisiert im Kanton Graubünden für die GLP.

Bild: ZVG

Mehr Informationen über die Arbeit des Krebsspezialisten

SRF News: Gibt es mehr Krebs als früher oder wird er einfach mehr und besser diagnostiziert?

Roger von Moos: Dass die Zahl steigt, das kann man nicht wegdiskutieren. Die Frage stellt sich natürlich: Wie hoch ist die effektive Zunahme an Krebserkrankungen und welchen Einfluss hat die demografische Entwicklung der Bevölkerung? Und wie viele Diagnosen stellen wir heute, die wir früher nicht gemacht haben? Vor 100 Jahren hatten wir keine Computertomographie und Ähnliches. Viele Menschen sind dann einfach mit der Diagnose-Auszehrung gestorben.

Welche Krebsarten, die früher tödlich waren, können wir heute ganz gut behandeln?

Am eindrücklichsten ist sicherlich der schwarze Hautkrebs, der im metastasierten Stadium vor 20 Jahren noch innerhalb von sechs bis zwölf Monaten zum Tod führte. Mit den modernen Immuntherapien und Tabletten können wir heute etwa 20 Prozent der Menschen heilen, die früher nach sechs bis zwölf Monaten gestorben sind. Und das Überleben hat sich in dieser Gruppe verfünffacht, also im Median leben solche Menschen fünf Jahre und nicht mehr sechs bis zwölf Monate. Auch beim Lungen- oder Brustkrebs haben wir grosse Fortschritte gemacht. Dann gibt es andere Tumorarten, bei denen wir immer noch sehr schlecht sind, wie beim Speiseröhren- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Die Menschen leben ein mehr oder weniger normales Leben mit einer Langzeittherapie, auch wenn sie nicht geheilt sind.

Heute sind fünf Jahre nach der Diagnose noch 67 Prozent der Betroffenen am Leben. Ist dies das klarste Beispiel für den Fortschritt in der Krebsbehandlung?

Das ist eine eindrückliche Zahl. Wenn sie nicht geheilt sind, aber mit einem Krebs 15 oder 20 Jahre leben, dann ist das auch etwas sehr Tolles. Es gibt mittlerweile Tumorarten, welche mit einer Langzeittherapie über Jahrzehnte hinweg behandelt werden. Die Menschen leben ein mehr oder weniger normales Leben mit dieser Therapie, auch wenn sie nicht geheilt sind. Das ist für mich mindestens genauso wertvoll wie eine Heilung. Natürlich ist es mit mehr Nebenwirkungen und Kosten vergesellschaftet, aber es gibt diesen Menschen ein lebenswertes Leben.

Welche Botschaft würden Sie den Menschen angesichts der steigenden Krebszahlen mitgeben wollen?

Mit Angst ist man immer schlecht bedient. Wenn man aufmerksam ist und sein Verhalten je nach Situation anpasst, ist man gut bedient. Sprich: Mit einem vernünftigen Verhalten kann man sein Risiko deutlich senken. Ich glaube, Alarmismus ist der falsche Punkt, aber Krebs ist im Alter zwischen 45 und 65 Jahren die häufigste Todesursache, und das muss man ernst nehmen. Und: Was wir präventiv machen können, sollten wir unbedingt machen, denn Vorbeugen ist immer besser als Flicken.

Wir werden erstens viele Tumore heilen können und viele von diesen Tumorerkrankungen zu einer chronischen Erkrankung überführen, das heisst: mit dem Krebs leben.

Können wir Krebs irgendwann in näherer Zukunft überwinden?

Schauen Sie, ich bin froh, wenn ich fünf Jahre überblicken kann. Und in fünf Jahren werden wir nicht alle Krebsarten heilen können. Ich bin überzeugt, dass wir auch in 10 oder 20 Jahren nicht an diesem Punkt sein werden. Aber wir werden viele Tumore erstens heilen können und viele von diesen Tumorerkrankungen zu einer chronischen Erkrankung überführen, das heisst: mit dem Krebs leben.

Das Gespräch führte Susanne Stöckl.

Zahlen & Fakten zu Krebserkrankungen in der Schweiz

SRF 4 News, 4.2.2026, 16:36 Uhr ; 

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