In Albanien steht Ministerpräsident Edi Rama unter starkem Druck: Seit Wochen gibt es Proteste. Demonstrierende fordern seinen Rücktritt.
Derweil feiert sich Edi Rama in Basel als Künstler. Eines seiner Werke ist Teil des «Art Parcours» der Kunstmesse Art Basel. Es steht bei der Mittleren Brücke mitten in der Stadt. Edi Rama ist deswegen nach Basel gereist.
In Albanien muss er wegen seiner Reise in die Schweiz weitere Kritik einstecken: Seit Dienstag kursiert ein verwackeltes Handyvideo in den sozialen Medien, welches ihn bei einem Apéro in Basel zeigt. Darunter sind beim albanischen Kanal «Replikemedia» Kommentare zu lesen, die ihn als Verräter oder Dieb beschimpfen.
Edi Rama in Basel
Rama nimmt die Kritik ernst. Der Ministerpräsident habe bereits darauf reagiert, schreibt das englischsprachige Nachrichtenportal «Voxnews» und druckt Ramas Statement dazu ab.
Ich bin noch nie privat mit staatlichen Geldern gereist – das gilt ebenso für meine Familie.
Darin betont Rama, dass er die Reise selbst bezahlt habe: «Ich habe ein Video geteilt, in dem jemand mich dabei gefilmt hat, wie ich in Basel, Schweiz, auf Staatskosten Wasser getrunken habe. In fast drei Jahrzehnten im öffentlichen Dienst bin ich noch nie privat mit staatlichen Geldern gereist – das gilt ebenso für meine Familie.»
Er sei als Privatperson von der Art Basel eingeladen worden. Niemand finde Geld in seiner Tasche, welches er nicht ehrlich verdient habe, so Rama weiter. Dies schreibt er wohl auch, weil es in seinem nahen politischen Umfeld Korruptionsskandale gibt.
Dass Rama ein Kunstwerk ausstellt, hat mit seiner Vergangenheit zu tun. Vor seiner Karriere als Politiker hat Rama Malerei in Tirana studiert. Danach hat er als Künstler gelebt, zeitweise als Kunstlehrer in Albanien, zeitweise in Paris als Kunstschaffender.
Image des Anti-Establishment-Politikers
«Das Image als unangepasster Künstler und als Freigeist in der Politik pflegt Edi Rama noch immer sehr gerne», sagt SRF-Ausland-Korrespondent Janis Fahrländer. So stelle der heutige Politiker seine Werke noch immer gerne international aus, wie derzeit an der Art Basel. Rama breche ohnehin gerne Normen, wie beispielsweise am EU-Gipfel, als er die anderen europäischen Staatschefs in weissen Turnschuhen begrüsst habe.
«Flamingo»-Proteste auch gegen Rama & Familie des US-Präsidenten
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Bild 1 von 5. Die Proteste in Albanien richten sich gegen ein Bauprojekt, welches in einem Naturreservat entstehen soll. Da der unbewohnte Ort ein Rastplatz, unter anderem für Flamingos, ist, wurden aus den Demonstrationen die «Flamingo-Proteste». Bildquelle: EPA/MALTON DIBRA.
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Bild 2 von 5. Die Proteste richteten sich allerdings nicht mehr nur gegen das Bauprojekt, sondern auch gegen den Ministerpräsidenten. Edi Rama sei der «Verräter der Nation», schreibt dieser Demonstrant. Bildquelle: AP Photo/Hameraldi Agolli.
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Bild 3 von 5. Das Luxusressort soll laut Plänen auf der unbewohnten Insel Sazan und der Narta-Lagune entstehen. Bildquelle: AP Photo/Hameraldi Agolli.
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Bild 4 von 5. In das Ferienressort investieren voraussichtlich die Tochter des US-Präsidenten Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner. Bildquelle: AP Photo/Hameraldi Agolli.
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Bild 5 von 5. Die Proteste haben sich auch auf andere Länder ausgeweitet. Hier demonstrieren Menschen in Milano gegen das Bauprojekt. Auch in Zürich gingen Menschen auf die Strasse. Bildquelle: EPA/PAOLO SALMOIRAGO.
Dieses Image zu bewirtschaften, gelinge Rama jedoch stets schlechter: Er sei seit mehr als zwölf Jahren in Albanien an der Macht und seine sozialistische Partei kontrolliere den Staat, so Fahrländer weiter. Zudem gelte er zunehmend als autoritär und greife beispielsweise Justiz und Medien an.
Kunstmesse lässt das Werk stehen
Die Kunstmesse verteidigt das Ausstellen des Werkes. Edi Rama sei nicht als Politiker, sondern als Künstler am «Art Parcours» und sein Werk werde von der «Galerie Société» präsentiert.
«Seine Teilnahme sollte nicht als Stellungnahme der Art Basel zu politischen Entwicklungen in Albanien oder anderswo verstanden werden», so eine Sprecherin der Art Basel. «Ebenso stellt sie keine Unterstützung oder Billigung einer Regierung, politischer Positionen oder eines öffentlichen Amtes dar.»
Angst, das Werk könnte aus Protest verunstaltet werden, hat die Art Basel offenbar nicht. Sie will es nicht besonders schützen, obwohl es nicht in den Hallen der Messe, sondern auf öffentlichem Grund steht.